Auswertung

Corona-Inzidenz sorgt für Fragezeichen: Infektionsrate des RKI seit Tagen kaum nachvollziehbar

Ein Mund-Nasen-Schutz liegt am Morgen auf einem Gehweg, während im Hintergrund Autos entlang fahren.
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Auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg ist die Corona-Pandemie weiter das vorherrschende Thema. (Symbolbild)

Sie ist immer noch in aller Munde: die Corona-Inzidenz. Doch in Bad Hersfeld (Kreis Hersfeld-Rotenburg) kommt es bei der Datenerhebung zu Problemen.

Bad Hersfeld – Auch wenn sie nicht mehr maßgeblich für Alltagseinschränkungen ist, so ist sie doch in aller Munde: die Sieben-Tage-Inzidenz. Denn immerhin ist sie ein wichtiger Indikator dafür, wie es derzeit um das Infektionsgeschehen bestellt ist – sofern die Corona-Zahlen aktuell sind. Das sind sie aber nicht, wie eine Auswertung unserer Redaktion für Hersfeld-Rotenburg zeigt.

Zu Beginn der Corona-Pandemie war es einfach: Das Gesundheitsamt in Bad Hersfeld meldete immer mittags um 12 Uhr, wie viele Menschen sich neu mit dem Virus angesteckt haben – und schon hatte man, ohne höhere Mathematik anwenden zu müssen, die Inzidenz. Die Formel dafür ist eingängig: Man nehme die Zahl der Neuinfektionen einer Woche, teile sie durch die Einwohnerzahl des Landkreises (aktuell: 120 123) und multipliziere alles mit 100 000. In dieser Woche hätten sich daraus folgende Inzidenzen ergeben müssen: Montag: 140, Dienstag: 149, Mittwoch: 167, Donnerstag: 163 – eigentlich.

Corona in Bad Hersfeld: Übermittlungsverzögerungen bei den Daten

Doch vor 207 Tagen gab es einen politisch gewollten Paradigmenwechsel. Mit der Einführung der Bundes-Notbremse am 24. April ist nicht mehr die Corona-Inzidenz des jeweiligen Gesundheitsamtes, sondern nur noch der Wert des Robert-Koch-Instituts (RKI) maßgeblich. Das RKI bedient sich zwar der Daten der Gesundheitsämter – die daraus errechnete Inzidenz hat allerdings nur noch selten etwas mit dem tatsächlichen Infektionsgeschehen zu tun. Denn tatsächlich meldete das RKI in den vergangenen vier Tagen diese Inzidenzen für den Landkreis:  Montag: 71, Dienstag: 111, Mittwoch: 86, Donnerstag: 133. Die Werte sind zeitweise doppelt so niedrig. Warum?

Weil es – knapp zusammengefasst – immer wieder zu Übermittlungsverzögerungen zwischen den drei involvierten Behörden kommt, wie das Gesundheitsamt, das Hessische Landesprüfungs- und Untersuchungsamt (HLPUG) und das RKI auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilen.

Corona in Bad Hersfeld: „Wir arbeiten mit den Zahlen, die wir bekommen.“

Das Gesundheitsamt in Bad Hersfeld ermittelt das Corona-Infektionsgeschehen nach Auskunft von Kreissprecherin Jasmin Krenz „tagesaktuell und meldet die entsprechenden Informationen zum jeweiligen Zeitpunkt über die Software Sormas mit Schnittstelle zur Software Survnet, die RKI-Meldesoftware, an das Hessische Landesprüfungs- und Untersuchungsamt“.

Dort, im HLPUG in Dillenburg, fließen die Corona-Daten aller hessischer Gesundheitsämter zusammen, wie eine Sprecherin des zuständigen Sozialministeriums mitteilt: „Wir arbeiten mit den Zahlen, die wir bekommen.“ Technische Probleme habe es in den vergangenen Tagen nicht gegeben.

7-Tage-Inzidenz im Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Das HLPUG meldet die Corona-Fälle dann weiter an das RKI, das durch Sprecherin Susanne Glasmacher lediglich lapidar ausrichten lässt: „Wir können bei konkreten Abweichungen generell nicht weiterhelfen.“ Auch beim RKI seien keine Probleme bei den Meldedaten bekannt.

Bad Hersfeld: RKI aktualisiert Corona-Zahlen täglich um 0 Uhr

Das RKI aktualisiert seinen Stand der Corona-Zahlen täglich um 0 Uhr. „Um möglichst aktuelle Zahlen kommunizieren zu können, gibt der Landkreis den täglichen Stand von 12 Uhr bekannt. Bereits hier kann es zu einer Abweichung zu den RKI-Zahlen kommen“, erklärt Jasmin Krenz. Vor allem bei einem dynamischen Infektionsgeschehen, so wie derzeit, könne es durch den Übermittlungsverzug zu einer Unterschätzung der Inzidenz kommen.

Die Verzögerungen erklärt sich die Kreissprecherin durch das Zusammenwirken der verschiedenen Behörden, unterschiedlichen Meldezeiten und Meldepausen am Wochenende. „Die Inzidenz kann deutlich schwanken, je mehr Corona-Fälle es gibt – denn bei einem dynamischen Infektionsgeschehen und der Berechnung der Inzidenz spielt die Zahl der gemeldeten Corona-Fälle pro Tag eine große Rolle“, sagt Krenz.

Auch wenn die eigene Inzidenz keine Rolle mehr spielt, werde das Landratsamt „weiter die aktuellsten Zahlen des Gesundheitsamts veröffentlichen“, sagt Krenz, „denn diese spiegeln das Infektionsgeschehen im Kreis am besten wider.“ Bundesweit steigt der Corona-Inzidenzwert seit Wochen an. (Sebastian Schaffner)

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