Interview mit Musiklehrer Manfred Schmidt

Kinder der Bläserklasse an der Jakob-Grimm-Schule haben Freude an der Musik

Aufmerksam: Manfred Schmidt hat beim Dirigieren den Blick und das Ohr für jeden einzelnen Schüler.

Rotenburg. Seit zehn Jahren gibt es die Bläserklasse im Jahrgang fünf an der Jakob-Grimm-Schule. Wir haben mit Lehrer Manfred Schmidt gesprochen, der für das Projekt verantwortlich ist.

Kommen die Kinder freiwillig in die Bläserklasse, oder werden sie von ihren Eltern gedrängt?

Manfred Schmidt: Die Kinder kommen freiwillig. Wir legen großen Wert auf Elterninformation, aber die Kinder sollen selbst das Konzept und die Instrumente kennenlernen. Am Schülerbesuchstag zum Beispiel können die Viertklässler den Kindern der Bläserklasse Fragen stellen. Die sagen dann zum Beispiel, ob sie zufrieden sind mit der Wahl des Instruments. Da bekommen ganz viele Lust, das auch zu machen.

Was muss ein Kind mitbringen?

Schmidt: Es muss vor allem wollen. Ganz selten ergibt sich, dass Kinder sich als ungeeignet erweisen. Dann suche ich immer im Vorhinein das Gespräch mit dem Kind und den Eltern. Wir wollen Enttäuschungen vermeiden.

Warum soll ein Kind überhaupt ein Instrument erlernen?

Schmidt: Die Musikerfahrung ist intensiver, wenn man selbst musiziert. Außerdem wird die Sensibilität gefördert und die Rücksichtnahme. Die Kinder lernen, aufeinander zu hören und sich gegenseitig wahrzunehmen. Außerdem haben Studien gezeigt, dass das aktive Musizieren auch die Lern- und Konzentrationsfähigkeit in anderen Fächern steigert.

Wie motivieren Sie die Kinder zum Üben?

Schmidt:Grundsätzlich sind die Kinder mit Freude dabei, wollen lernen und neue Töne kennenlernen. Durch die intensive Betreuung im Instrumenten-Unterricht nehmen wir die Einzelleistung aber genau wahr. Die Musik begeistert die Kinder. Sie wollen das können, und nicht abgehängt sein.

Was motiviert Sie als Lehrer?

Schmidt: Die Freude an der Musik und an schönen Ergebnissen, auch auf einfachem Niveau. Es freut einen, wenn Konzertbesucher sich dankbar und berührt zeigen, oder wenn die Kinder selbst von der Musik ergriffen sind und sich manchmal spontan zu den Musikstücken äußern. Wir sind auch dadurch motiviert, dass wir gute organisatorische Rahmenbedingungen haben, etwa was die Unterrichtszeiten betrifft, und durch die Unterstützung der Schulleitung. Nicht zuletzt ist die gute Zusammenarbeit mit den Instrumentalkollegen, insbesondere die von Anfang an hervorragende Kooperation mit Alisa Walter, inspirierend und motivierend.

Wie viele der Kinder bleiben noch nach der sechsten Klasse bei der Stange?

Schmidt: Etwa die Hälfte der Kinder wechselt ins Blasorchester, aber nicht alle bleiben bis zum Abitur. Das Ausscheiden hat manchmal mit anderen Verpflichtungen zu tun, etwa der Interessenverschiebung zu einer Sportart. Das ist normal.

Zur Person: Manfred Schmidt ist 62 Jahre alt und stammt aus Rotenburg. Er studierte Schulmusik, Kirchenmusik und evangelische Religion und war zunächst Gymnasiallehrer in Bad Harzburg, bevor er nach Rotenburg wechselte. Er ist Mitglied der Chrischona-Gemeinde in Braach und regelmäßig Organist bei Gottesdiensten. Neben der Orgel spielt er Klavier und Posaune. Er lebt in Rotenburg, ist verheiratet und hat fünf Kinder.

Hintergrund: Erster Instrumentensatz kostete 23.000 Euro

Vor zehn Jahren wurde die erste Bläserklasse im Jahrgang fünf der Rotenburger Jakob-Grimm-Schule eingerichtet. Manfred Schmidt, der aus Rotenburg stammt und im Jahr 2006 als Musiklehrer an die JGS gewechselt war, hatte im Vorlauf bei der Schulleitung für die Einrichtung einer Bläserklasse geworben und diese schließlich für das Projekt gewonnen. Eine Hürde stellten die Kosten dar. Mithilfe von Sponsoren kamen 23.000 Euro zur Finanzierung des ersten Instrumentensatzes zusammen. Instrumentallehrer fand Schmidt unter anderem an der Kreismusikschule.

Seither wird jährlich eine Bläserklasse im Gymnasialzweig des Jahrgangs fünf eingerichtet, aber auch einige Schüler der Förderstufe werden zusammen mit den Kindern der Bläserklasse im Musikunterricht beschult. Die Kinder haben drei gemeinsame Musikstunden pro Woche und erhalten zusätzlich Unterricht in Kleingruppen für ihr jeweiliges Instrument. Das sind Querflöte, Klarinette, Saxofon, Trompete, Posaune, Eufonium und Tuba. Nach zwei Jahren endet die Zeit der Bläserklasse, und die Schüler können sich dem Blasorchester der Schule anschließen. Inzwischen haben an die 300 Schüler die Bläserklassen durchlaufen.

Geleitet werden die Klassen von Manfred Schmidt und Alisa Walter. Blasorchester und Bläserklassen treten regelmäßig auf, etwa beim jährlichen Weihnachtskonzert, wo die Schüler traditionell hohe Spendenbeträge für die Aktion Advent der HNA sammeln. Schüler der Grundschule werden regelmäßig eingeladen, um sich über das Angebot der Bläserklasse zu informieren. Das Jubiläum feierten die Bläserklassen zusammen mit Eltern und Lehrern mit einem Konzert auf der Terrasse des Förderstufengebäudes.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Rotenburg (an der Fulda)
Kommentare zu diesem Artikel