600 Zuschauer begeistert

Rock-Poet Heinz Rudolf Kunze im Lokschuppen Bebra: Wortgewaltig und persönlich

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Umjubelt: Das Publikum feierte Kunze und erklatschte sich „Finden Sie Mabel“. 

Lieder, literarische Texte - beides durchaus auch mit Gesellschaftskritik - das bot der Sänger und Schriftsteller Heinz Rudolf Kunze am Samstag in Bebra.

Volles Haus. Das sagt schon einiges. Voller Einsatz von Heinz Rudolf Kunze. Das sagt noch mehr. Volle Begeisterung von rund 600 Besuchern, nicht nur an der Oberfläche, sondern aus dem vom Protagonisten immer wieder angesprochenen, tiefsten Inneren heraus. Das sagt fast alles über das erste große Konzert-Highlight im Bebraer Lokschuppen.

Heinz Rudolf Kunze – wie der Name schon sagt. Ein Drei-Stunden-Ereignis, in dem fast alles von Kunze drinsteckt. Das ganz Persönliche, das der 63-jährige Rock-Poet, der sich auf ganz besondere Art und Weise neu erfunden hat und womöglich so gut singt wie noch nie, seinem Publikum mitgeben, singen und sagen will. 

„Entspannen Sie sich, wir werden nicht landen, wir fliegen einfach immer weiter, wir bleiben so, wie wir sind: Es wird der Abend vor dem Morgen danach.“

Über ein geteiltes Land, in denen es den Meisten gut geht

Charakteristisch für Kunzes Fliegen ist, dass sich Botschaft an Botschaft reiht. Dass er fortlaufend Situationen analysiert, fortlaufend unterstreicht, was er angekündigt hat: „Die Feder ist ein mächtiges Schwert.“ 

So spricht er vom geteilten Land, in dem es den meisten gut geht, gefühlt jedoch schlecht, und angelehnt an Stalin davon, dass die Nazis kommen und gehen, dass das deutsche Volk und der deutsche Staat jedoch bestehen bleiben. Verblüffend seine Erkenntnis: „Umgekehrt wird ein Schuh draus.“

Weniger verblüffend die wortgewaltigen Erinnerungen an Zeiten, als sich Mädchen noch nicht das Leben nehmen mussten, wenn sie mehr als ein Salatblatt aßen, und als es wichtigere Probleme gab als das, wie sich Heidi Klum die Achselhaare rasiert. 

Heinz Rudolf Kunzes Lieder sind seine Kinder

„Facebook befiehl, wir followen dir? Das kann es nicht sein!“ „Leg nicht auf, hör mir zu“, seine Botschaft, aufs Feinste zelebriert, beklatscht, mit zustimmenden Pfiffen bedacht.

Man merkt, dass seine Lieder seine Kinder sind, dass „Finderlohn“ eines seiner Lieblingslieder ist, und dass das sehr gefühlvoll vorgetragene „So wie du bist“ wohl eines werden wird. Dann geht es um die Wahrheit in der Politik und das kleine Teufelchen, das den mit einem SUV Fahrenden und den mit einem Fernflieger Verreisenden ins Ohr flüstert: „Man könnte doch mal AfD wählen.“ Was zur Folge hat, dass die an den Malediven Liegenden braun werden.

Umjubelt: Das Publikum feierte Kunze und erklatschte sich „Finden Sie Mabel“. 

Heinz Rudolf Kunze singt nicht nur hingebungsvoll zu einer seiner Gitarren, nein, der schonungslos pointierende Querdenker lässt sich natürlich auch auf das „kafkaeske Dilemma“ mit seinem Mundharmonikagestell ein, mit dem er den Ohrwurm „Aller Herren Länder“ abfeiert.

Großartiger Abend endet mit Jubel, Beifall und Zugaben 

Nach der Pause sitzt und singt er am Klavier: „Schäme dich nicht deiner Tränen“, „Schorsch genannt die Schere“ und „Die ganz normalen Menschen“, mit denen er den Müllmännern, Schwestern, Taxifahrern und Lehrern, begeistert beklatscht, ein fast schon hymnisches Denkmal setzt.

Dem gegenüber merkt man ihm an, dass er seine Probleme hat mit dem auf Doppelspitzen getrimmten Deutschland, aber auch mit dem Frauentag („Frauen sind auch nur Menschen, Gott sei Dank!“), dass er seine eigenen Wege geht. 

Sehr persönlich wird er, als er von sich als Vertriebenem erzählt, und natürlich wird er gefeiert, als er zum vorläufigen Schluss „Dein ist mein ganzes Herz“, den Kunze-Ohrwurm schlechthin, in den Lokschuppen „dampft“. Jubel, stehender Beifall, Zugaben, darunter „Finden Sie Mabel“ und „Bestandsaufnahme“, fast schon ein Vermächtnis eines großartigen Abends.

Quelle: HNA

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