Instrument aus Rotenburger Werkstatt

Die Hünfelder JVA hat eine Orgel angeschafft

Hünfeld/Rassdorf/Rotenburg. Orgelklänge hinter schwedischen Gardinen gab es bislang in der Justizvollzugsanstalt Hünfeld nicht. Ein elektrisches Instrument musste herhalten, wenn die Gottesdienste des evangelischen Gefängnispfarrers Dr. Andreas Leipold musikalisch begleitet werden sollten.

Das hat sich nun geändert. „Eigentlich sollte eine Truhenorgel aus der Bad Hersfelder Stadtkirche beziehungsweise der Hospitalkapelle in die JVA gebracht werden“, sagt Orgelbaumeister Peter Kozeluh von der Orgelbauwerkstatt Rotenburg. Doch dann sei festgestellt worden, dass das Instrument noch für das Musizieren in der Kurstadt instand gesetzt werden könnte. Aus dem Wildecker Ortsteil Raßdorf stammt eine kleine Orgel, die gerade in Rotenburg für ein neues Instrument in Zahlung genommen worden war.

"Steuergeschichten"

Bis das einmanualige Instrument mit den 165 Pfeifen mit einem kleinen Konzert eingeweiht werden konnte, mussten jedoch viele Stunden Arbeit in die Restauration gesteckt werden. Peter Schindewolf ist Häftling in Hünfeld. „Wegen Steuergeschichten“, erzählt er. Schindewolf spielt Orgel, Klavier, Gitarre und Trompete. „Das habe ich mir alles selbst beigebracht“, sagt er. Zur Einweihung der neuen Orgel intoniert er „Amazing Grace“. „Ich würde gerne öfter darauf spielen. Aber nur deswegen möchte ich dann doch nicht länger hierbleiben“, scherzt er. Denn ihn trennen nur noch wenige Tage von der Freiheit. „Die Orgel ist eindeutig ein Jahr zu spät gekommen“, bedauert er.

Fünf bis acht Besucher

Zwischen fünf und acht Besucher hat Pfarrer Leipold in seinen monatlichen evangelischen Gottesdiensten. Die geringe Anzahl sei darauf zurückzuführen, dass verhindert werden soll, dass die Häftlinge diese Gelegenheit wahrnehmen, um Informationen auszutauschen. Zur Einweihung der Orgel waren Mitglieder des Rotaryclubs Bad Hersfeld in die JVA gekommen. Um die Klangmöglichkeiten der Orgel vorzuführen, spielten der Orgelbauer und der Bad Hersfelder Stadtkirchenkantor Sebastian Bethge zu einem kleinen Orgelkonzert Werke von Böhm, Albinoni, Händel, Storace und Händel – teilweise mit Pfarrer Leipold auf der Querflöte. Passend zum Orgelspiel hinter Gittern erklang auch eine „Fuga“ von Buxtehude. Ganz nebenbei: “Fuga“ ist lateinisch und heißt übersetzt „Flucht“.

Von Christopher Göbel

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