Wochenendporträt

Den Kaffee niemals schwarz: Anne Schmauch aus Breitenbach ist Hessische Milchkönigin

Anne Schmauch aus dem Bebraer Ortsteil Breitenbach ist die neue Hessische Milchkönigin.
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Anne Schmauch aus dem Bebraer Ortsteil Breitenbach ist die neue Hessische Milchkönigin.

Von klein auf ist die Landwirtschaft ihre große Leidenschaft. Es gibt für sie nichts Schöneres als die Arbeit mit den gutmütigen Milchproduzentinnen.

Breitenbach – Wen wundert es da, dass Anne Schmauch aus dem Bebraer Stadtteil Breitenbach mit gerade mal 21 Jahren zur 12. Hessischen Milchkönigin gekrönt worden ist? Sinnigerweise auf der Rodenberg-Alm, hoch oben über Rotenburg, im Beisein der Vorsitzenden der Landesvereinigung Milch und des Kreisbauernverbands, Karsten Schmal und Jörg Schäfer, ihrer Vorgängerin Laura I. und ihrer Familie. Coronabedingt durfte Bruder Toni ihr die Krone aufsetzen und damit „das majestätische Tüpfelchen auf dem I“ verleihen.

Als sie ihrer Vorgängerin Laura I. für zwei Jahre Arbeit und Unterstützung dankte, wurde es ihr schwer ums Herz.

Das hatte am 6. März 1999 zu schlagen begonnen, als die Breitenbacherin als erstes von zwei Kindern von Maik und Simone Schmauch das Licht der Welt erblickte. Im Dorf an der Fulda besuchte sie die Schule im Baumgarten, in der Biberstadt die Brüder-Grimm-Gesamtschule. Ihre Lieblingsfächer waren Sport und Biologie. Mit dem Realschulabschluss in der Tasche, absolvierte sie dann eine Landwirtschaftslehre: ein Jahr bei Familie Siebald auf dem Rettenhof im Sontraer Stadtteil Hübenthal, ein Jahr auf dem Beerenhof Feußner in Wanfried und ein Jahr am Landwirtschaftszentrum Eichhof in Bad Hersfeld.

Hier war sie im Kuhstall tätig, um die über 100 Kühe und die Nachzucht bestmöglich zu versorgen. Angefangen beim Melken und Misten bis hin zum Messen des für die Tiergesundheit wichtigen Ketose-Werts. „Ich mochte Kühe schon immer“, sagt Anne, „aber auf dem Eichhof, wo ich bald jeden Tag etwas Neues gelernt habe und wo mir die Arbeit mit meiner Ausbilderin Annika Kempf großen Spaß gemacht hat, hat sich das noch gesteigert.“ Lachend fügt sie hinzu: „Sie hat mich immer mal als ihr ‘kleines Kuhmädchen’ bezeichnet, aber wir haben ein gutes Verhältnis gehabt, und deshalb habe ich gleich nach Abschluss der Lehre noch ein Eichhof-Jahr drangehängt.“

Milchkönigin Anne Schmauch mit ihrem Krönchen.

Zurzeit besucht die blondgelockte Sympathieträgerin für zwei Jahre die landwirtschaftliche Technikerschule in Fritzlar. Wenn sie alle Prüfungen besteht, darf sie einen Betrieb leiten und selbst ausbilden. Weil sie aber auch immer mitten im Geschehen sein will, melkt und versorgt sie nach der Schule noch die Kühe von Alexander Wetzel in Königswald. Das sind ohne Nachzucht schlappe 200 Tiere, die sie alle auseinanderhalten kann. Glaubhaft versichert sie: „Ich erkenne sie am Euter, denn ich sehe sie in dem Doppel-18er-Side-by-Side-Melkstand, in dem sie Seite an Seite stehen, ja meistens nur von unten.“

Wetzels sind froh, dass Anne Schmauch gut eingearbeitet ist und ruhig und besonnen mit den Tieren umgeht. „Man darf nicht hektisch werden. Kühe registrieren, wie man an ihr Euter rangeht, wie man vormelkt, wie man die Zitzen reinigt und wie man das Melkzeug anlegt“, weiß die 21-Jährige. Zweieinhalb Stunden dauert ein Melkdurchgang, und mitunter melkt Anna sogar noch am Wochenende. Da bleibt für ihre beiden Pferde, für ihren Freund, der sie unterstützt, und für Urlaub nicht allzu viel Zeit. Zumal sie manchmal auch noch ihrem Opa Karl, der in Solz Landwirtschaft betreibt, hilft. Dessen Frau vor allem, die leider schon verstorbene Oma Irene, hat sie zur Landwirtschaft hingeführt: „Über meine Wahl zur Milchkönigin hätte sie sich sicher sehr gefreut.“

Als Vertreterin der Milchwirtschaft will Anne I. das Image der Milch verbessern helfen. „Wir sind keine Tierquäler, bei uns geht es den Kühen gut“, betont sie immer wieder. Was man ihr gerne glaubt, wenn sie erzählt, dass morgens – wie in alten Zeiten – zuallererst gemolken und dann erst Kaffee getrunken wird. Den verfeinert die Milch-Genießerin Anna am liebsten mit frisch gemolkener Milch, was ein bisschen auch zu ihrem Lebensmotto passt: „Man lebt nur einmal, und manche Gelegenheit kommt nur einmal. Man sollte sich deshalb immer einen Ruck geben und die Gelegenheit nutzen. Dann weiß man später auch, ob man es richtig gemacht hat.“ (Wilfried Apel)

Info: Wer die 12. Hessische Milchkönigin Anne I zu einer Veranstaltung einladen möchte, kann das tun über die Landesvereinigung Milch, Lochmühlenweg 3, 61381 Friedrichsdorf, Telefon 06172/7106291.

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