Wahllokale sind geschlossen

So lief die Bundestagswahl im Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Im Rotenburger Rathaussitzungssaal gibt ein Mann seine Stimme ab. Neben ihm lehnt eine Krücke am Tisch.
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Jede Stimme zählt: Trotz erwartetem Briefwahlrekord wurde es in vielen Wahllokale im Landkreis Hersfeld-Rotenburg nicht langweilig. Unser Foto zeigt eine Wähler bei der Stimmabgabe im Rotenburger Rathaussitzungssaal.

In Hersfeld-Rotenburg läuft bei der Bundestagswahl das Auszählen. Der Wahlsonntag im Landkreis schwankte in den Wahllokalen von „eher ruhig“ bis „der Andrang ist zeitweise groß“?

Aktualisiert am Sonntag, 26. September 2021, 19.57 Uhr: Die Wahllokale haben geschlossen, das große Zählen läuft: Die Bundestagswahl ist auch im Wahlkreis 169, zu dem die Kreise Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner gehören, in der heißen Phase. 186 000 Menschen durften ihre Stimme abgeben.

So war der Wahltag im Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Kommen überhaupt Leute? Das war wohl die größte Sorge in den Wahllokalen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg angesichts des sich abzeichnenden Briefwahlrekords. Wir haben uns in vier Wahlbezirken umgehört.

Nentershausen, 12.30 Uhr: Im Dorfgemeinschaftshaus sei es am Wahlmorgen „eher ruhig“ gewesen, sagt Peter Triebstein, einer von sechs Wahlvorständen. „Seit 11 Uhr ist wieder mehr los.“ Nach und nach schlendern die Nentershäuser in den hellweißen Raum, um ihre Stimme abzugeben. Man kennt sich, eine Kontrolle der Ausweise ist nicht nötig.

So lief die Bundestagswahl im Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Von „eher ruhig“ bis „der Andrang ist zeitweise groß“: Wir haben bei der Bundestagswahl in den Wahllokalen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg Eindrücke gesammelt.
Von „eher ruhig“ bis „der Andrang ist zeitweise groß“: Wir haben bei der Bundestagswahl in den Wahllokalen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg Eindrücke gesammelt.
Von „eher ruhig“ bis „der Andrang ist zeitweise groß“: Wir haben bei der Bundestagswahl in den Wahllokalen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg Eindrücke gesammelt.
Von „eher ruhig“ bis „der Andrang ist zeitweise groß“: Wir haben bei der Bundestagswahl in den Wahllokalen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg Eindrücke gesammelt.
So lief die Bundestagswahl im Landkreis Hersfeld-Rotenburg

„Der Ansturm hält sich aber in Grenzen“, berichtet Wahlhelfer Joachim Fernau. Bis zur Mittagszeit haben fast 100 Bürger gewählt von insgesamt 460. Auf der Liste sind auffällig viele Adresse mit einem fetten „W“ markiert. Das steht für Briefwähler. Der Wahlvorstand schätzt, dass 70 Prozent schon per Brief gewählt haben. „Wir sind sehr zufrieden mit der Beteiligung“, sagt Fernau.

Rotenburg, 13.20 Uhr: Ganz aufgeregt, etwas empört, diskutiert im Rotenburger Rathaussitzungssaal eine Frau mit den Schriftführerinnen Anita Bauer und Irmgard Schulz. „Woher wissen Sie, wer ich bin, wenn ich meinen Perso nicht vorzeige?“ Die Anspannung legt sich, als die Schriftführerinnen erklären, dass der Name auf der Wahlbenachrichtigung steht.

Im Wahllokal im Rotenburger Rathaussitzungssaal dürfen die Wähler die Kugelschreiber mit nach Hause nehmen. So entfällt auch das Desinfizieren - was praktisch ist, denn der Andrang ist groß. Unser Foto zeigt Wahlleiter Michael Adam mit einem Teil des Vorrats der Rotenburger.

Die Stimmung erheitert sich geradezu, als die Schriftführerinnen der Frau sagen, dass sie den Kuli behalten darf. Die Rotenburger haben sich mit Hunderten Kugelschreibern eingedeckt, die die Wähler mit nach Hause nehmen dürfen. So entfällt die Desinfizierung. Das ist praktisch, denn der Andrang ist groß. „Es geht ganz schön rund“, sagen die Wahlhelfer.

Bad Hersfeld, 14.15 Uhr: „Die Leute verbinden ihren Sonntagsausflug mit dem Besuch im Wahllokal“, vermutet Marlene Moehle, stellvertretende Wahlvorstehende im Wahlbezirk 2 in der Konrad-Duden-Schule in Bad Hersfeld. „Es gibt keinen Leerlauf“, pflichten ihr die drei anderen Wahlhelfer bei.

