Kabarett mit Erik Lehmann: Auch solo ein Großer

Mit fein geschliffener Klinge: Erik Lehmann ist ein wandlungsfähiges Allroundtalent. Foto:  Susanne Kanngieser

Weiterode. Mit Temperament und einem lausbübischen Charme begeisterte Erik Lehmann am Freitagabend in Ellis Saal in Weiterode. „Uwe Wallisch – der Frauenversteher“ hieß das Programm, das aber nicht wirklich das Thema war.

Denn im Figuren-Kabarett des wandlungsfähigen Sachsen ging es hauptsächlich um den „Wutbürger mit Herz“ und die vielen Fragen, die Menschen – vom Milliardär bis zum Kleingärtner – derzeit so beschäftigen.

Erik Lehmann, seit 2008 Ensemble-Mitglied des Dresdner Kabaretttheaters „Die Herkuleskeule“ ist auch Solo eine ganz große Nummer. Da schlüpft er in viele Rollen und nimmt sie an wie eine zweite Haut. Als Uwe Wallisch mit Hornbrille und Ballonseide-Jäckchen ist er mal der Bruder einer Hartz IV geplagten Schwester, die im Frankreich-Urlaub bei Lidl ihre Coupons nicht einlösen kann. Dann ist er Telefonpartner von Anja, die seine blaue Gartenhortensie kaufen möchte und sich dann schnell als „unterbelichtete Rasenkantenstecherin“ erweist. Und bevor Kleingärtner-Vorsitzender Uwe Wallisch die Rede für seine Ehrung mit dem goldenen Spaten beginnt, kommen noch weitere Charaktere ins Spiel.

Ein zynischer Unternehmer, der die Rosen und den Vater von der „Perle“ Natascha pflegen lässt. Drohnenpilot John aus Seattle, der von seinem Bürostuhl aus Flugmaschinen über Afghanistan steuert. Oder Förster Schorsch aus Bayern, der aus EU-Fördermitteln seinen Wald mit einem Waldspielplatz attraktiver machen muss.

Mit seiner verblüffenden Wandlungsfähigkeit wechselte Allroundtalent Erik Lehmann nicht nur mühelos die Geschlechter, sondern zeichnete durch Dialekte, Gemütsstimmungen und mit einer ausgefeilten Körpersprache ein eindeutiges Gesellschaftsporträt.

Spiegel der Gesellschaft

Dabei pflegte Lehmann nicht den offenen Witz, der bereits nach den ersten Worten erkennbar ist. Seine Klinge ist feiner geschliffen, die Pointe kommt erst im zweiten Halbsatz oder besser noch im Nachsatz. Glänzend arrangiert und perfekt in Szene gesetzt. Lehmann hielt unserer Gesellschaft den Spiegel vor, und das Publikum erkannte darin die manchmal hässliche Fratze dieser Zeit. Ohne erhobenen Zeigefinger plädierte der Künstler beim Thema Flüchtlinge zum offenen Umgang miteinander und zum Dialog. Am Ende gab es dafür viel Applaus und eine Zugabe.

Quelle: HNA

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