Serie: Alte Schätzchen

Heiße Kisten in der Heise-Allee: Familie hat Käfer Cabriolet restauriert

In unserer Serie stellen wir talentierte Schrauber aus dem Landkreis und ihre Oldtimer vor. Heute: Rolf Heise aus Rotenburg mit seinem Käfer Cabriolet aus dem Jahr 1979.

Sie sind ein Schrauber-Team: Martin, Michael und Rolf Heise mit ihrem Mexiko-Käfer Cabrio vor den den heiligen Schrauberhallen in der Heise-Allee. Im Hintergrund ist Familienkäfer Hotte (Baujahr 1971) zu sehen. Das Cabrio hat noch keinen Spitznamen, er heißt bei den Heises schlicht „Der Braune“.

Rotenburg – Wer ein auf Hochglanz poliertes Museumsstück sucht, ist bei Rolf Heise an der falschen Adresse. Der Rotenburger hat ein Herz für alte Volkswagen – sein erstes Auto war ein vereinfachtes Modell des VW 1200, im Volksmund auch „Sparkäfer“ genannt. Aber wenn der 54-Jährige und seine Schrauber-Söhne ein Auto fit machen, dann wird es auch gefahren. Das war beim knallroten Käfer 1302 mit dem Spitznamen „Hotte“ so, der seit 21 Jahren zur Familie gehört und nahezu täglich auf Rotenburgs Straßen zu sehen ist. Und das wird auch beim neuesten Schätzchen im Heise-Fuhrpark so sein: ein Mexiko-Käfer Cabriolet.

Als 1978 die letzten Käfer im VW-Werk Emden vom Band laufen, ist das für eingefleischten Fans das Ende für das Kultauto. Doch die Produktion geht unter anderem im mexikanischen Puebla noch bis 2003 weiter. Der spitzzüngige Titel für die Volkswagen aus Übersee: Kaktus-Käfer. Heises Cabrio – Baujahr 1979 – war nicht immer ein Cabrio. Irgendwann in den 80ern sei das Dach des Käfers 1200 einfach abgesägt worden, sagt der Rotenburger. „Es gab damals Anbieter für sogenannte Umbausets, da wurde wirklich die Flex angesetzt.“ Der Käfer wurde zu einem Hoffmann Speedster. Die Folge: Die Türen sind im Vergleich zum ursprünglichen Modell etwas abgeschnitten, auch die typischen Ausstellfenster fallen weg. Die Frontscheibe ist „gechoppt“, wie der Fachmann sagt, fällt also flacher aus als normal. Was mal ein Viersitzer war, ist nun ein Zweisitzer. „Für Puristen wäre das nichts“, sagt Rolf Heise. Für ihn ist es ein Spaßauto.

Schrauber-Serie: Rotenburger Familie macht Käfer Cabrio von 1979 wieder fit

Rolf Heise aus Rotenburg und seine Söhne restaurieren ein Käfer 1200 Cabrio mit dem Baujahr 1979.  Wir stellen die Schrauber in unserer Serie „Alte Schätzchen“ vor.
Rolf Heise aus Rotenburg und seine Söhne restaurieren ein Käfer 1200 Cabrio mit dem Baujahr 1979.  Wir stellen die Schrauber in unserer Serie „Alte Schätzchen“ vor.
Rolf Heise aus Rotenburg und seine Söhne restaurieren ein Käfer 1200 Cabrio mit dem Baujahr 1979.  Wir stellen die Schrauber in unserer Serie „Alte Schätzchen“ vor.
Rolf Heise aus Rotenburg und seine Söhne restaurieren ein Käfer 1200 Cabrio mit dem Baujahr 1979.  Wir stellen die Schrauber in unserer Serie „Alte Schätzchen“ vor.
Schrauber-Serie: Rotenburger Familie macht Käfer Cabrio von 1979 wieder fit

„Nicht ich habe den Käfer, sondern der Käfer hat mich gefunden“, erklärt der 54-Jährige. Oder vielmehr: dessen Rotenburger Besitzerin. Im Sommer 2019 tauchte unter Hottes Scheibenwischer in der Heis’schen Einfahrt plötzlich ein Zettel auf: „Ich habe auch einen Käfer, rufen Sie doch mal an.“ Heises Interesse war geweckt, er nimmt Kontakt auf – und ist ernüchtert. „Der erste Eindruck war: Das wird viel Arbeit“, sagt der 54-Jährige. Die Verkäuferin hat den Volkswagen aus Ludwigsburg geholt, es war das Auto ihres Vaters, zuletzt fuhr es der Neffe. Heise schaut sich das Auto in Bebra an, es steht seit eineinhalb Jahren auf dem Hof einer Autowerkstatt – ohne Dach, im Regen. Im Innenraum stehen Wasser und Laub.

„Ich habe erst mal nicht direkt Interesse bekundet“, sagt Heise und zuckt mit den Achseln: „Ich hatte schließlich schon einen Käfer.“ Ende 2019 meldet sich die Rotenburgerin erneut, sie will das Auto nicht länger verkommen sehen. Rolf Heise zahlt 300 Euro und nimmt sein neuestes Projekt mit nach Hause. Zunächst ohne Fahrzeugpapiere, die aber später beim Neffen doch noch auftauchen. „Ich habe gepokert und gewonnen“, sagt der Schrauber mit einem Grinsen.

Die „Trophäe“ teil er bereitwillig mit seinen Söhnen Michael und Martin, im Hause Heise ist Schrauben Familiensache: Gemeinsam wurde nicht nur Hotte fit gemacht, sondern unter anderem auch ein Golf 1 Cabrio komplett umgebaut. Wenn die Schrauber nicht weiterwissen, hilft das Internet. „Ich mache das nie allein“, sagt der 54-Jährige. Praktisch, dass die gesamte Familie in der Nachbarschaft wohnt, was dazu geführt hat, dass die Rotenburger Goethestraße auch als „Heise-Allee“ bekannt ist. Selbst die Briefträger wissen offenbar Bescheid: Ein Nachbar schickte aus Spaß einmal eine Postkarte an die Heise-Allee – sie kam an.

Im Januar startet das Cabrio-Projekt, es gibt viel zu tun. Mehrere hundert Stunden fließen in der Schrauberhalle der Heises mit eigener Hebebühne in den Kaktus-Käfer ohne Dach. Der hat in den vergangenen Jahren stark gelitten, vieles ist durchgerostet, das Dachgestänge und die dazugehörige Plane sind kaputt. Auch die Pedale müssen komplett ausgetauscht werden. Zudem bekommt er ein neues Heck aus Plastik. Insgesamt investiert Heise rund 1500 Euro. Was die Schrauber aber nicht im Stich lässt: der Vierzylinder-Boxermotor. „Mit ein bisschen Öl und einem neuen Zündkontakt ist er bei den ersten Versuchen angesprungen“, sagt Rolf Heise. Im Juni ist der Käfer fertig und verstärkt die H-Kennzeichen-Flotte in der Heise-Allee. Seitdem ist Hotte nicht mehr der einzige Käfer, der durch Rotenburg knattert.

  • Geschwindigkeit (km/h): 115
  • Hubraum (ccm): 1200
  • 0 - 100 (km/h): rund 1 Minute
  • KW/PS: 25/34
  • Verbrauch (l/100 km): ~13
  • Leergewicht (kg): 720
  • Baujahr: 1979
  • Originalpreis: 8145 DM

Von Clemens Herwig

Rubriklistenbild: © Clemens Herwig

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