Der Wahlsieger der SPD im Interview

Neuer Landrat Torsten Warnecke: „Ich bin offen für alles, was klug ist“

Erst aufräumen, dann anpacken: Der neu gewählte Landrat Torsten Warnecke hängt am Tag nach der Wahl seine Plakate in der Bad Hersfelder Innenstadt persönlich ab.
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Erst aufräumen, dann anpacken: Der neu gewählte Landrat Torsten Warnecke hängt am Tag nach der Wahl seine Plakate in der Bad Hersfelder Innenstadt persönlich ab.

Mit knapp 62 Prozent hat SPD-Kandidat Torsten Warnecke die Landratswahl im Kreis Hersfeld-Rotenburg gewonnen. Jetzt äußert er sich ausführlich im Interview mit unserer Zeitung.

Hersfeld-Rotenburg - Am Morgen nach der Wahl wirkt Torsten Warnecke frisch und munter. Über seine Ziele und darüber, wie es jetzt weitergeht, sprach der neue Landrat mit Sebastian Schaffner und Kai A. Struthoff.

Herr Warnecke, ist Ihnen über Nacht so richtig bewusst geworden, was da jetzt auf Sie zukommt?
(Schmunzelt) Na ja, erst mal noch sehr viel Landtag und ab September das Landratsamt. Aber ich bin beeindruckt, dass ich in fast allen Orten die Mehrheit habe.
War das eine Wahl für Sie oder gegen Michael Koch?
Beides. Wir sind ganz unterschiedliche Typen. Ich bin sehr präsent im Landkreis und versuche, mich um viele Probleme zu kümmern. Zudem war die CDU sich nicht immer einig. Auch der Hinweis von Herrn Koch, dass es im Kreistag meist Mehrheiten gab, stimmt zwar, aber das waren oft Mehrheiten, die von der SPD ausgingen.
Sie wollen gestalten, statt nur verwalten. Aber genau das muss ein Landrat doch tun, und – mit Verlaub – ein Verwaltungsexperte sind Sie nicht?
Wir haben hier eine große Verwaltung, die durchaus selbstständig arbeiten kann. Wir wollen doch nicht so tun, als ob alles am Landrat hängt. Das hat doch auch etwas mit Führung zu tun. Und es geht auch nicht nur darum, Vorgaben aus Wiesbaden abzuarbeiten. In anderen Kreisen wird schon jetzt in Hausarztpraxen geimpft oder es wurde die Bundeswehr früher in Altenheimen eingesetzt. Das sind genau die Gestaltungsspielräume, die man viel stärker nutzen könnte.
Wichtig ist dabei ja auch das Zusammenspiel mit dem oder der Ersten Kreisbeigeordneten?
Aber für die Besetzung dieser Position ist der Kreistag zuständig. Die Amtszeit von Frau Künholz läuft Ende des Jahres aus. Der Kreistag macht eine Stellenbeschreibung und -ausschreibung und entscheidet dann über die Bewerbungen.
Wie geht es jetzt weiter mit dem Radikalumbau der Kliniken?
Wenn das Geld aus Wiesbaden nicht kommt, dann können wir alles vergessen. Und noch sehe ich dieses Geld nicht. Offenbar soll ja auch die maßgebliche Summe aus Berlin kommen. Aber ich bin schon erstaunt, dass wir da nicht weiter sind und noch keine definitiven Finanzierungszusagen haben.
Aber das Land hat dem Curacon-Konzept doch angeblich zugestimmt?
Aber alles hängt am Geld, deshalb sind verbindliche Zusagen jetzt ganz schnell zu klären. Und wenn das Geld nicht kommt, dann müssen wir uns ganz andere Gedanken machen. Aber selbst wenn es Unterstützung aus Berlin und/oder Wiesbaden gibt, muss der Kreis selbst wohl auch etwa 50 Millionen aufbringen. Das muss der Kreistag beschließen, aber der ist über den Umfang der notwendigen Mittel noch gar nicht offiziell informiert worden.
Wollen Sie, so wie Michael Koch, Aufsichtsratsvorsitzender und Vorsitzender der Gesellschafterversammlung des Klinik-Konzerns werden?
Ich bin offen für alles, was strukturell klug ist. Ich halte es auch für sinnvoll, die Bürgermeister von Bad Hersfeld und Rotenburg einzubinden, auch um deren Expertise zu nutzen.
Sie sehen beim Klinikumbau noch viele Fragezeichen. Aber was ist Ihre Alternative zum Sanierungskonzept angesichts der hohen Verluste?
Alles hängt jetzt am Geld. Wenn das nicht wie erhofft fließt, müssen andere Umstrukturierungen vorgenommen werden. Allerdings können Sie nun auch nicht von mir verlangen, dass ich schon ein Alternativkonzept in der Tasche habe, wo sich doch offenbar – abgesehen von Details – alle auf das Curacon-Konzept geeinigt haben. Ich selbst sitze nicht im Aufsichtsrat und kenne daher noch nicht alle Einzelheiten.
Sie haben über 80 Prozent der Stimmen in Rotenburg bekommen. Damit verbindet sich auch die Hoffnung, dass Sie das HKZ irgendwie erhalten?
Ich weiß nicht, ob ich diese Hoffnungen alle erfüllen kann. Was es mit mir aber definitiv nicht geben wird, ist, dass das HKZ einfach nur dichtgemacht wird ohne wenigstens die Arbeitsplätze und damit die Expertise nach Bad Hersfeld zu verlagern. Im HKZ gibt es schon jetzt deutlich mehr Herz-OPs als in Kassel und Fulda. Deshalb müssten wir das Herzzentrum für die ganze Region sein. Das hat natürlich auch mit Krankenhausplanung und Lenkung vom Land zu tun, das gebe ich zu. Aber deshalb muss man das Thema auch politisch und nicht nur auf Verwaltungsebene angehen.
Was wird jetzt mit Ihrem Landtagsmandat?
Erst mal nehme ich mein Mandat noch bis zu meinem Amtsantritt als Landrat wahr. Und dann habe ich eine Stellvertreterin. Das ist Tanja Hartdegen aus Schenklengsfeld. Sollte sie das Mandat aus irgendwelchen Gründen nicht annehmen, dann käme ein Nachrücker von der Liste zum Tragen.
Hat Ihnen Herr Dr. Koch eigentlich schon gratuliert?
Nein, wir hatten keinen direkten Kontakt. Und was er mit dem Vorwurf meint, ich sollte aufhören, Unwahrheiten zu verbreiten, weiß ich nicht. Angeblich soll das ja über die sozialen Medien gelaufen sein. (Lacht ) Aber da bin ich ja ohnehin nicht so zuhause ...

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