Seilspringen statt fernsehen

Kinder bewegen sich zu wenig: Projekt an der Lindenschule in Alheim 

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Erschöpft, aber glücklich: Gabriel und Leon (von links) tauschen den Unterricht gerne gegen das Seilspringen ein.

Alheim. Wenn es nach Maria, Leon und Gabriel ginge, wäre Seilspringen längst eine feste Unterrichtseinheit in der Lindenschule in Alheim: „Das ist viel besser als der normale Sportunterricht.“

27 Schüler aus den dritten Klassen der Lindenschule haben sich dieses Jahr für den zweistündigen Seilspring-Workshop, ein Projekt der Deutschen Herzstiftung, angemeldet.

Das Ziel des Projekts „Skipping Hearts“ (zu deutsch: Springende Herzen): „Wir sollen fitter werden, unser Herz und unsere Muskeln trainieren.“, sagt Leon. Der Neunjährige weiß genau, warum er plötzlich Seilspringen darf, statt im schnöden Deutschunterricht zu sitzen. Anstrengend sei das Seilspringen schon. „Aber dafür macht es auch riesig viel Spaß“, sind sich die Drittklässler einig. Leon hat sogar schon ein eigenes Seil zu Hause, wie er stolz berichtet.

Hier ist Koordination gefragt: Trainerin Jessica bringt den Grundschulkindern verschiedene Sprungvariationen bei.

Das Seilspringen ist ein ganz schönes Gewusel, dem man erst mal Herr werden muss. Workshop-Leiterin Jessica Bartossek aber hat alles unter Kontrolle. Schließlich macht sie das Ganze nicht zum ersten Mal. Drei- bis viermal die Woche besucht sie im Auftrag der Deutschen Herzstiftung Grundschulen in und um Kassel herum. „So ein Projekt ist in dem Alter genau das Richtige. Kinder, die nebenbei vielleicht keinen Sportverein besuchen, werden dazu anregt, sich auch außerhalb der Schule zu bewegen“, meint die studierte Fachwirtin für Gesundheitsförderung.

Leon fällt dabei etwas aus dem Raster: Er spielt fast jeden Tag nach der Schule im Freien, geht einmal wöchentlich zum Bogenschießen und freitags mit seinem Schulfreund Gabriel in den Schwimmverein. Die beiden können unzählige Spiele aufzählen, die sie sich selbst ausgedacht haben, manchmal fahren sie auch einfach Fahrrad im Wald.

Zu wenig Bewegung

Selbstverständlich ist der Bewegungsdrang der beiden Jungs nicht. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) bewegen sich deutsche Kinder nach wie vor viel zu wenig. Empfohlen wird mindestens eine Stunde am Tag aktive körperliche Betätigung. Diese Anforderung erfülle nur jedes fünfte Kind im Alter zwischen acht und zehn Jahren. Die Folge: Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankung sei bereits im Kindesalter erhöht. 30 Prozent der Grundschüler mangele es an Koordination, Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit. Die Deutsche Herzstiftung will mit dem Projekt „Skipping Hearts“ bewirken, dass Laufen, Ballspielen und Springen wieder Teil des Alltags werden.

Leons Mutter ist begeistert von dem Projekt: „Es ist toll, dass so was auch mal für Kinder und nicht nur für Erwachsene angeboten wird.“

Hintergrund

Seit 2006 will die Deutsche Herzstiftung in Zusammenarbeit mit der TU München mit ihrem Präventionsprojekt „Skipping Hearts“ Kinder im Grundschulalter zu mehr Bewegung im Alltag motivieren. Mit Erfolg: Mehr als 500 000 Grundschüler hat Skipping Hearts deutschlandweit bereits erreicht. Aktuell wird das Projekt in neun Bundesländern angeboten.

Quelle: HNA

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