Ausstellung im Kreisheimatmuseum

In Hessen eine rare Kunst: Rotenburger Klöppel-Meisterin zeigt ihre Werke

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Meisterin der Klöppelkunst: Seit fast drei Jahrzehnten widmet sich Gerdi Romanski der Herstellung hübscher Klöppelspitze-Arbeiten. Ihr Mann Siegnot stellt die Holzklöppel her, um die die Fäden gewoben werden.

Rotenburg. Tausende Stunden Arbeit hat Gerdi Romanski in ihr Hobby gesteckt: das Klöppeln. Die Kunst ist in Hessen wenig verbreitet, nun stellt die Rotenburgerin ihre Werke aus. 

Für den Unkundigen ist schwer nachzuvollziehen, wie Gerdi Romanski hier den Überblick behält: Elf Holzklöppel mit daran befestigten Fäden hält sie in den Händen und hantiert zugleich mit Nadeln an der schmuckvollen Arbeit, die vor ihr auf einem runden Kissen befestigt ist. Die 75-jährige Rotenburgerin geht ihrer Lieblingsbeschäftigung nach, einer speziellen Handarbeitstechnik: dem Klöppeln. Ab Sonntag, 11. März, wird sie ihre Werke im Kreisheimatmuseum in Rotenburg ausstellen.

Konzentration gefragt: Das Klöppeln ist ein komplizierter Prozess.

Tausende Stunden konzentrierter Arbeit hat Gerdi Romanski in ihr Hobby gesteckt, in den komplizierten Prozess aus Verdrehen, Verkreuzen, Verknüpfen und Verschlingen der Fäden, der die hübschen Werke der Handklöppelspitze hervorbringt.

Hessen ist "Klöppel-Notstandsgebiet"

An den Tag, an dem sie ihre Leidenschaft entdeckte, kann sie sich erinnern: Vor knapp 30 Jahren erspähte sie auf dem Rotenburger Weihnachtsmarkt die Ausstellungsstücke einer Hobby-Klöpplerin. „Einfach schön – schön und aufwendig“, so beschreibt sie ihren ersten Eindruck von der Handklöppelspitze.

Hessen, sagt sie, sei „Klöppel-Notstandsgebiet“, die Kunst ist hier nicht verbreitet. Autodidaktisch erarbeitete sie sich das Handwerk, durch Bücher und Ausprobieren. Romanski besuchte das Erzgebirge, wo das Klöppeln Tradition hat, holte sich Anregungen und wurde besser und besser.

Jede freie Minute, sagt sie, habe sie seither dieser Beschäftigung gewidmet, und seitdem sei kein Tag ohne Klöppeln vergangen, im Wohnzimmer, meist abends vor dem Fernseher. „Es entspannt mich“, sagt sie. Aber: „Es geht nur, wenn ich Lust habe. Sonst wird es nichts.“

Kunstfertig: Beim Klöppeln entstehen die feinsten Werke – wie diese beiden Schwäne.

Beeindruckend ist das Werk, das sie hervorgebracht hat: Es handelt sich um Hunderte filigraner Arbeiten, manche kleiner als ein Handteller, andere so groß, dass sie ein ganzes Fenster ausfüllen. Gerdi Romanski hat experimentiert mit Farben, Techniken, Formen. Engel, Schmetterlinge, Kreuze und Madonnen sind häufige Motive. Die Entwürfe macht sie selbst. Figuren hat sie geklöppelt: Schwäne und eine Weihnachtskrippe, außerdem Broschen, Gardinen-Vorhänge, sogar eine Krawatte.

Der Ehemann hilft

Gerdi Romanski hat an Ausstellungen teilgenommen, Preise gewonnen und sich im Erzgebirge einen Namen gemacht. Trotzdem stellt sie fest: „Ich kann vieles noch nicht.“ Es gebe noch so viel zu lernen.

Ihr Mann Siegnot unterstützt die Leidenschaft seiner Frau. Er fertigt die Klöppel aus Holz, baut Rahmen und Gerätschaften, die die Fertigung erleichtern. Das Wohnzimmer hat sich in eine Handarbeit-Werkstatt verwandelt. „Das geht alles nur mit Stecknadeln“, sagt Gerdi Romanski und lacht: „Deshalb darf man bei uns nicht barfuß laufen.“

Rund 200 ihrer beeindruckenden Klöppelarbeiten wird Gerdi Romanski im Kreisheimatmuseum zeigen. Die Ausstellung beginnt am Sonntag, 11. März, und dauert bis zum 27. Mai.

Hintergrund: Klöppeln ist Unesco-Kulturerbe

Das Klöppeln ist eine Handarbeitstechnik zur Fertigung verschiedenartiger Spitzen mittels Klöppeln, also hölzernen Spulen, sowie Garn. Beim Handklöppeln werden die Fäden der an einem Kissen befestigten Klöppel durch Kreuzen und Drehen der Klöppel miteinander verflochten. Je nach Muster und Technik kann die Anzahl der verwendeten Klöppel mehrere Hundert betragen. Auf diese Weise können etwa Deckchen, Bilder, Figuren oder auch schmuckvolle Kanten an Kleidungsstücken angefertigt werden. 

Der Ursprung dieser viele Jahrhunderte alten Handarbeitstechnik wird in Italien vermutet. Von dort gelangte sie zunächst nach Spanien, Frankreich und in die Niederlande. In Deutschland sind Niedersachsen, Franken und das Erzgebirge traditionelle Klöppelregionen. Das Spitzenklöppeln im Oberpfälzer Wald hat es im vergangenen Jahr zudem auf die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes geschafft.

Quelle: HNA

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