Im Dezember 2017 sitzt Armin Meiwes aus Rotenburg 15 Jahre lang wegen Mordes und Störung der Totenruhe hinter Gittern

Kommt der Kannibale von Rotenburg dieses Jahr frei?

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Stiller Ort mit grausamer Vergangenheit: Am Eingang des abgelegenen Weilers Wüstefeld, einem Stadtteil von Rotenburg, steht das Haus von Armin Meiwes. Der Fachwerkbau ist inzwischen unbewohnbar.

Kassel. Armin Meiwes (55), der als Kannibale von Rotenburg ab Dezember 2002 weltweit für Horror-Schlagzeilen und Entsetzen sorgte, könnte im Dezember dieses Jahr das Gefängnis als freier Mann verlassen. Zumindest theoretisch.

Meiwes, der einen Menschen getötet und Teile von ihm gegessen hat, verbüßt in Kassel eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes. Die Mindestverbüßungsdauer dafür beträgt 15 Jahre und wird im Dezember 2017 erreicht sein. Eine besondere Schwere der Schuld, die einer Entlassung nach 15 Jahren entgegenstehen würde, wurde vom Gericht seinerzeit nicht festgestellt.

Eine Strafaussetzung zur Bewährung, also eine Entlassung nach 15 Jahren kommt aber grundsätzlich nur dann in Betracht, wenn der Gefangene über eine geraume Zeit durch vollzugsöffnende Maßnahmen entsprechend auf die Freiheit vorbereitet wurde. Außerdem darf nach Ansicht des zuständigen Gerichts und der psychologischen Sachverständigen die in der Tat zutage getretene Gefährlichkeit nicht mehr bestehen.

Kritischer Behandlungsstand

Aus Justizkreisen ist allerdings zu hören, dass Meiwes, der 2012 in die Sozialtherapeutische Anstalt nach Wehlheiden verlegt wurde (vorher saß er in der benachbarten Justizvollzugsanstalt Kassel I), keine gute Sozialprognose hat. Sein Behandlungsstand wird eher kritisch gesehen.

Bislang gibt es dem Vernehmen nach für Meiwes auch noch keine vollzugsöffnenden Maßnahmen (zum Beispiel begleitete Ausflüge in die Freiheit), die für eine Entlassung aber unbedingt erforderlich wären.

Der Vorsitzende Richter Klaus Drescher, der Meiwes am 9. Mai 2006 im Schwurgerichtssaal des Frankfurter Landgerichts wegen Mordes in Tateinheit mit Störung der Totenruhe verurteilt hatte, legte bereits damals seinen Kollegen nahe, Meiwes nach 15 Jahren nicht freizulassen. Denn der bereue seine Tat nicht, sondern sei im Gegenteil noch stolz darauf.

Meiwes werde es wieder tun, wenn er ein Opfer finde, sagte der Richter seinerzeit: „Dabei kann es sich um Kranke und Schwache handeln. Der Staat muss diese Menschen schützen.“

Das Landgericht Kassel hatte das zuvor anders gesehen: In einem ersten Verfahren war Meiwes am 30. Januar 2004 nur wegen Totschlags zu achteinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Gut ein Jahr später hob der Bundesgerichtshof dieses Urteil auf. Eine Verurteilung nur wegen Totschlags und nicht wegen Mordes halte einer rechtlichen Überprüfung nicht stand. Darum wurde noch einmal verhandelt: Das Urteil des Frankfurter Landgerichts wurde schließlich vom Bundesgerichtshof bestätigt.

Die Frankfurter Richter hatten auch deutlich gemacht, dass es sich bei der Tat um Mord handelte. Mordmerkmal war die Befriedigung des Geschlechtstriebs. Alle Handlungen Meiwes seien sexuell motiviert gewesen: Das Fleisch junger Männer sei das einzige Mittel, mit dem der Mann aus Rotenburg seine Lust befriedigen könne. (use/tho)

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