Fünf Generationen - die Schreinerei Schlein hat kein Problem, Nachfolger zu finden

Mit dem Hammer klobben

Fürs Foto arbeiten sie alle zusammen an einem Rahmen: von links der neue Chef, Schreinermeister Torsten Schlein, sein Vater Schreinermeister Otto Schlein, Jörg Krause, der seit 30 Jahren dem Betrieb treu ist, Dietmar Gaschütz, seit 27 Jahren in der Schreinerei, und Wilhelm Spomer, seit zwölf Jahren im Team in Heinebach. Im Büro helfen auch die Frauen mit - Renate und Stefanie Schlein. Fotos: Dupont

Heinebach. „Mit dem Hammer klobben - das ist immer das Wichtigste“, Schreinermeister Otto Schlein beschreibt mit diesem Satz im schönsten Heinebacher Platt nicht etwa seine eigene Arbeit. Der Heinebacher erzählt mit Stolz in der Stimme von seinen Enkelkindern Felix (3) und Julien (2). Die düsen mit dem Bulldog durch die Werkstatt, transportieren Holz hin und her, schwingen den Hammer und haben einen Heidenspaß dabei. Auch Opa Otto strahlt, wenn er sie werkeln sieht. Doch im Hinterkopf spukt bei ihm schon ein anderer Gedanke: Hier fährt - mit einem bisschen Glück - schon die sechste Generation Schlein durch die Werkstatt, die später vielleicht einmal die Schreinerei weiterführt.

Verstecken gespielt

Doch so weit ist es noch lange nicht. Jetzt steht erstmal der Wechsel von der vierten zur fünften Generation an. Ab Montag hat Sohn Torsten das Sagen im Betrieb.

Die Angst vieler Betriebsbesitzer, keinen Nachfolger zu finden und schon gar keinen in der eigenen Familie, diese Angst kennt die Familie Schlein nicht. Auch Torsten Schlein hat schon als Bub mit seinen Spielkameraden zwischen den aufgeschichteten Holzbrettern Verstecken gespielt. „Ich hab’ ihm schon damals immer wieder erzählt, wie schön es ist, Schreiner zu sein“, berichtet Otto Schlein. „Man muss das nur richtig verkaufen. Dann findet sich der Nachwuchs.“

Bereits bei der Lehre seines Sohnes hat der Chef Nägel mit Köpfen gemacht. „Er hat mich schon damals gefragt, ob ich später mal den Betrieb übernehmen will“, erzählt der 35-jährige Torsten Schlein. Und er hat Ja gesagt.

Rau und herzlich

Bis kurz vor seinem Tod hat auch Opa Heinrich Schlein noch in der Werkstatt mitgearbeitet. Mehrere Generationen in einem Betrieb - geht das immer so reibungslos? Familie Schlein muss lachen. „Da fallen schon mal deutliche Worte“, sagt der Mann, der noch für wenige Stunden der Chef ist. „Aber bei uns ist keiner nachtragend. Der Ton ist rau und herzlich. Und es geht immer um die Sache. Gegeneinander arbeiten, das geht nicht.“ Ab Montag nun wird Torsten die Aufträge an die Mitarbeiter verteilen und das Vermessen und Notieren der Aufträge übernehmen. „Dann geht er voran“, sagt sein Vater. Ans Aufhören denkt Otto Schlein aber noch lange nicht. „Solange ich gesundheitlich kann, mache ich weiter.“

Beruhigt das Zepter abgeben

Mit der Auftragslage sind die Handwerker zufrieden. Sie haben ihren Betrieb, zu dem auch Bestattungen gehören, immer wieder neuen Marktlagen angepasst. In der Zeit, in der Otto Schlein der Chef war, wurde der Betrieb dreimal durch Anbauten erweitert. Eine viel größere Rolle als früher spielt heute die Beratung der Kunden – weil die Auswahl an Produkten größer ist.

Jetzt kann der 65-jährige Otto Schlein beruhigt das Zepter abgeben. Und er ist heilfroh, dass der Betrieb in Familienhänden bleibt: „Es gibt nichts Schlimmeres, als seinen Bettel an einen Fremden geben zu müssen.“ Und seine Frau ergänzt: „Ja, das wäre für Otto bitter gewesen.“

Von René Dupont

Quelle: HNA

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