Rettungsdienst ist gut aufgestellt

Keine Personalengpässe: Notfallversorgung in Hersfeld-Rotenburg ist sicher

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Der Rettungsdienst im Kreis ist gut aufgestellt. Unser Foto zeigt die Sanitäter Dominik Cain (rechts) und Dennis Groß vor der neuen Rettungswache des DRK am Hoechster Kreisel in Bad Hersfeld. 

Hersfeld-Rotenburg. Während deutschlandweit von Personalmangel im Rettungsdienst die Rede ist, braucht man sich vor Ort offenbar keine Sorgen zu machen.

Die Notfallversorgung im Kreis Hersfeld-Rotenburg ist sicher: "Wir haben zwar nie einen Personalüberhang, aber wir haben immer das Personal, um die bedarfsnotwendigen Fahrzeuge zu besetzen“, sagt Thorsten Bloß, der Leiter des Fachbereichs Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz des Landkreises. Dass es nicht ganz einfach ist, geeignetes Fachpersonal zu finden, streitet er angesichts der momentanen Arbeitsmarktsituation nicht ab. Das ginge allerdings auch anderen Branchen so. Die neun Wachen im Landkreis seien gut aufgestellt. Aktuell stehen etwa 180 Rettungsdienst-Mitarbeiter plus 38 Notärzte zur Verfügung. 

Ein großer Vorteil vor Ort sei, dass die aktuellen Strukturen schon zu Beginn der 2000er-Jahre geschaffen wurden, erklärt Bloß. Zuwächse an Mitarbeitern und Fahrzeugen hätte es schon damals gegeben – von dieser Weitsicht würde man nun profitieren. Auch Engpässe aufgrund der Ausbildungsreform 2014, welche in benachbarten Kreisen beklagt werden, gebe es in unserem Landkreis daher aktuell nicht. 2014 wurde die zweijährige Ausbildung zum Rettungsassistenten durch die ein Jahr längere zum Notfallsanitäter ersetzt. Man wisse seit damals, dass durch die Reform bis Ende 2020 Nachschulungen anstünden, meint Bloß – genug Zeit, mit diesem Thema umzugehen. 

Zustimmung erhält er von den Kreisverbänden des Deutschen Roten Kreuzes, das die Leistungen des Rettungsdienstes erbringt. „Durch die Reform fehlen drei Jahrgänge und das merkt man schon erheblich“, sagt Björn Wettlaufer, der Rettungsdienstleiter für den Altkreis Hersfeld. „Insgesamt haben wir aber genug Personal, um die Rettungswagen adäquat zu besetzen.“

Gesetz regelt neue Ausbildung

Durch die Ausbildungsreform 2014 wurde die frühere zweijährige Ausbildung zum Rettungsassistenten gesetzlich durch die dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter ersetzt. Rettungsassistenten müssen bis Ende 2020 zu Notfallsanitätern nachgeschult werden. Bei der Nachschulungsdauer ist die Berufserfahrung ausschlaggebend: Wer länger als fünf Jahre im Beruf ist, kann die Ergänzungsprüfung direkt ablegen, zuvor ist auch ein kurzer Vorbereitungskurs möglich. Bei drei- bis fünfjähriger Berufserfahrung muss allerdings eine Zusatzausbildung von 480 Stunden erfolgen, bei bis zu dreijähriger Erfahrung sind es 960 Stunden. Über die Einsetzbarkeit von nicht nachgeschulten Rettungsassistenten entscheiden die Rettungsdienstgesetze der Länder in der Regel mit mehrjährigen Übergangsfristen.

Weitsicht ist ein Wort, das Thorsten Bloß, der Leiter des Fachbereichs Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz des Landkreises, gern benutzt. Im Zusammenhang mit den Personalsorgen im Rettungsdienst, die aktuell vielerorts beklagt werden, würde die Region Hersfeld-Rotenburg nun davon profitieren.

Während anderswo durch Gründe wie steigende Einsatzzahlen oder Ausbildungsreform Personal und Fahrzeuge aufgerüstet werden müssen, ist die Lage vor Ort relativ entspannt. Natürlich sei es auch im Rettungsdienst nicht einfach, qualifiziertes Fachpersonal zu finden, gibt Bloß zu. Aktuell könnten aber alle Dienste – sowohl die des DRK, das für den Rettungsdienst zuständig ist als auch die der Notärzte, welche von den Krankenhäusern gestellt werden – besetzt werden.

Die Ausbildungsreform 2014, die aktuell vielerorts für Schwierigkeiten sorgt, bringe mittel- bis langfristig erhebliche Vorteile, meint Björn Wettlaufer, der Rettungsdienstleiter im Altkreis Hersfeld. Bei den Mitarbeitern sei durch sie ein besserer Ausbildungsstand vorhanden, zudem könne man durch die bedarfsgerechte Ausbildung mit dreijähriger Dauer nun personell besser planen.

In Sachen Nachwuchs macht er sich grundsätzlich keine Sorgen. „Was Bewerber für die Ausbildung angeht, haben wir überhaupt kein Problem, bundesweit gibt es die in hoher Zahl“, sagt er. „Aber klar müssen wir auch um Nachwuchs kämpfen, denn ein fertig ausgebildeter Notfallsanitäter kann deutschlandweit überall anfangen.“

Vor allem die Berufsfeuerwehr sei mancherorts ein harter Konkurrent und könne mit dem dort gebotenen Beamtenstatus oft beim Nachwuchs punkten. Auch beim DRK hätten sich die Arbeitsbedingungen zuletzt jedoch deutlich gebessert, beispielsweise wurde die Arbeitszeit von ehemals 48 auf nächstes Jahr 45 Wochenstunden verkürzt.

Einsatzzahlen stabil

Eine andere vielerorts beklagte Herausforderung sind durch die Decke schießende Einsatzzahlen. Bei etwa 24 000 Einsätzen im vergangenen Jahr ist allerdings auch dies im Landkreis kein Problem. Die Zahlen hätten in den letzten Jahren kontinuierlich leicht zugenommen, eine signifikante Steigerung sei jedoch nicht zu sehen, erklärt Bloß. Von einer Verschiebung weg vom „einfachen“ Krankentransport hin zum Notfalleinsatz ließe sich jedoch berichten. „Das heißt dort, wo wir eigentlich niedrigschwelliger versorgen könnten, stehen jetzt häufiger Notfalleinsätze an.“

Jene Einsätze, die eigentlich keine Fälle für den Rettungsdienst sind, sieht auch Wettlaufer als einzige Schwierigkeit. „Das einzige was wirklich stört, ist, dass wir drei Jahre lang Leute ausbilden, die lernen, einen Arzt zu vertreten, und die dann beispielsweise bei drei Tage alten Zahnschmerzen gerufen werden“, sagt er. „Das ist jetzt ein Extrembeispiel, aber zum Teil sind Einsätze schon mehr zur Dienstleistung geworden“, kritisiert Wettlaufer. (kma) 

Quelle: HNA

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