Steigender Bedarf

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg fehlen Tagesmütter

Hersfeld-Rotenburg. Auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg boomt das Geschäft für Tagesmütter und -väter. Das ist seit zwei Jahren so.

Von einer steigenden Nachfrage vor allem in den vergangenen zwei Jahren berichten Dirk Langheld, stellvertretender Leiter des Jugendamtes und Sachgebietsleiter Kindertagesbetreuung, sowie Andrea Kraus-Recke von der Kindertagespflege des Kreises.

Und auch für die Zukunft gehen die Verantwortlichen von einer weiterhin gleichbleibend hohen Nachfrage aus. Weitere Tagespflegepersonen würden deshalb dringend gesucht. Zumal die Zahl der Betreuer zuletzt gesunken sei und viele engagierte Tageseltern schon seit vielen Jahren dabei seien, und beizeiten aus Altersgründen ausscheiden.

Die Kindertagespflege bildet Tagespflegepersonen aus, vermittelt Betreuungsangebote an suchende Eltern und berät bei Problemen während der Betreuung. Eine finanzielle Förderung der Kindertagespflege ist möglich, wenn der Bedarf aufgrund von Berufstätigkeit, Ausbildung oder einer sozialen Notlage besteht.

Wer fremde Kinder im eigenen Haushalt betreuen möchte, muss spezielle Voraussetzungen erfüllen und sich entsprechend qualifizieren. Aktuell stehen im Kreis 74 qualifizierte Tagespflegepersonen zur Verfügung – darunter drei Männer –, die zurzeit 199 Kinder betreuen. Davon sind 123 unter drei Jahren alt und 76 über drei. Bis zum Ende des Jahres wird ein Anstieg auf rund 240 Kinder erwartet.

Die meisten Tagespflegepersonen (24) gibt es zurzeit in Bad Hersfeld. Zehn sind es in Bebra, sieben in Rotenburg. In den kleineren Kommunen gibt es in der Regel nur einzelne Tagespflegestellen, wenn überhaupt. Knapp ist es laut Kraus-Recke im Bereich Heringen/Philippsthal, aber ebenso in Bad Hersfeld, Rotenburg und Bebra: „Dort könnten wir noch Tagespflegepersonen gebrauchen.“ Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei auch im ländlichen Raum ein großes Thema.

Kreis kooperiert für Qualifizierung mit verschiedenen Trägern

Immer mehr Eltern geben ihre Kinder in die Obhut von sogenannten Tagespflegepersonen. „Viele schätzen die familiäre Atmosphäre bei dieser Art der Betreuung, die kleinen Gruppen, die individuelle Förderung und die zeitliche Flexibilität“, weiß Andrea Kraus-Recke von der Kindertagespflege des Kreises. Vor 24 Jahren habe sie für ihre Tochter selbst die Dienste einer Tagesmutter in Anspruch genommen. Damals sei sie damit allerdings noch eine seltene Ausnahme gewesen. 

Nachgefragt sei die Kindertagespflege von Alleinerziehenden ebenso wie von Doppelverdienern, berichtet Kraus-Recke, manchmal auch von Familien mit nur einem Kind, die ihren Nachwuchs einfach in der Gemeinschaft Gleichaltriger wissen möchten. 

Wer als Tagesmutter oder Tagesvater arbeiten möchte, muss bestimmte persönliche, räumliche und fachliche Voraussetzungen erfüllen. Ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis zum Beispiel ist für alle im Haushalt lebenden Erwachsenen erforderlich, alle zwei Jahre muss ein Kurs in Erster Hilfe am Kind absolviert werden. Das Wichtigste sei aber natürlich eines, betont Kraus-Recke mit einem Schmunzeln, aber durchaus ernstem Hintergrund: „Sie sollten Kinder mögen!“ 

160 Stunden beinhaltet der Qualifizierungskurs. Bei der Qualifizierung und Fortbildung arbeitet der Kreis mit verschiedenen Trägern zusammen: der Volkshochschule, der Diakonie, Pro Familia, dem Medienzentrum Rotenburg und dem Jugendhof in Rotenburg. „Die Ansprüche an die Qualifizierung sind in den letzten Jahren bedeutsam gestiegen“, sagt Kraus-Recke mit Blick auf die Qualität der Betreuung im familiären Rahmen. Bis zu fünf Kinder können gleichzeitig von einer Tagespflegeperson betreut werden, wenn die Räumlichkeiten, die Qualifizierung und das Alter der Kinder es zulassen. Bezahlt werden je nach Qualifizierung zwischen 4,20 und 5,50 Euro pro Kind und Stunde. 

„Unsere Tageseltern sind zwischen Anfang 20 und Ende 60“, berichtet Dirk Langheld, stellvertretender Leiter des Jugendamtes und Sachgebietsleiter Kindertagesbetreuung – darunter sind Erzieherinnen in Rente ebenso wie nicht professionell „Vorbelastete“ und Eltern ebenso wie Kinderlose. „Wir haben einen guten Querschnitt, wie bei den Eltern, die eine Tagespflegeperson suchen, auch“, so Kraus-Recke. Austauschen können sich die Tageseltern bei regelmäßigen gemeinsamen Treffen, die acht bis zehn Mal im Jahr stattfinden. Gibt es berechtigte Beanstandungen, kann die Tagespflegeerlaubnis, die ohnehin für maximal fünf Jahre ausgestellt wird und dann erneut beantragt werden muss, auch wieder entzogen werden. Das komme aber nur in ganz seltenen Fälle vor, sagen die Verantwortlichen. Das Kindeswohl stehe immer an erster Stelle, die Tagespflegepersonen stünden auch nicht in Konkurrenz zu den leiblichen Eltern oder den Kindertagesstätten, sie seien eine Ergänzung. (nm)

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © dpa

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