K+S schließt Atommüll in Untertagedeponie aus

Endlagersuche auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg: Bundesweit 90 Gebiete geeignet

Dürfte noch bundesweit für viele Debatten sorgen: Die Suche nach einem Endlager für radioaktiven Abfall. In einer ersten Phase hat die Bundesgesellschaft für Endlagerung 90 Teilbereiche bestimmt, die zumindest theoretisch für einen Standort infrage kommen. Eines dieser Teilgebiete liegt auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg.
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Dürfte noch bundesweit für viele Debatten sorgen: Die Suche nach einem Endlager für radioaktiven Abfall. In einer ersten Phase hat die Bundesgesellschaft für Endlagerung 90 Teilbereiche bestimmt, die zumindest theoretisch für einen Standort infrage kommen. Eines dieser Teilgebiete liegt auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg.

90 Regionen bundesweit kommen potenziell für ein Atommüll-Endlager infrage - darunter auch Teile des Kreises Hersfeld-Rotenburg.

Wird im Kreis Hersfeld-Rotenburg künftig Atommüll gelagert? Zumindest gehört die Region weiterhin zu einem von bundesweit 90 Teilgebieten, die günstige geologische Voraussetzungen für die sichere Endlagerung hochradioaktiver Abfälle erwarten lassen. So steht es im „Zwischenbericht Teilgebiete“ der Bundesgesellschaft für Endlagersuche (BGE).

Der 444 Seiten starke Bericht ist laut BGE „der erste Meilenstein auf dem Weg zu einem Endlager für hochradioaktive Abfälle in Deutschland“. Ziel sei es, einen Standort für die unterirdische Lagerung hochradioaktiver Abfälle zu finden, der für eine Million Jahre die bestmögliche Sicherheit bieten soll. „Ein Teilgebiet ist noch lange kein Endlagerstandort“, betonte BGE-Geschäftsführer Steffen Kanitz, der den Bericht vor einem Jahr vorgestellt hatte.

Nun hat eine Fachkonferenz den Bericht diskutiert. Das Teilgebiet, das auch Bereiche von insgesamt zwölf Gemeinden und Städten im Landkreis umfasst, ist weiterhin potenziell geeignet. Insgesamt ist das Areal 1172 Quadratkilometer groß und erstreckt sich über weitere Teile in Hessen, Thüringen und Bayern.

An Aktualität gewonnen hat der Zwischenbericht, weil kürzlich die Stadt Bad Hersfeld von einer Einladung zu einem Beratungstermin der Fachkonferenz vom Bundesamt für Sicherheit der nuklearen Entsorgung überrascht wurde, an der Johannes van Horrick, Leiter des Fachbereichs Technische Verwaltung, teilgenommen hat. „Wir werden das Thema aufmerksam verfolgen“, sagte er anschließend im Umweltausschuss der Kreisstadt.

In dem Ausschuss stand schnell die Frage im Raum, ob für ein solches Endlager nicht aus praktischen Gründen bevorzugt vorhandene Bergwerke genutzt würden. Mit der Untertage-Deponie Herfa-Neurode betreibt K+S in Heringen zudem bereits eine Giftmülldeponie. Die Einlagerung von radioaktivem Material schloss K+S-Sprecher Marcus Janz auf Nachfrage jedoch kategorisch aus.

Auch im Kreistag ist die Endlagersuche Thema. Die Freien Wähler haben eine allgemeine Anfrage auf die Tagesordnung setzen lassen. Im Landratsamt will man sich dazu vorerst nicht äußern. Landrat Torsten Warnecke (SPD) hat aber angekündigt, im Parlament Stellung beziehen zu wollen.

Der Kreistag trifft sich am Montag ab 14.30 Uhr in der Bad Hersfelder Waldhessenhalle.

Entscheidung ist für 2031 geplant

Deutschland will bis 2031 einen endgültigen Standort zur Entsorgung seiner hochradioaktiven Abfälle gefunden haben. Gesetzlich vorgesehen ist, dass auch die Bürger an diesem Suchprozess teilhaben. Die BGE bietet deshalb Infoveranstaltungen an, demnächst wieder digital am Dienstag, 12. Oktober, ab 18 Uhr. Die nächste Statuskonferenz zur Endlagersuche des Bundesamtes für Sicherheit der nuklearen Entsorgung steht am 13. und 14. November an. Mehr Infos unter bge.de.

Hersfeld-Rotenburg ist geologisch geeignet

Als geologisch günstig sind im „Zwischenbericht Teilgebiete“ wegen der unterirdischen Steinsalzschichten zwölf Kreiskommunen ausgewiesen: Heringen, Philippsthal, Wildeck, Friedewald, Hohenroda, Schenklengsfeld, Ronshausen, Bebra, Ludwigsau, Bad Hersfeld, Hauneck, Haunetal, Niederaula und Breitenbach am Herzberg.

