Senioren leiden besonders - Was Experten empfehlen

Hoch Helmut sorgt für Hitzewelle im Kreis Hersfeld-Rotenburg

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Jede Abkühlung ist willkommen: Noch bis Ende dieser Woche sagen die Wetterdienste für Hersfeld-Rotenburg Temperaturen bis 35 Grad voraus. Hier erfrischt sich unser Mitarbeiter Robin Kemmsies im Schilde-Park. 

Hersfeld-Rotenburg. 35 Grad, blauer Himmel, kaum Wind – Hochdruckgebiet Helmut beschert uns eine Hitzewelle. Für den Kreis Hersfeld-Rotenburg wurde eine Hitzewarnung herausgegeben.

Die Hitzewelle lässt Erinnerungen an den Jahrhundertsommer 2003 wach werden. Die sogenannten Hundstage (23. Juli bis 23. August) schlagen voll durch. Für den Kreis Hersfeld-Rotenburg hat der Deutsche Wetterdienst sogar eine Hitzewarnung herausgegeben. 

Während sich viele Menschen, vor allem all jene, die Schulferien oder Urlaub haben, über den Hochsommer freuen und sich im Freibad oder in der Eisdiele abkühlen, birgt die Hitze auch Gefahren. Wir haben im Altenheim, bei Ärzten, auf Baustellen, in Getränkemärkten und bei einem Wespenexperten nachgefragt, wie sich die heißen Temperaturen auf unsere Region auswirken.

Vom Baby bis zum alten Mann ächzen alle unter der sengenden Sonne. Aber gerade die Senioren quält die Hitze besonders. In den Seniorenheimen auch in unserem Kreis heißt es daher zurzeit für die Mitarbeiter: Noch wachsamer sein, noch mehr ranklotzen, als es an normalen Tagen schon der Fall ist. 

„Die Hitze belastet das Herz-Kreislauf-System der Senioren extrem, mehr als alle anderen Wettereinflüsse im Rest des Jahres“, weiß Heimleiter Ernst-Olaf Mende aus Erfahrung. Er leitet das evangelische Altenhilfezentrum Ludwigsau mit 70 Bewohnern und das Altenzentrum Hospital in Bad Hersfeld mit 101 Bewohnern. „Gegen Frost kann man sich gut schützen, warm anziehen, die Heizung aufdrehen. Sich gegen Hitze zu schützen, ist viel schwerer.“ „Gerade für die Senioren ist jegliche Bewegung zusätzlich erschöpfend. Die Hitze stört auch die Nachtruhe sehr“, betont Mende. „Für unsere Mitarbeiter ist das eine erhebliche zusätzliche Belastung in ihrem anspruchsvollen Beruf.“ 

Und nicht nur die alten Menschen seien durch die Hitze schwach, schlapp und müde. Die Mitarbeiter leiden genauso. So seien sie zurzeit doppelt belastet. „Allein die alten Menschen zum ausreichenden Trinken zu motivieren, braucht mitunter viel Geduld und Zeit und muss auch noch protokolliert werden“, erklärt Mende.

Tipps und Tricks für alle 

In den Seniorenheimen werden unter anderem folgende Hinweise umgesetzt, die aber auch für jüngere Menschen sinnvoll sind: • Der Körper braucht ausreichend Flüssigkeit: am besten Mineralwasser, Tee, nicht zu stark gesüßte Fruchtsäfte. Gut sind auch wasserreiche Früchte wie Melonen oder Pfirsiche. „Zu wenig Flüssigkeit kann zu trockener Haut, aber auch Desorientierung führen“, betont Heimleiter Mende. Sehr kalte Getränke sollte man aber meiden. 

• Morgens, wenn es noch kühl ist, werden die Heime komplett durchgelüftet, tagsüber dann die Fenster geschlossen. Die Zimmer werden mit Rollos abgedunkelt. Feuchte Tücher sollen helfen, Abkühlung zu erreichen. Bei Ventilatoren muss man aufpassen, dass keiner direkt in der Zugluft sitzt und sich erkältet.