Tonnenkippen in Bad Hersfeld: Johannes van Horrick (links) und Birgit Goßmann geben den Startschuss zum Auszählen in der Konrad-Duden-Schule.

Der Andrang ist zeitweilig so groß, dass die zwei Sichtschutz-Aufsteller auf den Wahltischen nicht ausreichen. Darum machen einige Wähler ihre Kreuzchen „im Freien“, mit der Hand als Sichtschutz. „Wir haben hier einen großen Raum“, sagt Marlene Moehle. „Da haben wir etwas Spiel, ohne das Wahlgeheimnis zu beeinträchtigen.“

Die Wahlhelfer leiden derweil an akutem Kaffeemangel. Frank-Nico Jaeger, Pfarrer und an diesem Wahlsonntag Schriftführer, kann sich aber trotzdem noch konzentrieren. Er sei heute der wichtigste Mann, scherzen die anderen. Denn er ist auch der einzige Mann im Team.

Neukirchen (Haunetal), 15 Uhr: „Norris führt“, sagt Wahlhelfer Leon Eigenbrod (21). Er schaut – ohne Ton – den Großen Preis von Russland auf seinem Handy. Gerade ist im Bürgersaal in Neukirchen nicht viel los. Doch insgesamt sei man zufrieden, sagen die Wahlhelfer. Schon 220 von 650 Wählern haben ihre Stimme zu dieser Zeit abgegeben.

Bestens versorgt ist man im Wahllokal im Bürgersaal von Neukirchen (Haunetal) - mit Kaffee und Berlinern vom Bürgermeister.

In Neukirchen ist der Kaffee reichlich vorhanden. Der Bürgermeister hat auch noch Berliner gespendet. Es mangelt also an nichts. Nur die Stifte müssen die Wahlhelfer noch ganz klassisch desinifizieren. Da haben die Rotenburger ihnen etwas voraus.

Bebra, 17.50 Uhr: Im Bebraer Rathaus laufen bei dieser Bundestagswahl drei Wahlbezirke zusammen. Wenige Minuten vor Toresschluss kommt im Rathaussaal der letzte Umschlag mit den beiden Kreuzchen an - und wandert in die blaue Tonne zu weiteren gut 1000 Wahlumschlägen.

Demokratie kann manchmal schwer sein: Eine blaue Tonne voller Briefwahlumschläge für die Bundestagswahl schütten auf unserem Foto Patrick Rehn (links) und Thorsten Bloß aus.

Dann stemmen Patrick Rehn und Wahlleiter Thorsten Bloß die große Wahlurne und schütten den letzten Satz Stimmzettel auf den Tisch zum Auszählen - pünktlich zu den Glockenschlägen der nahen Auferstehungskirche um 18 Uhr. Publikumsverkehr gibt es an diesem Wahlsonntag in Bebras Rathaus nicht. Die jeweils neun Wahlhelfer pro Briefwahlbezirk sind mit den Einsendungen ausreichend beschäftigt. (Paul Bröker, Clemens Herwig)

Diese Direktkandidaten wollten für die Region in den Bundestag

Michael Roth (SPD) hat zum sechsten Mal in Folge das Rennen um die Erststimmen gewonnen? Gegen den Sozialdemokraten kandidiert haben Wilhelm Gebhard von der CDU (Wanfried), Gerhard Schenk (AfD, Bebra), Jorias Bach (FDP, Sontra), Awet Tesfaiesus (Grüne, Kassel), Sabine Leidig (Linke, Kassel), Rainer Janisch (Freie Wähler, Weißenborn), die Einzelkandidatin Heidi Schmidt (Kassel), die von der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands unterstützt wird, Beate Gerke (Die Basis, Witzenhausen) und Berthold Hartmann (Die Pinken/Bündnis 21, Ringgau). Vor vier Jahren gewann Michael Roth mit 41,2 Prozent der Stimmen. Damals lag die Wahlbeteiligung im Wahlkreis bei 76 Prozent.

Im Folgenden sind Links zu den einzelnen Porträts zu finden, die wir über die Kandidaten geschrieben haben, und jeweils ein kurzes Video, in dem die Kandidaten sich und ihre Ziele vorstellen. Außerdem verlinken wir erneut die Interviews zu politischen Inhalten, die wir bereits vor einigen Wochen mit den Kandidaten geführt haben. Eine Übersicht über die politischen Positionen der Direktkandidaten lesen Sie hier.

