Ärger um Gartenhaus

Keine Info beim Kauf einer Gartenhütte: Niederguder braucht Baugenehmigung

Will endlich loslegen: Seit über einem halben Jahr liegen die Einzelteile der Hütte unter der Plane und warten darauf, von Gerhard Anacker verbaut zu werden. Was noch fehlt, ist die Baugenehmigung.
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Will endlich loslegen: Seit über einem halben Jahr liegen die Einzelteile der Hütte unter der Plane und warten darauf, von Gerhard Anacker verbaut zu werden. Was noch fehlt, ist die Baugenehmigung.

Im Prospekt des Toom-Baumarktes sah Gerhard Anacker eine Gartenhütte zum Angebotspreis und schlug zu. Jetzt braucht er eine Baugenehmigung für die Hütte.

Niedergude – Bei schönem Wetter draußen vor seiner Gartenhütte zu sitzen – das hatte sich Gerhard Anacker, Ortsvorsteher von Niedergude, leichter vorgestellt. Denn seine neue Gartenhütte darf er nicht einfach so auf seinem Grundstück aufstellen. Da die 18 Quadratmeter große Hütte mit Anbau insgesamt 39 Kubikmeter Volumen hat, braucht er eine Baugenehmigung. Das hat ihm beim Kauf im Toom-Baumarkt in Bebra aber niemand gesagt. „Ich hätte mir gewünscht, dass es schon im Prospekt einen Hinweis darauf gegeben hätte, dass man eventuell eine Baugenehmigung braucht“, sagt Anacker.

Für den Ortsvorsteher sei es eine Frage der Kundenfreundlichkeit, darauf hinzuweisen, weshalb er sich per E-Mail an den Baumarkt wandte. Die Antwort: Sie nähmen die Belange der Kunden ernst, müssten aber nicht darauf hinweisen, dass vielleicht eine Baugenehmigung benötigt würde, wie Gerhard Anacker erzählt. Die Pressestelle vom Toom-Baumarkt äußerte sich auf mehrere Anfragen unserer Zeitung dazu nicht.

Etwa ein halbes Jahr später sieht Gerhard Anacker ein ähnliches Gartenhaus erneut im Prospekt des Toom-Baumarktes. Wieder ohne Hinweis. Für ihn war das der Grund, sich an unsere Zeitung zu wenden. „Es geht bestimmt mehreren Leuten so wie mir“, sagt er. Denn dass er eine Baugenehmigung braucht, wurde ihm nur zufällig bei einem Gespräch mit einem Nachbarn klar.

Baugenehmigung für Gartenhütte nötig: Hersteller lässt Statikplan anfertigen

Deshalb ließ er auch nicht locker und nahm mit dem Hersteller der Gartenhütte aus Bremen Kontakt auf. Auch in deren Prospekt fand er keinen Hinweis darauf, dass eine Baugenehmigung notwendig sein könnte. Nachdem Gerhard Anacker der Herstellerfirma seine Situation schilderte, übernahm diese die Kosten für den Statikplan. Der ist unter anderem nötig, um einen Antrag für eine Baugenehmigung stellen zu können. Denn ein Statikplan enthält unter anderem Berechnungen, die zeigen, ob ein Gebäude überhaupt baubar ist. Zum Beispiel gibt er an, wie viel Last das Dach tragen kann.

Obwohl der Hersteller ihm einen Statikplan zur Verfügung stellte, musste Gerhard Anacker einen weiteren Statiker beauftragen. Denn der Statiker muss in Hessen zugelassen sein, damit der Plan bei der Unteren Bauaufsichtsbehörde überhaupt eingereicht werden kann. Somit kamen auf den Ortsvorsteher trotzdem weitere Kosten zu – mittlerweile sind es insgesamt etwa 600 Euro. Die Hütte hat knapp 1700 Euro gekostet.

Aber damit war es noch nicht vorbei: Da sein Grundstück im sogenannten Außenbereich von Niedergude liegt, muss Gerhard Anacker einen Ausgleich für die bebaute Wiesenfläche liefern. Das heißt, er muss zum Beispiel Bäume oder Hecken anpflanzen, sagt er. Es ist auch möglich, eine Ersatzzahlung zu leisten, wie Jasmin Krenz, Pressesprecherin des Landkreises Hersfeld-Rotenburg, auf Anfrage mitteilt.

