Der ehemalige Bebraer Bürgermeister ist nicht viel ruhiger geworden

Humorvoll und immer auf Achse: Horst Groß wird 70

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Brigitte und Horst Groß: Sie sind beide in Gilfershausen aufgewachsen und seit 50 Jahren verheiratet. Heute feiert der ehemalige Bürgermeister von Bebra seinen 70. Geburtstag.

Gilfershausen. Die Amtskette des Bürgermeisters von Bebra hat Horst Groß vor drei Jahren an seinen Nachfolger Uwe Hassl übergeben. Aber viel Ruhe ist nach seinem Eintritt in den Ruhestand nicht bei ihm eingekehrt. Der Terminkalender von Horst Groß, der heute 70 Jahre alt wird, ist nach wie vor gut gefüllt. Er ist meist auf Achse. So gesehen hat sich nicht viel geändert.

Aber ein bisschen doch. Heute sitzt er als „Hinterbänkler“ der CDU-Fraktion im Bebraer Parlament und hält sich – bis auf den einen oder anderen Kommentar – zurück. Er hatte auf der Liste ganz hinten kandidiert und war auf Platz zwei nach vorne gewählt worden – unerwartet, wie er sagt, denn die Jüngeren sollten jetzt ran. Auch wenn er sich gerne an die 18 Jahre als Chef der Verwaltung in Bebra erinnert und bis heute im Kreistag sitzt.

Er sei gerne Bürgermeister gewesen, erzählt er, hat nach wie vor viele gute Kontakte bis hin nach Wiesbaden, wo man ihn nicht vergessen hat. Das liegt auch an seiner offenen Art, auf Menschen zuzugehen – egal ob Hochkaräter oder die Leute von nebenan.

„Ich möchte keine Stunde missen.“

„Frechheit siegt“ ist sein Wahlspruch, wenn er das Gespräch mit den Größen in Politik und Sport sucht – und einen Schnappschuss für seine mittlerweile sieben Aktenordner umfassende Sammlung mit Erlebnissen aus seinem Leben. Das Foto von der Hochzeit mit seiner Frau Brigitte vor 50 Jahren findet sich ebenso darin wie Bilder von Timo Boll, Rudi Völler oder Skirennläuferin Katja Seitzinger, der er einen ihrer Sieger-Blumensträuße abgeschwatzt hat. Oder eines, auf dem er Angela Merkel im Arm hat.

Fußball ist eine seiner großen Leidenschaften. So hat er den Gilfershäuser Verein 1964 gegründet – da war er 17, hat ab 1972 drei Jahre in der Landesliga für Bebra gespielt und spielt bis heute mit viel Spaß als Chef in der Ratself Waldhessen.

Mit anderen wie den Bürgermeistern Grunwald, Stenda, Wirth oder Noll tritt die Elf in Berlin ebenso an wie in München. Groß’ drei Tore gegen die dortige Mannschaft standen schon auf der Anzeigetafel im Olympiastadion – auch das ist natürlich auf einem Foto festgehalten.

Dabei hat er großes Glück gehabt, dass er heute noch selbst auf dem Rasen stehen kann: Vor zweieinhalb Jahren erlitt er kurz nach Ende seiner Amtszeit und nach dem großen Empfang von Weltmeister Shkodran Mustafi in Bebra einen Schlaganfall. Zufällig kam sein ältester Sohn vorbei und fand ihn rechtzeitig, sodass er er erfolgreich behandelt werden konnte. „Dafür danke ich dem lieben Gott“, sagt Horst Groß. Nur das Glas Bier lässt er seitdem stehen.

Die Frau an seiner Seite ist Brigitte Groß – und das seit 50 Jahren. Sie spricht von „höchstens 35, da er ja meist unterwegs war“ und sie selbst das neue Haus ohne ihn gebaut hat.

Die beiden heirateten, als er knapp 20 war – noch nicht volljährig – und ihm ist nach 50 gemeinsamen Jahren bewusst: Sein Leben auf der Überholspur, „das alles ging nur mit meiner Frau. Sie hat mir den Rücken gestärkt.“

Für die Kinder, zwei Söhne und einen Pflegesohn, hatte er schon zu seinen Zeiten als Fußballer und im Schichtdienst beim Zoll wenig Zeit. Und danach „war er nur Bürgermeister“, sagt sie – mit Betonung auf nur.

Selbst Urlaub war kaum drin. Die erste freie Woche nach drei Jahren Amtszeit hat die Familie in Friedrichroda verbracht – der Partnerstadt von Bebra in Thüringen.

Da ist heute schon einiges anders bei der Familie Groß’. Rasenmähen, Staubsaugen sind seine Aufgaben und auch den Fahrdienst für seine Enkelin Anastasia übernimmt er gerne.

Sein 70. Geburtstag ist das zweite große Fest nach der goldenen Hochzeit von Brigitte und Horst Groß im Januar. Gefeiert wird es mit der Familie im Harz. (ank)

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