Wochenendporträt

Hygiene ist sein Steckenpferd: Der Rotenburger Peter Artelt ist Chef des Gesundheitsamtes

Im Labor des Gesundheitsamtes: Peter Artelt, der neue Chef ist kein Kind von Traurigkeit. Foto:  Schankweiler-Ziermann

Hersfeld-Rotenburg. Wer meint, die Tätigkeit eines Amtsarztes wäre langweilig, der hat noch nicht mit Peter Artelt gesprochen. 

Er rechnet immer mit Überraschungen, wenn er morgens den PC anstellt. Mal muss er sich mit Keimen im Trinkwasser befassen, es kann aber auch von heute auf morgen ein Fall wie Ebola auftreten. Artelt ist seit April Chef im Gesundheitsamt in Bad Hersfeld – genau genommen übt er das Amt kommissarisch aus. Das liegt daran, dass er Facharzt für Urologie ist und nicht für Öffentliches Gesundheitswesen. Die entsprechenden Kurse würden aber so lange dauern, bis Artelt in Rente geht. Daher kooperiert Hersfeld-Rotenburg mit dem Werra-Meißner-Kreis, wo eine Fachärztin mit dem Titel Chefin ist.

Zahlreiche Qualifikationen

Dabei hat Artelt zahlreiche Qualifikationen. Er hat sich für Hausarztvertretung und in der Klinikhygiene weitergebildet, in der Chirurgie gearbeitet, ist Rettungsarzt und war Transfusionsbeauftragter.

Ursprünglich wollte Artelt Internist und Hausarzt werden. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit Chlamydien, die Prostatitis verursachen können, und landete so mehr zufällig in der Urologie. Aber diese ist ihm zur Herzensangelegenheit geworden. Er war viele Jahre als Urologe, zuletzt in Bad Wildungen, tätig und sagt: „Ich bin aus Überzeugung Arzt.“

Als der Rotenburger im vergangenen Jahr die Anzeige des Kreises las, der einen Arzt suchte, hat er sich beworben und wurde eingestellt. Seit er in Bad Hersfeld arbeitet, erspart sich der 61-Jährige die tägliche Fahrt von zwei Stunden nach Bad Wildungen hin und zurück. „Ich habe mehr Lebensqualität“, sagt der Vater von vier Kindern, der nun Weihnachten zu Hause sein konnte. Obwohl er auch als Amtsarzt Rufbereitschaft hat, wenn zum Beispiel eine Leichenschau ansteht.

Die Aufgaben eines Amtsarztes sind vielfältig. Sein Steckenpferd, sagt Artelt, ist die Hygiene. Hier repräsentiert er die Aufsichtsbehörde im Landkreis. Die multiresistenten Keime, bekannt unter der Abkürzung MRSA, habe man gut im Griff, aber resistente Darmkeime seien auf dem Vormarsch. Jeder zweite Indien-Reisende bringe einen solchen Keim mit, der für geschwächte Menschen gefährlich werden kann. Artelt sieht hier eine Herausforderung. „Es macht Spaß, die Probleme anzugehen“, erklärt der Mediziner, der als junger Mann Gitarrist in einer Hardrock/Heavy Metal Band war und das Instrument bis heute spielt.

Ein gutes Team

Vor seinem Amtszimmer finden sich zehn nummerierte Türen. Sie deuten darauf hin, dass die Ärzte im Gesundheitsamt zahlreiche Untersuchungen vornehmen. Tuberkulose-Patienten werden geröntgt, Fahrer, die ihren Lkw-Führerschein verlängern wollen, müssen sich hier vorstellen. Es kommen auch mal 300 künftige Finanzbeamte aus der Landesfinanzschule in Rotenburg, die auf Herz und Nieren geprüft werden, bevor sie Beamte auf Probe werden.

Artelt hat ein gutes Team, auf das er sich 100-prozentig verlassen kann, betont er. Der Liebhaber eines guten Whiskys hat Freude an seiner Aufgabe, und er wirbt schon heute um Nachwuchs. In vier Jahren, sagt er, werde sein Stelle frei. Und er wüsste sie gerne in guten Händen.

Zur Person 

Peter Artelt (61) stammt aus Goslar. Er hat auf dem Zweiten Bildungweg sein Abitur abgelegt und vor dem Studium erst Technischer Kaufmann gelernt. In Gießen hat er Medizin studiert und seinen Facharzt für Urologie in Fulda, Bad Wildungen und am Klinikum in Bad Hersfeld gemacht. Danach war er acht Jahre in der Urologie (onkologische Reha) in Bad Wildungen tätig. Zum Juli 2016 wechselte er ins Gesundheitsamt nach Bad Hersfeld. Seit 1998 wohnt der Urologe in Rotenburg. Er fährt gerne in den Süden in Urlaub und spielt In seiner Freizeit Gitarre. Artelt hat mit seiner Frau Annette Schmidt, einer Krankenschwester, vier Kinder, drei sind bereits erwachsen.

Amt mit vielen Aufgaben

Vielfältig sind die Aufgaben, die die Mitarbeiter im Gesundheitsamt erfüllen. Dazu gehören etwa (Liste nicht vollständig) 

• Schuleingangsuntersuchungen 

• Impfberatung 

• Trinkwasserkontrolle 

• Kontrolle der Badeseen und Schwimmbäder 

• meldepflichtige Krankheiten wie resistente Keime, Tuberkulose, Masern, Windpocken und Keuchhusten, auch Influenza 

• Belehrungen zum Infektionsschutzgesetz (Gesundheitspass) 

• Beratung von Prostituierten Zum Team im Gesundheitsamt gehören außer Peter Artelt unter anderem zwei weitere Ärztinnen und ein Arzt, drei Hygienekontrolleure und eine Azubi sowie ganz neu der Sozialpsychiatrische Dienst mit einem Arzt und zwei Sozialpädagoginnen.

Quelle: HNA

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