Und das alles nur für eine Gartenhütte

Gerhard Anacker

Zudem braucht er einen Bauberechtigten, zum Beispiel einen Bauingenieur. Denn nur dieser kann schließlich mit allen nötigen Formularen einen Bauantrag bei der Unteren Bauaufsichtsbehörde stellen. Seine Hütte will er trotzdem aufbauen. Dass er eine Baugenehmigung braucht, stört ihn nicht. Vielmehr findet Gerhard Anacker es ungerecht, dass die Anbieter ihre Kunden nicht informieren würden. „Einige Leute würden sich beim Kauf einer Gartenhütte sicher umentscheiden, wenn sie wüssten, was da alles auf sie zukommen kann.“

Und das erlebt Gerhard Anacker auch hautnah, wenn er sich mit den Leuten im Ort über seine Situation unterhält, erzählt der Ortsvorsteher. Die meisten wüssten ebenfalls nicht, ab welcher Hüttengröße man eine Baugenehmigung braucht und seien erstaunt darüber, dass die Baumärkte ihre Kunden darüber nicht informieren würden.

Gerhard Anacker rechnet damit, dass er in nächster Zeit die Genehmigung erhält. Dann kann es nach etwa sieben Monaten endlich mit dem Aufbau der Hütte losgehen. „Und das alles nur für eine Gartenhütte“, sagt er und lacht. Umsonst wird es bestimmt nicht gewesen sein. Dann kann Gerhard Anacker endlich das schöne Wetter draußen vor seiner Hütte genießen.

Wann eine Baugenehmigung notwendig ist

In Hessen sind Gartenhütten unter 30 Kubikmeter genehmigungsfrei, allerdings dürfen sie keinen Aufenthaltsraum, Toiletten oder Feuerstellen (wie Holzöfen) haben. Das teilt Kreissprecherin Jasmin Krenz auf Anfrage mit. Entscheidend ist der Bruttorauminhalt, also das Volumen eines Gebäudes. So kann auch zum Beispiel für eine Terrasse mit Überstand eine Baugenehmigung benötigt werden. Auch der Bau einer Gartenhütte unterliegt öffentlich-rechtlichen Vorschriften. Dazu gehören laut Kreissprecherin Krenz die Hessische Bauordnung, das Denkmalschutzrecht, das Naturschutzrecht und das Baugesetzbuch. Wichtig sei auch, ob es einen Bebauungsplan für den Standort gibt. Wenn nicht, muss geklärt werden, ob sie im Innenbereich (bebauter Ortsteil) oder im Außenbereich aufgestellt werden soll. Wer für eine schon aufgestellte Gartenhütte eigentlich eine Genehmigung brauchte, müsse damit rechnen, dass sie wieder abgebaut werden muss. Für Genehmigungen zuständig ist die Bauaufsichtsbehörde des Landkreises. (ter)

Kommentar: Hinweis wäre ehrlich und angemessen

Respekt, wer’s selber macht – dieser Slogan von Toom scheint auch zu gelten, wenn es um Mehrkosten und Mehraufwand geht. Ein Baumarkt muss in seinen Prospekten zwar nichts von möglichen Baugenehmigungen erwähnen, angebracht und ehrlich wäre es aber allemal.
Gerhard Anackers Ärger ist mehr als verständlich. Vielen Baumarktkunden wird es vermutlich so ergehen wie ihm. Wer aus Unwissenheit seine Hütte einfach so im Garten ohne Genehmigung aufstellt, muss damit rechnen, sie wieder abbauen zu müssen. Da bekommt der Slogan des Baumarkts einen faden Beigeschmack. Der Hersteller hatte zwar einen Statikplan zur Verfügung gestellt – geholfen hat der allerdings wenig. Wer also denkt, eine Gartenhütte zum Schnäppchenpreis ergattert zu haben, muss – je nach Größe – auch mit Mehrkosten rechnen. Für Gerhard Anacker war es etwa ein Drittel des Kaufpreises – da verfliegt die Freude über das Schnäppchen gleich wieder. Dazu kommen die bürokratischen Hürden. Wer die überwinden will, braucht einen langen Atem. Respekt, wer’s selber macht. (ter)

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