Konzert im Durstewitz-Saal

Katja Ebstein in Rotenburg: Ein zeitloses Wunder

Zeitlos-famos: Katja Ebstein und ihr Pianist Stefan Kling auf der Bühne des Durstewitz-Saales in Rotenburg. 

Rotenburg. Bei ihrem Konzert in Rotenburg hat Katja Ebstein die Zuhörer auf eine besondere Reise zu vielen Stationen ihres Lebens mitgenommen. 

Fast scheint es, als wäre die Zeit stehen geblieben. Eben noch bei Dieter Thomas Heck auf der Hitparadenbühne. Jetzt steht sie im Durstewitzsaal in Rotenburg: Katja Ebstein. Wo sind die vergangenen 50 Jahre geblieben? Rötlich-schimmerndes Haar umrahmt wie früher das Gesicht und fällt sanft über blitzende Augen. Die Hose wie aus Hippie-Zeiten umfließt endlos-lange Beine. Zart, beinahe mädchenhaft mutet sie an.

Nur ihre unverwechselbare Stimme ist in 73 Lebensjahren vielleicht eine Nuance rauchiger geworden, schwingt aber immer noch mühelos in Höhen und Tiefen. Ein wenig „lampenfiebrig“ sei sie, verrät Katja Ebstein und lobt zur Begrüßung das Engagement des Vereins „Gemeinsam in Rotenburg“, der sie in die Fuldastadt geholt hat.

Für ihren langjährigen Pianisten Stefan Kling ist es ein Heimspiel. Der gebürtige Thüringer ist mit Kantorin Eva Gerlach verheiratet und hatte den Kontakt zu Katja Ebstein vermittelt. Und sie enttäuscht die fast 400 Besucher nicht. „Gestern – Heute – Morgen“ heißt ihr Programm, und es nimmt die Zuhörer mit zu vielen Stationen ihres Lebens.

Ein Dichter ist ihr Begleiter

Da ist zuallererst der Dichter Heinrich Heine – „mein ständiger Begleiter, seit ich zwölf Jahre alt bin, eine Art Alter Ego“ – erzählt sie. Sein Gespaltensein und die Fähigkeit, Standpunkte zu revidieren, fasziniert sie – „sonst würden wir ja auf der Stelle treten“. Heine habe damals schon Dinge benannt, die auch heute noch nicht in Ordnung sind, sagt sie.

Immer wieder blitzt bei ihr die „68er-in“ hervor. Dann verfällt sie in den heimatlichen Berliner Dialekt und wettert gegen Feinstaub, die Rüstungsindustrie, US-Imperialismus, Bankenmonopole und moderne „Piraten“ – wie sie Wirtschaftskriminelle nennt. Manches klingt, 50 Jahre danach, etwas aus der Zeit gefallen und arg schwarz-weiß gemalt. Doch überrascht Katja Ebstein auch, wenn sie als bekennende Linke Bundeskanzlerin Angela Merkel „Bedachtsamkeit“ bescheinigt.

Knuddeln mit Kalle: Katja Ebstein umarmt Karl-Heinz Lies von „Gemeinsam in Rotenburg“.

Die Hände stillhalten

All das streut sie zwischen Gedichten und Liedern ein. Robert Longs anrührendes Liebeslied „Stark sein“, Adamos „Inch’ allah“, „Wein’ nicht um mich, Argentinien“ aus Evita oder Heines Ballade von den „Schlesischen Webern“ – Gospel, Rock, Chanson, Musical und sogar Rap: Die musikalische Bandbreite ist enorm. Stefan Kling am Klavier geleitet Katja Ebstein virtuos durch alle Musikstile. Nur bei Bettina Wegners „Sind so kleine Hände“ muss er seine Hände stillhalten. Katja Ebstein singt dieses Lied a cappella.

Gemeinsames Finale

Zu einer Liebeserklärung an ihre Heimatstadt Berlin wird schließlich Frank Sinatras „My way“: „Berlin, das ist jetzt dein Weg“ heißt es bei ihr. Erst als Zugabe schmettert sie ihren Evergreen „Theater“ und wirft dabei die Beine wie ein Showgirl.

Gemeinsam mit dem Publikum stimmt sie zum Schluss ihren wohl größten Hit an: „Wunder gibt es immer wieder“. Längst hält es die Besucher im Durstewitz-Saal nicht mehr auf den Stühlen, und sie singen begeistert mit.

Ja, Wunder gibt es tatsächlich immer wieder. Eines ist die zeitlos-famose Katja Ebstein.

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