Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner-Kreis

Missbrauchsvorwürfe gegen Ex-Schulleiter: Krisenstab soll bei Aufarbeitung helfen

Die Haselbachschule in Lispenhausen: Hier war der Beschuldigte als Schulleiter tätig.
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Die Haselbachschule in Lispenhausen: Hier war der Beschuldigte als Schulleiter tätig.

Nach den Missbrauchsvorwürfen gegen einen Ex-Schulleiter im Kreis Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner Kreis sitzt der Schock tief – auch nach den Ferien.

Update vom Dienstag, 11.01.2022, 10.08 Uhr: Der Schulstart im neuen Jahr nach den Ferien ist für viele Schüler, Eltern und Lehrer an zwei Grundschulen in Hessen mit einem unbehaglichen Gefühl verbunden. Nach den Missbrauchsvorwürfen gegen einen ehemaligen Schulleiter zweier Grundschulen im Kreis Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner Kreis soll jetzt ein Krisenstab bei der Aufarbeitung zur Unterstützung herangezogen werden.

Wie Hessenschau.de am Montag (10.01.2022) berichtet, seien Kriseninterventionsteams im Einsatz, um Eltern, Kinder und auch Lehrer bei der Verarbeitung der Vorfälle zu unterstützen. Hauptmotivation sei es, für die Kinder einen guten Rahmen zu bieten, denn eine gewohnte Tagesstruktur biete für sie den besten Halt, erklärt die Schulpsychologin Tanja Klingelhöfer, die in Rotenburg an der Fulda im Einsatz ist.

Missbrauchsvorwürfe an zwei Grundschulen in Hessen: Weitere Ermittlungen laufen

Wichtig sei für die Psychologin auch, als erwachsene Bezugsperson Sicherheit zu vermitteln. Informationen zum Vorfall sollten kindgerecht vermittelt werden, so Klingelhöfer. „Zum Thema sexualisierte Gewalt muss man ihnen auch sagen, dass das verboten ist und dass sie auch ‚Nein‘ sagen dürfen und dass sie es jemandem erzählen.“ In Rotenburg an der Fulda soll aus der Akuthilfe vor Ort ein dauerhaftes Angebot für Lehrer und Eltern werden, um Fragen zu beantworten und sie auf Gespräche mit den Kindern vorzubereiten.

Ob sich der mutmaßliche Täter an Schülerinnen und Schülern der beiden Grundschulen verging oder die Taten in einem anderen Kontext stattgefunden haben, ist bislang unklar. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt habe die Ermittlungen übernommen. Zum Ausmaß und zu Details könne jedoch noch nichts Konkretes gesagt werden.

Kinderporno-Verdacht gegen Ex-Schulleiter: In Rotenburg herrscht Entsetzen

Erstmeldung vom Donnerstag, 06.01.2022, 18.20 Uhr: Rotenburg – Nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe gegenüber dem Ex-Leiter der Haselbachschule in Lispenhausen stellt Bürgermeister Grunwald den Schutz möglicher Opfer an erste Stelle. Am Tag danach herrschen Fassungslosigkeit und Entsetzen in Lispenhausen. Am Mittwoch (05.01.2022) war bekanntgeworden, dass der langjährige Schulleiter der Haselbachschule in dem Stadtteil von Rotenburg in Untersuchungshaft sitzt.

Dem 46-jährigen Familienvater wird Kindesmissbrauch und die Verbreitung von Kinderpornografie zur Last gelegt. Dabei galt der Pädagoge weit über Rotenburg hinaus als engagiert und beliebt. Als Leiter eines Kinderchores war er zudem gern gesehener Gast bei vielen Veranstaltungen.

Hersfeld-Rotenburg: Bürgermeister Grunwald völlig fassungslos

Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald, der selbst in Lispenhausen lebt und Kinder auf der Haselbach-Grundschule hat, ist völlig fassungslos. Er kennt den Ex-Schulleiter gut und sagt, „solche schrecklichen Vorwürfe hätte ich nie erwartet“. Grunwald, der zurzeit im Skiurlaub ist, betont, dass jetzt im Interesse aller Betroffenen eine lückenlose Aufklärung der schweren Vorwürfe erfolgen müsse.

