Wetter und Käferbefall sorgen für teils hohe Verluste

Landwirte erwarten Einbußen bei Rapsernte

Hersfeld-Rotenburg. Die Landwirte im Kreis erwarten in diesem Jahr eine außergewöhnlich schlechte Rapsernte. Grund dafür sind starke Temperaturschwankungen in der Wachstumsphase und starker Käferbefall.

Schon im vergangenen Herbst habe die anhaltende Nässe die Aussaat verzögert und die Entwicklung der Pflanzen gebremst, erklärt Philipp Pfister von der Arbeitsgemeinschaft Land- und Wasserwirtschaft im Landkreis Hersfeld-Rotenburg (AGLW). Nach anhaltender Kälte und Wechselfrost habe der starke Temperaturanstieg im Frühjahr den Pflanzen zugesetzt. Dieser Wetterstress habe vielerorts zur physiologischen Knospenwelke geführt, berichten Anke Roß und Thilo Frankfurth, Geschäftsführerin und Mitarbeiter des Kreisbauernverbandes. Statt zu blühen, vertrockneten die Knospen und fielen ab. Dadurch hätten die Rapspflanzen kaum Schoten ausgebildet.

Rapsstängelrüssler

Verstärkt werde das Problem durch Schädlinge, verdeutlicht Pflanzenbauberater Carl-Heinrich Claus vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen. Während der ersten warmen Phase im März seien die Pflanzen vom Rapsstängelrüssler befallen worden. Zu diesem Zeitpunkt seien die Flächen noch nicht befahrbar gewesen, um Pflanzenschutzmittel auszubringen. In der zweiten Wärmephase hätten dann Rapsglanzkäfer die Blütenknospen zerstört.

Diese Faktoren hätten den Rapspflanzen regional unterschiedlich stark zugesetzt, verdeutlicht Claus: Das Spektrum reiche von „annähernd normal entwickelten Beständen“ bis hin zu Totalausfällen. Teilweise hätten die Landwirte die Rapsfelder im Frühjahr umgepflügt und stattdessen Mais ausgesät. Allerdings wäre der Umbruch nicht in jedem Fall ökonomisch sinnvoll gewesen, sagt Philipp Pfister. Alternativ hätten manche Landwirte den Pflegeaufwand nach dem Minimalprinzip auf das Nötigste heruntergefahren. 

Hintergrund

Raps ist eine Pflanzenart aus der Familie der Kreuzblütengewächse. Die Rapspflanze war schon den Römern bekannt. Ursprünglich stammt Raps aus dem östlichen Mittelmeerraum. Mit einer Fläche von rund 61.000 Hektar spielt der Winterraps in Hessen eine bedeutende Rolle im Ackerbau. Nicht nur Speiseöl und Biokraftstoffe, sondern auch Futter für Rinder und Schweine wird aus den Körnern hergestellt. So können aus einem Hektar Raps (10.000 Quadratmeter) etwa 3300 Flaschen Rapsöl, das Futter für drei Milchkühe sowie 80 Gläser Rapshonig gewonnen werden. Auf etwa 3050 Hektar wird im Landkreis Hersfeld-Rotenburg Raps angebaut. Die gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche im Landkreis ist rund 39 000 Hektar groß. Der Hek-tarertrag liegt bei etwa 3,5 bis 4 Tonnen Raps.

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