Wilhelm Gebhard (CDU)

Möchte die Belange des ländlichen Raums in Berlin stärker vertreten: CDU-Kandidat Wilhelm Gebhard, hier vor dem historischen Hafen in Wanfried. Das Motto für die Fotos aller Kandidatenporträts „So machen die Kandidaten Mittagspause“ ließ sich mit dem Bürgermeister des Fachwerkstädtchens nur bedingt umsetzen. Er isst mittags nämlich kaum etwas, wie er sagt. Viel lieber holt er sich mal einen Becher Eis, bevorzugt Vanille und Karamell.

Hier lesen Sie, warum der Wanfrieder Bürgermeister in den Bundestag einziehen will.

In diesem Interview erklärt der Kandidat die Herausforderungen für die CDU und für sich selbst im Wahlkampf.

Michael Roth (SPD)

Will für den Wahlkreis im Bundestag bleiben: Michael Roth von der SPD, hier beim Mittagessen zu unserem Porträt-Termin.

Hier kann man nachlesen, wie der Bundestagsabgeordnete versucht, engen Kontakt zur Heimat zu behalten.

In diesem Interview schildert der SPD-Kandidat seine Perspektive auf die Corona-Zeit und die Herausforderungen für die Zukunft.

Gerhard Schenk (AfD)

Will vom Landtag in den Bundestag: Gerhard Schenk aus Bebra, hier bei einer Mittagspause am heimischen Küchentisch mit Ahler Wurscht, Butterbrot und alkoholfreiem Radler. Der 67-Jährige tritt für die AfD an.

Hier geht es zu dem Text über einen Kandidaten, der sich selbst vor allem als Polarisierer sieht.

In diesem Interview legt der AfD-Kandidat seine Positionen zu Klimawandel und Corona-Pandemie dar.

Jorias Bach (FDP)

Will in den Bundestag: Jorias Bach aus Sontra führt die FDP im Wahlkreis 169 (Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner) in den Wahlkampf.

Hier erfahren Sie, welche politischen Forderungen der jüngste Kandidat in der Bewerberrunde stellt.

In diesem Interview erklärt Jorias Bach, warum er auch ohne realistische Chancen auf das Direktmandat engagiert in den Wahlkampf geht.

Awet Tesfaiesus (Grüne)

Mittagspause beim Italiener: Die 47-jährige Anwältin Awet Tesfaiesus kandidiert für die Grünen für den Bundestag. Zum Mittagessen bleibt zwar meist keine Zeit, wenn, dann schätzt sie auch die italienische Küche.

Hier erklären wir, wie Awet Tesfaiesus zur Kämpferin gegen Diskriminierungen wurde.

In diesem Interview erklärt die Kandidatin, welche Ziele sie für die Region hat.

Sabine Leidig (Linke)

Die Linke steht hinter ihrer Kandidatin: Die Bundestagsabgeordnete Sabine Leidig mit ihrem Wahlkampfteam (von links) Frank Habermann (Kassel), Arnd Schran (Bebra), Martin Püschel (Bad Hersfeld) und Erich Lange (Rotenburg) im Bad Hersfelder Kurpark.

Hier erfahren Sie, warum Sabine Leidig seit fast 20 Jahren auf ein eigenes Auto verzichtet und für die Verkehrswende kämpft.

In diesem Interview lesen Sie, warum Sabine Leidig für das Direktmandat, aber nicht mehr auf der Landesliste für den Bundestag kandidiert und warum sie Amazon für undemokratisch hält.

Rainer Janisch (Freie Wähler)

Rainer Janisch aus Weißenborn will für die Freien Wähler in den Bundestag.

Hier erklären wir, was Rainer Janisch am Renten- und Gesundheitssystem kritisiert und warum er in Berlin „Zielorientierung“ vermisst.

In diesem Interview erklärt Rainer Janisch, warum er für die Freien Wähler aus Hessens kleinster Kommune in den Berliner Bundestag einziehen will.

Heidi Schmidt (MLPD)

In diesem Porträt lesen Sie, warum sich Heidi Schmidt aus Kassel besonders für Bergleute engagiert und wie die Einzelbewerberin, die von der MLPD unterstützt wird, den Sozialismus sieht.

Für ein politisches Interview vorab stand Heidi Schmidt wegen Terminproblemen nicht zur Verfügung..

Beate Gerke (Die Basis)

Beate Gerke ist gerne kreativ. Hier präsentiert sie einen Teddy, den sie aus Beton gegossen und angemalt hat. Ihre Kunstwerke bietet sie auf Märkten an.

Hier klären wir, warum Beate Gerke politisch aktiv geworden ist und was ihr sonst im Leben wichtig ist.

In diesem Interview erklärt Beate Gerke, warum sie für eine eigens zur Bundestagswahl gegründete Partei antritt.

Berthold Hartmann (Die Pinken/Bündnis 21)

Berthold Hartmann hat die Interviewanfragen unserer Zeitung abgelehnt.

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