Psychiatrie und Orthopädie sollen ans HKZ – Neues Bettenhaus

Klinikum Hersfeld-Rotenburg investiert über 70 Millionen Euro 

Stellten die Pläne vor: Dr. Tobias Hermann, Medizinischer Direktor des Klinik-Konzerns, Klinikum-Geschäftsführer Martin Ködding und der Ärztliche Direktor Prof. Dr. Markus Horn (von links).

Das Klinikum Hersfeld-Rotenburg will in den nächsten Jahren mehr als 70 Millionen Euro in die bauliche und medizinische Weiterentwicklung an den Standorten in Bad Hersfeld und Rotenburg investieren.

Das hat der Aufsichtsrat unter Vorsitz von Landrat Dr. Michael Koch beschlossen. Möglich werden diese Investitionen dank großzügiger finanzieller Unterstützung des Landes aus verschiedenen Fördertöpfen.

Landrat Koch sprach von einem „Riesenschritt für das Klinikum“ und einem „Gewinn für den ganzen Kreis.“ Der Ärztliche Direktor Markus Horn nannte die Investitionsmöglichkeit eine „historische Situation“, die ungeahnte neue Spielräume schaffe, um HKZ und Klinikum „gemeinsam zu denken“. Der Geschäftsführer des Klinikums, Martin Ködding, erklärte, bei allen Veränderungen gelte das Prinzip „Umbau vor Neubau“. Es mache keinen Sinn, an einem Ort neu zu bauen und an anderen Leerstand zu haben.

Konkret geplant ist deshalb die Sanierung und Erweiterung des maroden Bettenhauses Mitte sowie die energetische Sanierung des Bettenhauses West in Bad Hersfeld. Damit einher geht der Umzug der Psychiatrie aus den jetzt schon beengten und nicht mehr zeitgemäßen Räumen in Bad Hersfeld in das so genannte Bettenhaus 2 am HKZ in Rotenburg. Auch die Orthopädische Klinik im Kurpark in Bad Hersfeld soll mittelfristig am HKZ in der Rodenberg-Klinik untergebracht werden. Dort könne die Orthopädie mit angegliederter Reha-Einrichtung mit „Privat-Klinik-Ambiente weiterentwickelt werden“, sagte Ködding. Zudem soll in Rotenburg ein neuer Funktionstrakt mit OP-Räumen gebaut werden. Baubeginn könnte schon im kommenden Jahr sein.

„Ein Krankenhaus – zwei Standorte“: Unter diesem Motto steht der Umbau am Klinikum Hersfeld-Rotenburg, mit dem die beiden Standorte Bad Hersfeld und Rotenburg, aber auch die medizinische Versorgung der Region zukunftsfähig gemacht werden sollen. Möglich wird das durch eine Geldspritze von über 70 Millionen Euro aus Wiesbaden, die es in dieser Form so schnell wohl nicht wieder geben wird. 

„Ohne die Fusion mit dem HKZ hätten wir deutlich weniger Geld für beide Häuser bekommen“, betont Landrat Dr. Michael Koch. Vor dem Hintergrund der ersten Kritik an den Plänen appelliert er an alle, „jetzt kreisweit zu denken“. Das Engagement am HKZ sichere auch die Zukunft des Klinikums. Dazu gehöre die dringend notwendige Sanierung des Bettenhauses Mitte, das mit einer Art Anbau deutlich verbreitert wird. Das alte Gebäude wird kernsaniert, muss aber nicht abgerissen werden und bleibt als Verbindungstrakt bestehen. „Verdichtung“ nennt das Geschäftsführer Martin Ködding. So werde Zeit und Geld gespart. 

Die Psychiatrie, die nach Rotenburg umziehen soll, habe dort ebenfalls mehr Raum, sodass künftig Patienten nach ihren Krankheitsbilder – wie etwa Sucht oder Demenz – getrennt untergebracht werden können. Außerdem stehe am HKZ ein 1100 Quadratmeter großer geschützter Außenbereich zur Verfügung, der für die Therapie psychischer Erkrankungen sehr wichtig sei. Auch den Umzug der Orthopädie, der auf starken Widerstand stößt (siehe Hintergrund), verteidigt das Klinikum. Neue gesetzliche Vorgaben, aber auch die immer älter werdenden Patienten erforderten die direkte Anbindung an eine „Intermediate Care“, also eine Art Intensivstation, erklärt der Medizinische Direktor, Dr. Tobias Hermann. Dies sei am Kurpark nicht möglich. Außerdem könnten in Rotenburg die bestehenden Reha-Einrichtungen reaktiviert werden. Patienten blieben bei der Betreuung „in einer Hand“. Das sei ziemlich einmalig in Deutschland, so Ködding, und daher zukunftsweisend. (kai)

Gegen die Pläne regt sich Widerstand in Bad Hersfeld.

Strikt gegen einen Abzug der orthopädischen Klinik aus Bad Hersfeld spricht sich die örtliche CDU aus. „Die Pläne des Klinikums sind aus städtischer Sicht schärfstens zu kritisieren“, erklärte Erster Stadtrat Gunter Grimm. Andreas Rey, Fraktionsvorsitzender der Christdemokraten in der Stadtverordnetenversammlung, kündigte eine Resolution an, und die Stadtverbandsvorsitzende Silvia Schoenemann sprach von einem inakzeptablen Verlust bei der wohnortnahen Versorgung. 

Der Abzug von rund 100 Arbeitsplätzen würde den Gesundheitsstandort Bad Hersfeld massiv beeinträchtigen, argumentierte Grimm weiter. Der für einen Umzug in Aussicht gestellte Investitionskostenzuschuss von neun bis elf Millionen Euro werde durch die erforderlichen Umbau- und Einrichtungskosten in der Rodenberg-Klinik weitgehend aufgezehrt, meint die CDU weiter. 

Ihre Vertreter mutmaßen, dass das Geld ohnehin in andere Bereiche der Klinikgesellschaft fließen soll. Betriebswirtschaftlich sei die Verlagerung „nicht nachvollziehbar“, sagte Gunter Grimm. Andreas Rey wies zudem auf den „Privatklinik-Charakter“ in idyllischer Parklage am derzeitigen Standort oberhalb des Kurviertels hin, der ebenfalls zur Attraktivität beitrage. (ks)

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