Betriebe öffnen bei der Handwerkerlebnisroute am Wochenende ihre Türen 

Jennifer Paul aus Neumorschen schafft Kunstwerke aus Beton

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Grau und schwer, dabei glatt wie Marmor: Jennifer Paul fertigt aus Beton Tische, Hocker und auch Schalen. Fotos: Achim Meyer

Neumorschen. Das Rezept für ihren Werkstoff hütet Jennifer Paul streng. Feinster Sand, Zement, Wasser und zarte Kunststofffasern gehören dazu – und zwei weitere Zutaten, die sie nicht preisgibt. Die 46-Jährige stellt Möbelstücke und Kunstwerke aus einem speziellen Beton her.

Am kommenden Wochenende, 28. und 29. April, beteiligt sie sich mit ihrem Neumorschener Betrieb „b.ton“am Tag der offenen Tür der Betriebe, die zusammen die Handwerkerlebnisroute bilden.

Paul ist gelernte Schreinerin, hat sich zur Gestalterin im Handwerk fortbilden lassen und Produktdesign studiert – ursprünglich mit dem Ziel, Möbel zu restaurieren. In der Zeitung las sie vor vielen Jahren von einem neuartigen, besonders stabilen Beton, der an der Uni Kassel entwickelt worden war. Paul war Feuer und Flamme, besuchte die Universität und begann dort, mit Beton zu experimentieren.

Sie leistet Pionierarbeit

Geheimes Rezept: In ihrer Werkstatt mischt Jennifer Paul den Beton aus geheimen Zutaten.

Seither leistet sie Pionierarbeit in der kleinen Halle der früheren Kfz-Werkstatt ihres Vaters in Neumorschen. Hier, wo die „Drecksarbeit“ stattfindet, wie sie sagt, rührt sie den Beton an, füllt ihn in Formen aus Holz, Styropor oder Silikon und schält dann ganz ungewöhnliche Tische, Hocker, Schalen oder Skulpturen aus den Formen. Den schweren Gegenständen mit ihren auffallend glatten Oberflächen, die so entstehen, wohnt etwas eigentümlich Kontrastreiches inne: Sie wirken zugleich grazil und anmutig, modern und altehrwürdig, kunstvoll und bodenständig.

„Ich hatte immer den Drang, etwas Neues zu machen“, sagt Jennifer Paul. Im Beton hat sie die richtige Herausforderung gefunden, denn es ist kein ganz einfacher Werkstoff. Nicht nur, dass sie lange mit dem Rezept experimentiert hat. Der Beton neige zu Rissen und Blasen und dazu, beim Trocknen zu schwinden. Gleichzeitig schwärmt Jennifer Paul davon, wie vielseitig der Werkstoff sei. Paul hat ihn gebändigt und daraus Kunstwerke und Gebrauchsgegenstände voller Schönheit geschaffen.

Auf Märkten und im Internet vermarktet Jennifer Paul ihre Kreationen. Zwei große Hotels hat sie mit Kunstwerken ausgestattet, hat Bänke und Tische für Rastplätze gebaut. Arztpraxen und Privatleute sind ihre Kunden, außerdem oftmals Firmen aus der Betonbranche, die sich mit Kunstwerken schmücken oder diese an Kunden verschenken wollen. Außerdem gibt sie an Wochenenden Kurse für Privatleute, die ebenfalls schöne Dinge aus Beton herstellen wollen.

Hintergrund: 25 Betriebe nehmen teil

Die Handwerkerlebnisroute wurde vor wenigen Jahren vom Tourismusverband Erlebnisregion mittleres Fuldatal ins Leben gerufen und vereint Handwerksbetriebe ganz unterschiedlicher Art. An zwei Tagen der offenen Tür präsentieren sich 25 Betriebe am 28. und 29. April jeweils von 12 bis 17 Uhr der Öffentlichkeit. Besucher können sich vor Ort über das jeweilige Handwerk informieren und mancherorts auch selbst aktiv werden.

www.handwerkerlebnisroute.de

Quelle: HNA

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