Traditionshaus mit langer Geschichte

Rotenburger Hof-Apotheke seit 25 Jahren in der Hand von Familie Sitzmann

Historisches Flair: Dieter Sitzmann mit Utensilien, die zum Beispiel zum Pillendrehen verwendet wurden.

Rotenburg. Vor 25 Jahren hat das Ehepaar Sitzmann die traditionsreiche Hof-Apotheke an der Breitenstraße in Rotenburg übernommen. Dieses Jubiläum in der Strandfestwoche gefeiert.

Plötzlich ging alles ganz schnell: Keine drei Monate vergingen, nachdem sich dem Ehepaar Sitzmann die Gelegenheit eröffnet hatte, die Rotenburger Hof-Apotheke zu übernehmen. In der letzten Juni-Woche zogen die Sitzmanns nach Rotenburg, am 1. Juli eröffneten sie die Apotheke. Das ist jetzt 25 Jahre her. Mit einer Festwoche feiern sie das Jubiläum.

Atmosphärisch wie ein Familienbetrieb: Das Apothekenteam besteht aus Dieter Sitzmann, Lisa Hillecke, Myriam Volbert, Lydia Flores, Katja Sippel, Frauke Gnauert und Sabine Schad-Sitzmann (von links). Fotos: Achim Meyer

Die eindrücklichste Erinnerung der beiden an Rotenburg ist die an die große Strandfest-Wappenparade auf dem Marktplatz. „Das wäre aber für uns nicht nötig gewesen“, sagte Sabine Schad-Sitzmann damals im Scherz zu ihrem Mann Dieter. Ihr neues Leben begann mit einem großen Fest.

Sie stammt aus Heringen, er aus Ausbach. In der Schule lernten sie sich kennen und orientierten sich hinterher beruflich in dieselbe Richtung. Während er das Pharmazie-Studium in Marburg aufnahm, erlernte sie den Beruf der pharmazeutisch-technischen Assistentin.

Nach Stationen in Fulda und Bad Hersfeld ergab sich 1993 die Gelegenheit zur Selbstständigkeit für die beiden: Der Rotenburger Apotheker Claus Grimme suchte einen Nachfolger für die Hof-Apotheke an der Rotenburger Breitenstraße. Kurzentschlossen starteten Sitzmanns einen neuen Lebensabschnitt in Rotenburg. Hier fanden sie eine Apotheke mit Geschichte vor, von der bis heute die Inneneinrichtung mit wertvollen Holzarbeiten, Porzellangefäßen und Holzschubladen für Tees erzählt.

„Wir wollten das alte Flair bewahren“, sagt Dieter Sitzmann. Beide denken gerne an die Zeit zurück, als ihre kleine Tochter Amelie unter dem Schreibtisch spielte und ihr Vorgänger Claus Grimme unaufdringlich am Tresen wartete und seinen Stammkunden die neue Apotheker-Familie vorstellte und die Menschen einander vertraut machte. Für sein Engagement während der Startzeit sind Sitzmanns ihm bis heute dankbar.

Vieles hat sich seither verändert: Die eigenhändige Herstellung von Tinkturen und Salben im Labor, eine Tätigkeit, für die Sabine Schad-Sitzmann ihren Beruf besonders liebte, ist fast gänzlich weggefallen. Dafür nehmen eher bürokratische Aufgaben immer mehr Zeit in Anspruch. Stark spüren die Sitzmanns die Folgen der Gesundheitsreformen und die Konkurrenz durch das Internet, aber, da sind sie sich einig: „Wir wollen nicht meckern.“

Wichtig ist ihnen bei aller Veränderung die Kontinuität: Zwei ihrer Mitarbeiterinnen gehören schon seit über 20 Jahren zum Betrieb. „Es ist fast wie in einem Familienbetrieb“, sagt Sabine Schad-Sitzmann. Den Großteil ihrer Kundschaft bilden Stammkunden. „Da ist Beständigkeit wichtig“, sagt Dieter Sitzmann. Durch Verlässlichkeit und gute Beratung könne man sich von der Internet-Konkurrenz absetzen.

Während des Strandfests erfolgte die Eröffnung, und während des Strandfests wird nun gefeiert: Die Jubiläums-Woche beginnt am Montag, 25. Juni. An allen Tagen gibt es Geschenke oder Rabatte als Dankeschön für die langjährige Treue der Kunden. Am Strandfest-Samstag beteiligt sich die Hof-Apotheke mit Glücksrad, Sektempfang und Kinderschminken.

Geschichtsträchtig

Die Geschichte der Hof-Apotheke reicht zurück bis ins 17. Jahrhundert, wie Claus Grimme 1976 in einer Chronik erklärte. Der Chronik zufolge verschaffte sich Johann Georg Herbst den Titel „Hofapotheker“ beim Landgrafen, als die Landgrafschaft Hessen-Rotenburg als teilsouveränes Fürstenhaus von einer Nebenlinie des Hauses Hessen regiert wurde. Es war ein Apotheker namens Ernst Constantini, der die Hof-Apotheke Mitte des 19. Jahrhunderts von der unteren Breitenstraße in das Gebäude neben der Jakobikirche verlegte, wo sie sich heute noch befindet. Im Jahr 1903 erhielt sie eine neue, reich-geschnitzte Inneneinrichtung aus massiver Eiche.

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