Aus Fäkalien wird Erde 

Hessens zweitgrößte Hochleistungsvererdungsanlage entsteht in Bebra

Erster Spatenstich: Stadtwerke- und Abwasserbetrieb-Chef Herbert Höttl, Bürgermeister Uwe Hassl, Achim Trübner von der Schneverdinger Spezialbaufirma Otto Schröder, Bürgermeister Markus Becker, Bauingenieur Udo Rantke vom Abwasserbetrieb der Stadt Bebra und Geschäftsführer Dipl.-Ing. Stefan Rehfus von der Neu-Eichenberger Entwicklungs- und Betriebsgesellschaft EKO-PLANT gaben den offiziellen Startschuss für den Bau der neuen Bebraer Klärschlammvererdungsanlage. 

Bebra. Mit dem obligatorischen Spatenstich haben die Verantwortlichen des Abwasserbetriebs Bebra den Startschuss für den Bau von Hessens zweitgrößter Hochleistungsvererdungsanlage gegeben. 

Weil Klärschlamm nicht mehr so einfach wie bisher verwertet werden kann, sind die Verantwortlichen des Abwasserbetriebs Bebra unter die Gärtner gegangen. Mit dem obligatorischen ersten Spatenstich gaben sie ganz offiziell den Startschuss für den Bau von Hessens zweitgrößter Hochleistungsvererdungsanlage mit insgesamt vier Beeten.

Genau genommen sind es vier Schilfbeete, die in den nächsten Monaten auf einer fast 25 000 Quadratmeter großen Fläche direkt neben der Bebraer Kläranlage angelegt werden. Ausgelegt für die Entwässerung und die biologische Verarbeitung des gesamten Klärschlamms der Biberstadt und der Gemeinde Ronshausen, soll in ihnen mit minimalem Energieaufwand mit Hilfe von 44 400 Schilfpflanzen, Sonneneinstrahlung, Schwerkraft und Mikroorganismen auf natürliche Art und Weise Klärschlamm entwässert und unter erheblicher Mengenreduzierung Erde gewonnen werden.

Dabei werden die in den Schilfbeeten wachsenden Pflanzen von einem vollautomatisch gesteuerten, intelligenten System aus Rohrleitungen, Pumpen und Schiebern unterstützt. Dessen technisches Herz sorgt dafür, dass immer so viel Flüssigschlamm von der Abwasserreinigungsanlage an die Stelle gelenkt wird, an der er benötigt wird.

Wenn alles nach Plan verläuft, werden die ersten Kubikmeter Klärschlamm schon im Spätsommer auf die Schilfbeete gepumpt. Bei Vollbetrieb kann die mit Grundstück und Vorplanung etwa 2,1 Millionen Euro kostende Anlage dann pro Jahr etwa 16 000 Kubikmeter Klärschlamm aufnehmen, naturnah entwässern und mineralisieren. Dabei werden hunderte Tonnen Kohlendioxid eingespart.

Abwasserbetrieb-Geschäftsführer Herbert Höttl, Bebras Bürgermeister Uwe Hassl und Ronshausens Bürgermeister Markus Becker bewerteten die Errichtung der geruchsemissionsfreien und umweltverträglichen Anlage als innovativen Schritt in Richtung Zukunft. Dabei stellte Hassl geradezu euphorisch heraus, dass die neu entstehende Erde mit lebensnotwendigem Phosphor angereichert werde, und dass die denkbare Errichtung einer Phosphor-Rückgewinnungsanlage („In der Mitte Deutschlands fehlt noch eine!“) ein weiteres profitables Investment sein könnte.

Eine flexible und sichere Anlage

In der vom Abwasserbetrieb Bebra in den nächsten Jahren gemeinsam mit dem Entwickler und Generalunternehmer Erbauer der Anlage, dem Neu-Eichenberger Unternehmer EKO-PLANT GmbH, betriebenen Klärschlammvererdungsanlage sickert in vier Beeten Schlammwasser durch eine Filter- und Wurzelschicht. Dabei verbleibt der Schlamm oberhalb der Wurzelschicht. Das Schilf belüftet den Schlamm. Das geschicht dergestalt, dass Mikroorganismen in Symbiose mit den Pflanzen leben und dem Klärschlamm gemeinsam mit den Pflanzen „an die Substanz gehen". Im Hochsommer wächst das Schilf pro Tag bis zu einem Zentimeter. Darüber hinaus sorgt die Sonne über die Blätter der Pflanzen für zusätzliche Verdunstungsleistung. Durch die Kombination von technischen und biologischen Prozessen wird aus einer zunächst großen Menge Klärschlamm am Ende der Verarbeitungskette ein vergleichsweise kleiner Haufen Klärschlammerde. 

Nach Überzeugung des Generalunternehmens bietet die Klärschlammvererdungstechnik mit sehr niedrigen Betriebskosten und geringen Betriebskosten und geringen Verwertungsmengen Flexibilität und Sicherheit für den Betreiber. Die erste Räumung der Anlage ist für das Jahr 2027 vorgesehen. 

Auch interessant

Mehr zum Thema

Bebra
Kommentare zu diesem Artikel