Handwerk-Erlebnisroute Mittleres Fuldatal

Hönebacherin hegt glühende Leidenschaft für Glaskunst

Bei der Arbeit in ihrer Werkstatt: Elisabeth Linß schmilzt Glas mit einem Gasbrenner. In der Flamme fertigt sie Glasperlen und Anhänger. Wer sich für die Handwerkskunst der Hönebacherin interessiert, kann ihr im Rahmen der Handwerk-Erlebnisroute bei der Herstellung von Glasperlen über die Schulter schauen.

Hönebach.  Kunstvolle Perlen und Anhänger aus Glas fertigt die Hönebacherin Elisabeth Linß. Man kann ihr auf der Handwerk-Erlebnisroute bei der Arbeit zusehen.

Wenn Elisabeth Linß vor der bis zu 1200 Grad heißen Flamme ihres Gasbrenners sitzt und das Glas unter der großen Hitze schmilzt, vergisst sie die Welt um sich herum. „Das hat für mich etwas Meditatives“, sagt sie. Die 51-Jährige aus Hönebach stellt Schmuck aus Glasperlen her – und lässt sich dabei auch gern über die Schulter schauen. Bei dem touristischen Angebot Handwerk-Erlebnisroute Mittleres Fuldatal laden handwerklich Begabte zu einem Blick in ihre Werkstätten, Höfe und Läden ein. „In der Gegend gibt es viele Menschen, die besondere Dinge können und kreativ sind“, sagt Linß.

Selbst gemacht: Diesen Anhänger hat Elisabeth Linß gefertigt.

Ihre Lieblinge sind Galaxie-Perlen, die mit einem speziellen Glasstaub hergestellt werden. Während die 51-Jährige am Werk ist, schützt eine lilafarbene Brille ihre Augen vor wegfliegendem heißen Glas. Außerdem filtert die Brille den Rot- und Orangestich aus der Flamme, sodass Linß besser sehen kann, was sie bearbeitet. „Tiefe Ausschnitte sollte man nicht tragen“, sagt sie. Denn das flüssige Glas führt auf der Haut zuerst zu Brandblasen und dann zu Narben.

Inspiration für ihre Motive und Muster holt sich Linß gerne im Urlaub. So verzierte sie ihre Glasanhänger nach einer Namibia-Reise häufig mit Elefanten und nach dem Besuch eines US-amerikanischen Aquariums bevorzugt mit Quallen. „Kreativ war ich schon immer“, sagt sie. Zunächst habe sie gehäkelt und gestrickt. Über einen Volkshochschulkurs in Tiffany-Glaskunst landete sie bei diesem Werkstoff. Vor zehn Jahren dann entdeckte sie auf einem Kunsthandwerkermarkt einen Künstler, der Glasperlen herstellte. „Das hat mich so fasziniert, dass ich drei Nächte nicht schlafen konnte. Ich dachte, das musst du unbedingt machen“, sagt sie.

Im Internet kaufte sie sich ein Anfängerset und legte los – und zwar vorsichtig: „Als ich den Brenner das erste Mal angemacht habe, hatte ich richtig Schiss“. Davon ist mittlerweile nicht mehr viel zu merken, ihre Handgriffe sind sicher und geübt. Um ihre Technik stets zu verbessern, besucht Linß zweimal jährlich einen Workshop bei Perlenkünstlern aus aller Welt. „Es ist toll, zu sehen, wie andere arbeiten“, sagt die 51-Jährige. Ihr Traum ist es, einmal an einem Seminar von Davide Penso auf der Inselgruppe Murano in der Lagune von Venedig teilzunehmen. Er sei eine Koryphäe. Sie plant zudem, Anfänger in der Kunst der Glasperlenherstellung zu unterrichten.

Ihre Werkstatt nennt sie „Farbhexerei“. Zum einen, weil sie als Hönebacherin eine Tunnelhexe sei und zum anderen, weil das Schaffen der Glasperlen etwas Magisches habe. So wechsele rotes Glas, solange es erhitzt ist, die Farbe zu Schwarz. Weißes Glas hingegen wird mit dem Schmelzen transparent. Ihre Ketten, Armbänder, Ohrringe und Anhänger verkauft Linß auf Kunsthandwerkermärkten. Denn: Das Hobby ist zeitaufwendig und teuer. Gasbrenner gebe es zwar ab 200 Euro, ein Temperofen, in dem das erhitzte Glas langsam auf Zimmertemperatur abkühlen kann, koste aber mindestens 1000 Euro. Letzerer vermeidet Oberflächenspannungen und verhindert so, dass die Glasperle auseinanderbricht.

Hintergrund

Die Handwerk-Erlebnisroute ist ein touristisches Angebot der Region Mittleres Fuldatal. Bei diesem laden Künstler Interessierte ein, ihre Werkstätten, Höfe und Läden zu besuchen und geben den Gästen einen Einblick in ihr kreatives Schaffen. 

Weitere Termine an der Hanwerkserlebnisroute: 

• Töpfern testen und Atelier besichtigen in der Töpferei am Heidehügel: Donnerstag, 9. August, 14 bis 16 Uhr in Altmorschen, Heideweg 7, Tel. 0 56 64/ 4 49 

• Offene Erlebnisführung durch das Kreisheimatmuseum: Termine jeweils ab 10 Uhr am 9., 16., 23. und 30. August, Tel. 0 66 23/91 46 96 

• Kerzen selber machen und gestalten bei „Der Kerzentunker“: Termine jeweils von 9.30 bis 13 Uhr sowie 15 bis 18 Uhr am 10., 17., 24. und 31. August in Hessisch-Lichtenau, Schöne Aussicht 14, Tel. 05 60 / 2 38 06. 

• Hofführung bei Lotta Landmilch: Mittwoch, 15. August, 14 Uhr, in Schemmern, Memelweg 1, Tel. 0 56 56 / 6 82 

• Teeverkostung in der Manufaktur der Berglandkräuter: Donnerstag, 16. August, 13 Uhr in Braunhausen, Am Molkenborn 14. Anmeldungen unter Tel. 0 66 22 / 91 98 46 oder per Mail an info@berglandkraeuter.de 

• Kartoffelroden mit Pferden auf dem Tannenhof: Samstag, 18. August, 10 bis 13 Uhr und Mittwoch, 22. August, 15 bis 18 Uhr, Hof Vockerode 5 in Imshausen, Tel. 0 66 22 / 6 03 61 83 

• Ateliererkundung im Keramik-Paradies: Sonntag, 19. August, 14 bis 16 Uhr, in Rautenhausen, Cornberger Weg 10, Tel. 0 66 22 / 18 14 

• Farbhexerei – der Glaskünstlerin über die Schulter schauen: Montag, 20. August, 14 bis 17 Uhr in Hönebach, Brentanostraße 12, Tel. 0 66 78 / 6 19

• „Wir basteln ein Insektenhotel für den Garten“: Mittwoch, 22. August, 14 bis 17 Uhr im Kreisheimatmuseum Rotenburg, Tel. 0 66 23/91 46 96

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