Das sagen die Ärzte: Auf Körpersignale achten 

Die hohen Temperaturen setzen besonders alten, herzkranken und jungen Menschen zu. Erstere, die meist sowieso schon zu wenig trinken, trocknen nun noch schneller aus. Wirken sie dem nicht entgegen, helfen nur noch Infusionen, um den Körper wieder ausreichend mit Flüssigkeit zu versorgen, sagt Gisela Schieren, die Chefärztin der Inneren Medizin am Klinikum Hersfeld-Rotenburg. Im Falle einer Sommergrippe mit erhöhter Körpertemperatur verliere man einen Liter Flüssigkeit am Tag. Sie rät in einem solchen Fall drei bis vier Liter zu trinken. 

Anzeichen, dass ein Flüssigkeitsmangel besteht, sind laut dem Hersfelder Allgemeinmediziner Martin Ebel, Kreislaufbeschwerden, Müdigkeit, Durstgefühl und Kopfschmerzen. Er empfiehlt, sich im Schatten aufzuhalten, Sport nur in den frühen Morgen- und Abendstunden zu treiben und kühle, dünne Apfelsaftschorle zu trinken.

Das sagt der Wespenexperte: Respekt, aber keine Angst haben 

Ziemlich beste Freunde werden Mensch und Wespe wohl nie werden, auch wenn es sich um besondere Tiere handelt. „Durch den milden Winter und warmen Sommer treten sie vermehrt auf“, berichtet Erich Wirf aus Hönebach. Deshalb ist er oft unterwegs, um Nester, die Menschen gefährden, umzusiedeln – wenn Kinder beim Spielen gefährdet sind oder Menschen unter einer Wespen-Allergie leiden. Der 65-Jährige ist Wespen-Fachberater beim Imkerverein Blumenstein Wildeck: „Eine gute Nachricht ist: Bei Wespen überwintert nur die Königin. Sie zieht sich in ein Erdloch zurück.“ Im Frühjahr wird ein neues Nest gebaut, aber nicht am alten Platz. 

Seine Botschaft: „Man sollte die Tiere mit Respekt behandeln, aber keine Angst haben. Sie werden aggressiv, wenn sie sich angegriffen fühlen – wie wir Menschen auch.“ Am Kaffeetisch sollte man sie mit leichter Handbewegung wegschieben. Wo Nester entfernt werden müssen, kann man Imker, die Feuerwehr oder den Landkreis um Hilfe bitten. Kontakt beim Kreis: Martina Schäfer, Telefon 06621/872260.

Das sagt der Getränkehandel: Bier und Wasser sind besonders gefragt 

Beim Getränkegroßhändler GIM & Lütticke in Rotenburg gehen aktuell viele Bestellungen ein. Gefahr, dass die Brunnen, welche die Mineralwasser abfüllen, mit der Produktion nicht mehr nachkommen, bestehe derzeit nicht, sagt Astrid Kirchmann. Noch gebe es genügend Kisten und Flaschen, sodass auch den Bierbrauereien noch kein Engpass droht. Supermärkte würden verstärkt Wasser bestellen, Gastronomieunternehmen hingegen auch mehr Bier. Auf Märkten, Kirmessen und Festen im Landkreis wird bei der Hitze mehr als sonst getrunken. Die Veranstalter beziehen ihre Getränke von den Großhändlern in der Region. 

Das sagen die Bauarbeiter: Fünf bis sechs Liter Wasser pro Schicht 

Hitzefrei aufm Bau? „Das gibt’s nicht“, sagt Thorsten Sindel, Sprecher des Kirchheimer Bauunternehmens Bickhardt Bau. Ohnehin seien Bauarbeiter extreme Temperaturen gewöhnt. „Unsere Gussasphaltkolonne auf der Baustelle auf der A 4 hantiert mit 220 Grad heißem Material.“ Wenn es die Umstände erlauben, „versuchen wir schon, im Hochsommer morgens früher anzufangen, um der Hitze etwas zu entgehen“, sagt Sindel. Pro Schicht trinke ein Bauarbeiter etwa fünf bis sechs Liter Wasser. (ses/dup/ciz)

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Quelle: HNA

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