Faltenfrei von Rotenburg bis Melsungen

Heinebacherin nimmt seit 41 Jahren die Wäsche in die Mangel

Hier arbeiten 41 Jahre Erfahrung: Karin Wagner nimmt eine Bettdecke in die Mangel. Der Wassersprüher vorn links wird benötigt, falls doch eine Falte „ausgebügelt“ werden muss.

Heinebach. Ob Tischdecken aus Rotenburg oder Bettbezüge aus Melsungen: Als eine von wenigen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg hat Karin Wagner eine große Wäschemangel im Keller.

Ein- bis zweimal die Woche geht es den Falten in der Wäsche an den Kragen: Nicht für den großen Reibach – dafür gibt es nicht mehr genug Kunden. „Ich mache das einfach gern und so lange ich kann“, sagt die 68-Jährige.

Karin Wagner blickt auf 41 Jahre Erfahrung zurück. Die Eltern eröffneten 1959 ihre Mangelstube in Heinebach, damals noch mit einer Maschine, die mit Holz und Kohle betrieben wurde. „Die musste ständig nachgeheizt werden, wenn jemand seine Wäsche abgegeben hat“, erinnert sich Wagner. Die Hochzeit der Mangelstuben war Anfang der 1960er-Jahre, als der Fremdenverkehr angekurbelt, als viele Ferienhäuser und -zimmer vermietet wurde und damit der Bedarf an faltenfreier Wäsche hoch war. In Heinebach wurde eine neue Maschine angeschafft, gemangelt wurde jetzt mit Strom. „Ich weiß noch, wie die Leute mit Schubkarren und Bollerwagen voller Wäsche zu uns kamen“, erinnert sich Karin Wagner.

Diese Zeit ist längst vorbei. In den 70ern seien viele Dorfgemeinschaftshäuser mit einer Mangel ausgestattet worden, sagt Wagner. Der Kundenstamm wurde umkämpfter. 1976 übernahm sie die Stube von ihren Eltern. Der Todesstoß für viele Mangelstuben sollte erst noch kommen: die bügelfreie Wäsche. Sie ist der Grund, warum viele Konkurrenten längst zugemacht haben – doch Karin Wagner ist immer noch da.

Die Kunden werden nicht mehr und sie werden mit ihr älter, sagt die 68-Jährige. Aber es gibt sie noch, die Menschen mit alter Leinenbettwäsche, verziert mit aufwendigen Stickereien. „Sie mögen einfach das Gefühl, die faltenlose Wäsche in den Schrank zu legen oder auf das Bett aufzuziehen“, sagt Wagner.

Und sie schätzt vor allem die Gespräche, die beim gemeinsamen Mangeln ganz automatisch in Gang kommen würden. Wagners Stammkunden sind nicht nur Frauen: Auch viele Männer bringen ihre Wäsche vorbei.

Das Entscheidende beim Mangeln sei, dass die Maschine richtig mit der Wäsche „gefüttert“ werde. Sonst presst die Mangel mit enormen Druck und bei einer Hitze von bis zu 220 Grad die Falten regelrecht in den Stoff. „Am schwierigsten sind runde und ovale Decken“, so Wagner. Klar habe sie sich in den 41 Jahren an der Mangel einige Kniffe angeeignet, sagt sie mit einem verschmitzten Grinsen – nur verrät sie die nicht.

Hilfe bekommt die 68-Jährige heute häufig von ihrer Tochter und Enkeltochter. Sie hofft darauf, dass eine der beiden die Familientradition des Mangelns fortführen wird.

Info: Gemangelt wird mittwochs von 9 bis 11.30 Uhr und 13 bis 18 Uhr, Am Minnstück 6 in Heinebach. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Der Preis hängt von der benötigten Zeit ab – und damit von der Wäschemenge und der Hilfe der Kunden beim Mangeln und Zusammenlegen.

Wer einfach nur verknitterte Wäsche abgeben und faltenfreie Wäsche am Mittwoch abholen möchte, kann das am Montag tun.

Kontakt: Tel. 0 56 64/65 43

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