„Der Schutz der Opfer hat für mich dabei allergrößten Vorrang“, betont der Bürgermeister. Besonders schockiert ist Grunwald, dass der 46-jährige Pädagoge offenbar schon seit längerer Zeit und mit System am Werke gewesen sein könnte.

Missbrauchsvorwürfe in Hersfeld-Rotenburg: Gab keine „Verdachtsmomente gegen den Mann“

„Es gab keinerlei Hinweise oder Verdachtsmomente gegen den Mann“, betont Grunwald, der als Vater selbst in der Schulgemeinde aktiv ist. Zuletzt habe es im Dorf zwar einige Gerüchte um die vorzeitige Pensionierung und den Wegzug des ehemaligen Schulleiters gegeben. „Aber zu diesen Dorfgerüchten werde ich mich nicht äußern.“

Für Grunwald steht jetzt die Hilfe für die betroffenen Kinder und Eltern an allererster Stelle. „Wir werden tun, was wir können“, sichert er zu. Mit seiner derzeitigen Stellvertreterin, der Ersten Stadträtin Ursula Enders, sei er auch aus dem Urlaub heraus in stetem Kontakt. Der Elternbeirat der Schule habe erste Hinweise zur Aufarbeitung der Vorwürfe nach den Schulferien erhalten. „Es sind sehr viele Fragen offen, die ich jetzt genau wie viele andere Eltern habe“, sagt Grunwald.

Missbrauchsvorwürfe gegen Ex-Schulleiter: Erschütterung bei Bürgern sitzt tief

Auch der Vorsitzende des Kreiselternbeirats, Mario Knoch, der selbst in Rotenburg wohnt und dort Vorsitzender der UBR im Stadtparlament ist, reagiert betroffen. „Ich kenne die Schule und den Mann als Schulleiter, aber auch als Chorleiter sehr gut, ich hätte das nie vermutet“, sagt Knoch und betont, wie beliebt, anerkannt und wertgeschätzt der 46-jährige Pädagoge war.

Umso tiefer sitze deshalb jetzt bei ihm die Erschütterung über die Vorwürfe, sollten sie sich bewahrheiten. „Meine Gedanken sind bei allen Eltern und Kindern“, sagt Knoch und sichert der Schulleitung und dem örtlichen Elternbeirat jede Unterstützung zu.

Ein Patentrezept, wie man Kinder besser schützen könnte, hat Knoch nicht. „Wir können doch nicht jeden kontrollieren, dem wir unsere Kinder anvertrauen.“ Knoch plädiert deshalb für Prävention. Kinder müssten rechtzeitig und altersgerecht über mögliche Gefahren aufgeklärt werden.

Nicht nur in Hersfeld-Rotenburg: Beschuldigter war auch im Werra-Meißner Kreis tätig

Erschütterung herrscht auch in Reichensachsen-Wehretal im Werra-Meißner-Kreis. An der dortigen Kleeblatt-Grundschule war der 46-jährige Pädagoge vor seiner Zeit in Rotenburg als Schulleiter tätig. Nach Medieninformationen sollen die Taten, die dem 46-jährigen Pädagogen zur Last gelegt werden, in diesem Zeitraum geschehen sein.

In seiner Zeit an der Kleeblatt-Grundschule sei er als sehr engagierter Pädagoge aufgefallen, sagt Wehretals Bürgermeister Timo Friedrich. Der Familienvater, dessen eigener Sohn die Kleeblattschule im betreffenden Zeitraum besuchte, weiß, dass sich der unter Verdacht stehende 46-Jährige innerhalb der Schulgemeinde größter Beliebtheit erfreut habe.

Mehr noch: Die Umbenennung der ehemaligen Friedrich-Ebert-Grundschule in „Kleeblatt-Grundschule“ im Jahr 2013 sei auf eine Initiative des ehemaligen Schulleiters zurückzuführen. Mit großer Bestürzung, ja Fassungslosigkeit, habe er die Nachricht aufgenommen, sagt Timo Friedrich. (Kai A. Struthoff, Emily Hartmann und Helena Gries)

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