Der Zwischenbericht ist allerdings auch nur ein Schritt von vielen. Oder wie es Sven Petersen, Sprecher der zuständigen Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) im Gespräch mit unserer Redaktion ausdrückt: „Wir befinden uns jetzt in Schritt zwei der ersten Phase des Standortauswahlverfahrens“. Insgesamt sind drei Phasen geplant. Die Entscheidung über ein Endlager soll 2031 gefällt werden. Sie obliegt dann dem Bundestag und dem Bundesrat.

Diese Bereiche des Kreises Hersfeld-Rotenburg kommen geologisch für ein Atommüll-Endlager infrage.

In den vergangenen Wochen hat die „Fachkonferenz Teilgebiete“ stattgefunden. Sie war das erste gesetzlich verankerte Format zur Bürgerbeteiligung. Verantwortlich für die Fachkonferenz mit insgesamt drei Terminen war eine Geschäftsstelle des für die Bürgerbeteiligung zuständigen Bundesamtes für Sicherheit der nuklearen Entsorgung in Berlin. Die Konferenz, die im August endete und nun ausgewertet wird, war laut BGE-Sprecher Petersen für alle Bürger und alle Kommunen „zugangsoffen“. Auf Basis der 90 Teilgebiete und unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Konferenz, bei der laut Petersen über den Zwischenbericht „umfassend diskutiert“ worden sei, gehe es Schritt für Schritt weiter. „Wir untersuchen nun alle 90 Teilgebiete genauer, auch das, das teilweise im Landkreis Hersfeld-Rotenburg liegt“, so Petersen. Einen konkreten Zeitplan will die BGE voraussichtlich im Sommer 2022 vorlegen.

Reste eines riesigen Meeres 

Warum liegt im Landkreis unter der Erde eigentlich so viel Salz? Die Salzschichten bildeten sich vor 250 Millionen Jahren. Damals waren große Teile Mitteleuropas von einem riesigen Meer bedeckt. Das Werra-Fulda-Becken lag im Randbereich dieses „Zechsteinmeeres“. Da damals heiß-trockenes Klima herrschte, trocknete das Meer aus. So lagerte sich das im Wasser enthaltene Steinsalz durch Verdunstung über sehr viele Jahre in Schichten ab. Im Laufe der Erdgeschichte wurde das Salz von anderen Ablagerungen überdeckt, weshalb es jetzt in der Tiefe liegt. Übrigens: Im Bereich des K+S-Schachts Hattorf ist die Salzschicht rund 300 Meter dick.

K+S: Kein radioaktiver Müll in der Untertage-Deponie

Dass Teile des Kreises Hersfeld-Rotenburg überhaupt für ein Endlager hochradioaktiver Stoffe infrage kommen, liegt an der Beschaffenheit des Untergrunds.

Denn dort, in 400 bis 1000 Meter Tiefe, befinden sich flache Salzschichten – „Steinsalz in stratiformer Lagerung“ –, die die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) neben Tongestein, Granit und Salzstöcken als besonders günstig für die Endlagerung von Atommüll einschätzt. Insgesamt orientiert sich die BGE an elf geologischen Kriterien. Bewertet werden unter anderem die gebirgsmechanischen Eigenschaften und wie sich Grundwasserbewegungen auf radioaktive Stoffe auswirken könnten. Acht der Kriterien wurden für das Teilgebiet im Werra-Fulda-Becken als „günstig“ eingestuft, zwei mit „bedingt günstig“, ein Kriterium als „weniger günstig“.

Das allein sei aber noch nicht entscheidend, sondern lediglich eine Kategorisierung, die als Grundlage für die weitere Untersuchung diene, sagt Marcus Janz, Sprecher des Kali- und Salzkonzerns K+S, der die Suche nach einem Endlager genau verfolgt. Das Teilgebiet grenzt schließlich an die K+S-Werke Werra und Neuhof-Ellers.

Ebenfalls seien auch Ausschlusskriterien von Bedeutung wie „Einflüsse aus gegenwärtiger oder früherer bergbaulicher Tätigkeit“, so der Konzernsprecher.

Es geht also auch um Fragen, wie stark das Gebirge durch den Bergbau geschädigt ist und ob sich daraus negative Einflüsse auf den Spannungszustand und die Durchlässigkeit des Gebirges ergeben.

Janz weist darauf hin, dass vorhandene Bohrungen die Barrieren eines Endlagers, die den sicheren Einschluss gewährleisten, nicht beeinträchtigen dürften: „Dieser Aspekt trifft auf große Bereiche der Salzlagerstätte im hessisch-thüringischen Kalirevier zu.“

Kommt für ein Atommüll-Endlager laut K+S nicht infrage: Die Untertage-Deponie Herfa-Neurode, hier ein Archivfoto.

Vor allem die vorhandenen Grubenbereiche seien „nicht mit den technischen Anforderungen an ein Endlager zu vereinbaren“. Deshalb schließt er eine Nutzung der Untertage-Deponie Herfa-Neurode für die Lagerung von strahlenden Abfallstoffen aus. „Schon jetzt ist es eine fundamentale Regel der Deponie, keinerlei radioaktives Material einzulagern“, so der K+S-Sprecher. (Sebastian Schaffner/Nadine Meier-Maaz).

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