Eigenanteil der Stadt: 900.000 Euro

Wie im 19. Jahrhundert: Bahnhofsgebäude in Bebra wird wieder hergerichtet

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War schon damals ein Schmuckstück: Das historische Foto zeigt das Empfangsgebäude auf dem Bebraer Bahnhof um 1900, das wegen seiner Lage auch Inselgebäude genannt wird. 

Bebra. Schon Ende des kommenden Jahres soll das Empfangsgebäude in Insellage auf dem Bebraer Bahnhof in neuem Glanz erstrahlen. Der denkmalgeschützte repräsentative Bau soll komplett wieder hergerichtet werden, teils im Stil der Gründerzeit Ende 19. Jahrhundert.

Das beschlossen die Stadtverordneten einstimmig, wobei seit kurzem mit höheren Fördermitteln gerechnet wird. Der Eigenanteil der Stadt beim Gesamtausbau beträgt 900 000 Euro, vor zwei Wochen war man noch von 1,9 Mio. Euro ausgegangen (wir berichteten).

Die Variante mit einem Teilausbau nur der nördlichen Hälfte samt Mittelbau des 124 Meter langen Gebäudes spielte daher keine große Rolle mehr in der Diskussion. Die Kosten für die Stadt wären nur um 40 000 Euro niedriger ausgefallen. Insgesamt betragen die geschätzten Gesamtbaukosten laut dem Generalplaner, der Waldhelm GmbH Jena, nun 5,7 Mio. Euro. Weil es sich um geschätzte Beträge handelt, wollte die CDU-Fraktion die Kosten des Projekts auf den 900 000-Euro-Eigenanteil deckeln, so Fraktionsvorsitzender Thorsten Strippel. Dies auch mit Blick auf die Kostensteigerung in den vergangenen Jahren (2014: 3,1 Mio Euro Komplettausbau).

Der Antrag wurde von allen anderen abgelehnt. Stefan Krug (Gemeinsam) wies auf die Honorarregelung für Architekten und Ingenieure hin, die hier greifen. Stefanie Koch (SPD) betonte, Projekte entwickelten sich, die Auftragslage im Handwerk sei angespannt. Sie bescheinigte den Verantwortlichen bei der Stadt stets kluges Agieren mit Fördergeldern. Friedhelm Claus (CDU) dagegen mahnte Haushaltsveranwortung für kommende Generationen an.

Anerkennung für Klöpfel

Die Redner, auch der Vorsitzende der Versammlung, Herbert Börner, betonten am Donnerstagabend während der Stadtverordnetenversammlung die Verdienste des verstorbenen ehemaligen Bauamtsleiters Manfred Klöpfel für die Gesamtentwicklung der Innenstadt samt Bahnhof.

Das Inselgebäude stehe symbolisch für die Entwicklung der Stadt, sagte Michael Gauler (CDU). Es habe durchaus Stimmen gegeben, die es abreißen wollten. Nun sei man in der glücklichen Lage, über den Umfang der Sanierung entscheiden zu dürfen.

Wie Klöpfel sei auch ihm das Inselgebäude eine Herzensangelegenheit. Da die Baukosten eher steigen als sinken würden und die Insellage eine aufwendige Baustelleneinrichtung erfordere, könne es nur eine Entscheidung zur Komplettsanierung geben.

Für 900 000 Euro erhalte die Stadt ein Schmuckstück mit großem Potenzial, sagte Gerhard Schneider-Rose (SPD). Das sei ein bisschen wie ein Lottogewinn. Dabei seien die beiden Varianten keine echte Auswahl: Sinnvoll sei allein der komplette Ausbau. Er sprach von einer soliden Finanzierung im Gegensatz zu Elbphilharmonie und Stuttgart 21 und warnte vielmehr im Falle einer Deckelung vor einem Billigausbau mit Folgekosten, wie sie sich beim Jugendzentrum zeigten.

Über das Nutzungskonzept wolle man aber noch gesondert beschließen, sagte Schneider-Rose. So etwa sei die Frage, was mit einer Touristen-Info im Inselgebäude gemeint sei.

Übersicht: Die Kosten

Gesamtbaukosten für das Inselgebäude(Schätzung vom April): - Fassade und Innenausbau komplett: 5.700.000 € 

- davon Fördermittel: 4.800.000 € 

- Eigenanteil der Stadt: 900.000 € 

Teilausbau: 

- Fassade komplett und Innenausbau Nordkopf bis Mittelkopf 5.300.000 € - davon Fördermittel 4.440.000 € - Eigenanteil der Stadt 860.000 €

Fördermittel: Nationale Projekte des Städtebaus und Verkehrsinfrastrukturförderung GVFG/FAG

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