Grund sind Verständnisprobleme und mangelnde Motivation

Jeder dritte Fahrschüler im Kreis Hersfeld-Rotenburg fällt bei Prüfung durch

Fahrlehrer Adam Kupczak mit Fahrschülerin Nora Hafermaas aus Weiterode, die für den Führerschein "Begleitetes Fahren ab 17" lernt. Die Theorieprüfung hat sie bereits bestanden - mit null Fehlern.

Hersfeld-Rotenburg. Zum fünften Mal in Folge ist die Durchfallquote bei den Führerscheinprüfungen in Deutschland gestiegen. Dieser Trend macht sich auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg bemerkbar. Hier rasselt inzwischen jeder dritte Schüler durch die Prüfung.

Nach Angaben des Tüv Hessen, der auch die Fahrprüfungen in Bad Hersfeld und Bebra abnimmt, lag die Durchfallquote im vergangenen Jahr im Landkreis bei der Theorieprüfung bei 29 Prozent, bei der praktischen bei 30 Prozent – Tendenz steigend. Vor zehn Jahren lag der Anteil der nicht bestandenen Prüfungen in der Region mit 19 Prozent noch deutlich niedriger.

Woran das liegt? „Es wollen immer mehr nicht-deutschsprachige Bewerber den Führerschein machen“, sagt Uwe Herrmann vom Tüv Hessen. Zwar könne die Theorieprüfung inzwischen in vielen Sprachen abgelegt werden (siehe Hintergrund). Allerdings finde der Unterricht vielerorts auf Deutsch statt. Das führe zwangsläufig zu Verständnisproblemen.

„Einer unserer Fahrlehrer hat extra Arabisch gelernt, um unsere ausländischen Fahrschüler pädagogisch besser zu unterstützen“, sagt Aribert Kirch, der Fahrschulen in Alheim, Bebra und Rotenburg betreibt. „Früher hatten wir zwei, drei Fahrschüler jährlich, die sich in einer anderen Sprache haben prüfen lassen. Seitdem Hocharabisch als offizielle Prüfungssprache angeboten wird, macht bei uns in Bebra jeder Dritte davon Gebrauch“, so Kirch, der pro Jahr 250 bis 300 Fahrschüler hat.

Oliver Paul, Fahrlehrer und Inhaber der Fahrschule Paul in Bad Hersfeld, erklärt sich die zunehmenden Fehlversuche auch durch mangelnde Motivation. „Die Motivation muss da sein. Wenn die Fahrschüler keine Lust haben, wird aus BF17, dem Führerschein mit 17 Jahren, schnell auch mal BF19.“ 

Hintergrund: Prüfung in 13 Sprachen

Bundesweit wurden im vergangenen Jahr 1,81 Millionen Führerschein-Theorieprüfungen abgenommen. 36 Prozent aller Prüflinge fielen durch. Die Anzahl der praktischen Prüfungen belief sich laut Kraftfahrt-Bundesamt auf 1,67 Millionen. Die Durchfallquote lag bei 28,1 Prozent. Besser sind die Zahlen in Hessen: Bei der theoretischen Prüfung betrug die Durchfallquote durchschnittlich 30 Prozent, bei der praktischen 23 Prozent. In Hessen kann die Theorieprüfung in 13 Sprachen abgelegt werden: Deutsch, Englisch, Französisch, Griechisch, Hocharabisch, Italienisch, Kroatisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Spanisch und Türkisch. 

Auswändig lernen reicht nicht

Die Durchfallquote bei den Führerscheinprüfungen ist auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg gestiegen. In Theorie und Praxis fällt inzwischen jeder Dritte durch. Fahrlehrer haben dafür verschiedene Erklärungen. Sie führen die immer höher werdenden Quoten vor allem auf den wachsenden Anteil nicht deutschsprachiger Bewerber zurück. 

So auch der Bad Hersfelder Fahrlehrer Oliver Paul. Ausländische Fahrschüler könnten zwar heute die Theorie in ihrer Muttersprache lernen und dann die Prüfung ohne Fehler bestehen, verstünden im Praxisunterricht jedoch kein Wort Deutsch. Anders könne es ausgehen, wenn die theoretische Prüfung gleich auf Deutsch abgenommen werde. „Zwei meiner Schüler kommen aus Eritrea. Sie haben die Theorieprüfung mit null Fehlerpunkten bestanden – allerdings eben auf Deutsch“, berichtet Paul. 

Neben seinen Schülerkarteien, die den Fahrschülern zum Erfolg verhelfen sollen, verwendet Paul auch eine „Driver’s Cam“. Für das Computerprogramm wurden die wichtigsten Bereiche des Bad Hersfelder Straßenverkehrs abgefilmt, so soll Schülern bei der Prüfungsvorbereitung besser geholfen werden. Fahrlehrer Willi Benz, der in Weiterode und Braach rund 90 Schülern jährlich den korrekten Umgang mit Gaspedal, Bremse und Kupplung beibringt, sagt: „Die Prüfungen sind komplexer geworden.“ Vorbei seien die Zeiten, als es ausreichte, für die Theorie ein paar Dutzend Musterprüfbögen auswendig zu lernen. Heute wird am Computer getestet. „Da kommt es darauf an, Videosequenzen richtig einzuschätzen“. Nimmt man alle Fahrzeugklassen zusammen, umfasst der Aufgabenkatalog 1500 Fragen. 

Um möglichst alle Fahrschüler auf Anhieb durch die Prüfungen zu bekommen, setzt Adam Kupczak von Adams Fahrschule in Bebra auf ein strenge Vorbereitung. Zur Theorie zugelassen wird nur, wer vorher fünf Prüfungssimulationen mit je maximal fünf Fehlerpunkten, also der Hälfte der bei der Prüfung erlaubten Punkte, bestanden hat. „In diesem Jahr haben wir noch keinen Fahrschüler in der Theorie verloren“, sagt er.

Von Sebastian Schaffner und Laura Böhnert

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