15 Jahre gewartet

Heimlich die Kerne gepflanzt: Lispenhäuser hat eine neue Apfelsorte gezogen

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Das Lispenhäuser Apfelkörbchen: Mario Nöding präsentiert den ersten veredelten Baum des Fuldataler Landapfels, dessen Ursprungsbaum er aus Apfelkernen gezogen hatte. Das neue Bäumchen soll am Sonntag um 14 Uhr beim Frühlingsmarkt auf dem Festplatz gepflanzt werden.

Lispenhausen. Mario Nöding ist heimatverbunden. Der 39-jährige Lispenhäuser hatte überall im Dorf Apfelkerne verteilt, 15 Jahre gewartet - und erntet nun eine neue Apfelsorte.

Mario Nöding beschäftigt sich von Kindheit an mit Tier- und Pflanzenzucht. Der 39-Jährige hat jetzt einen Coup gelandet und die Apfelsorte „Lispenhäuser Apfelkörbchen“, den Fuldataler Landapfel, gezogen.

Beim ersten Frühjahrsmarkt in Lispenhausen, der am kommenden Wochenende stattfinden wird, soll das von der Baumschule Wenk veredelte Bäumchen gepflanzt werden.

Die Idee, sich um eine lokale Apfelsorte zu bemühen, ist aus einer Fülle von Überlegungen entstanden. „Wir leben hier auf einem schönen Flecken Erde“, sagt Mario Nöding und bedauert, dass gerade junge Leute oft den Landstrich verlassen. 

Ihnen und allen, die hier leben, wollte er praktisch ein Symbol widmen für Heimatverbundenheit.

Ein Treffen unterm Apfelbaum - auch mit dem Smartphone in der Hand

Der Apfelbaum steht für ihn auch für die Verbindung des Beständigen und der Moderne, die vielen Menschen Angst macht. 

Nöding hat schon als Kind Hoimar von Ditfurths Buch „So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen – es ist soweit“ gelesen. Diese pessimistische und noch immer aktuelle Studie von 1985, die sich mit dem von Menschen verursachten Weltuntergang befasst, war ebenfalls ein Stein des Anstoßes für ihn, den Apfelbaum zu wählen.

„Er wächst schnell genug, dass sich Menschen noch darunter treffen können – meinetwegen auch mit dem Smartphone in der Hand“, sagt Nöding.

Er pflanzte Apfelkerne an geschützten Stellen und wartete 15 Jahre

Ein bisschen unorthodox ist er vorgegangen: Er hat Apfelkerne überall dort in der Dorfgemarkung verstreut, wo er einen Schutz für ein heranwachsendes Bäumchen vermutete. Also an Feldrändern, oder zwischen Steinen. 

15 Jahre ist das etwa her. Mario Nöding hat die Pflänzchen, die zu Bäumen wurden, beobachtet, aber mit niemandem darüber gesprochen.

So sind einige Bäume herangewachsen. Die meisten waren das, was man Holzapfel nennt. Klein, sauer, holzig eben. Aber aus einem ist ein richtig üppiger Baum geworden, der reichlich dicke, saftige Früchte trägt, die auch noch gut zu lagern sind – der Stamm für das Lispenhäuser Apfelkörbchen. 

Sein Edelreis wurde auf das Unterholz eines Glosters gesetzt. Das erste daraus entstanden Stämmchen wird nun gepflanzt, 20 weitere sollen zunächst folgen.

Vermarktung ja, aber nicht im großen Stil

Das Lispenhäuser Apfelkörbchen soll für alle Apfelfans zu ernten sein. Jetzt sucht Mario Nöding eine Fläche für den Anbau. Vermarktet werden soll der Apfel auch über die Stadtentwicklungsgesellschaft MER – aber nicht im großen Stil. 

Es ist eben ein Heimat-Früchtchen.

Und deshalb geht er auch nicht den offiziellen Weg der Sortenüberprüfung und des Markeneintrags. „Viel zu teuer“, sagt der Selfmade-Apfelzüchter. 

Wer den Apfel isst und wer ihn im eigenen Garten anpflanzen will, soll sich nur ein bisschen in Nostalgie und Geschmack der Heimat wiegen.

Der Lispenhäuser Frühjahrsmarkt

Der erste Lispenhäuser Frühjahrsmarkt findet am Samstag, 2., und Sonntag, 3. Juni, jeweils ab 11 Uhr auf dem Festplatz in Lispenhausen statt. Dort wird am Sonntag um 14 Uhr auch der Apfelbaum gepflanzt. 

Die Initiative zum Frühjahrsmarkt ging vom Kulturring Lispenhausen aus, dessen Vorsitzender Mario Nöding ist. Veranstalter sind die Jungen Hirsche und der Geflügelverein Ornis, dessen zweiter Vorsitzender Nöding ist. 

Angeboten wird Kulinarisches wie Kräuter, Öle, Honig, Alte Wurscht, Wein, Süßwaren und natürlich Bratwürstchen. Es gibt aber auch Handarbeiten, Livemusik und Angebote für Kinder. 

Am Samstag singen ab 18.30 Uhr die Mixed Melodies, ab 19.15 Uhr gibt es einen Tanzabend mit Patrick und Jochen. Am Sonntag gibt es ab 14 Uhr Kaffee und Kuchen und ab 15 Uhr Livemusik mit Trombastik.

Von Silke Schäfer-Marg

Quelle: HNA

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