Kommunalpolitiker legt Amt nieder

Günther Hobert war und ist Ibscher mit Leib und Seele

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Hat in seinem Heimatort 1979 gebaut: An dieser Haustür hat es über viele Jahre immer wieder geklingelt und Günther Hobert war als Ortsvorsteher gefragt. Eine Beglaubigung hier, eine Beschwerde über zu viel Laub der Nachbarn dort. Selbst eine in die Jahre gekommene Bücherei befindet sich noch hier. Foto: Schankweiler-Ziermann

Günther Hobert tritt nach über 25 Jahre im Amt am Dienstag als Ortsvorsteher des Bebraer Stadtteils Iba zurück.

Iba. „Hobi, jetzt mach’ mal Schluss“, hatte seine Frau Waltraud schon nach der dritten Amtszeit gesagt. Nun ist Günther Hoberts sechste Amtszeit zur Hälfte herum, und er hört noch immer: „Schade, dass du aufhörst.“ Trotzdem tritt er am Dienstag nach über 25 Jahren als Ortsvorsteher zurück und macht Platz für Jüngere.

25 Jahre sind genug, sagt Hobert, der auch schon 36 Jahre im Außendienst bei der Bahnpolizei hinter sich hat. Er sei nicht amtsmüde, gehe nicht im Groll oder Zorn, aber ganz bewusst, möchte nicht als graue Eminenz zu Felde ziehen. Nach der nächsten Wahl wäre er ohnehin nicht mehr angetreten.

In den „Ruhestand“ verabschiedet sich Hobert allerdings nicht. Nachdem in diesen Tagen seine Frau ihr Berufsleben beim Kreisbauernverband beendet hatte, sind die beiden erst mal 80 Kilometer von Iba mit dem E-Bike bis nach Eschwege und zurück gefahren. Ein Wochentag ist sowieso schon lange Oma-Tag bei den drei Enkeln in Rotenburg, der nächste ist Opa-Tag. Dann wird auch gekocht: Bei Günther Hobert gab es zuletzt Duckfett mit Gurkensalat.

Von Dorferneuerung bis Etat

Zu Hause war er als Ortsvorsteher oft gefragt und gefordert. Zu Beginn seiner Amtszeit galt es, die Dorferneuerung zu organisieren, unzählige Geburtstage besuchte er in den 25 Jahren – zuletzt den 85. von Heinrich Krapf. Er kümmerte sich um den Gemeindearbeiter, um Anträge von Personalausweisen, Führungszeugnissen oder Feuererlaubnisse, führte Terminabsprachen der acht Ibaer Vereine ein, organisierte den Tag der Heimatpflege ebenso wie das Bürgernetz (Internet). „Bis zum Hundehaufen ist der Ortsvorsteher überall zuständig“, sagt Hobert. Der Ortsbeirat, dessen Vorsitzender er als Ortsvorsteher ist, meldet einmal im Jahr den Bedarf Ibas für den Haushalt der Stadt Bebra an. Wenn der Etat dann beraten und beschlossen wird, ist Hobert wieder dabei und bleibt das auch weiterhin als Mitglied der CDU-Fraktion der Stadtverordnetenversammlung. Ihr gehört er seit 23 Jahren an, drei davon als Vorsitzender. Statt ganz vorne sitzt er zwar heute auf der hinteren Bank, was aber nicht heißt, dass er sich nicht einmischen würde.

Die Pensionierung liegt für Hobert schon sechs Jahre zurück. 36 Jahre war er im Schichtdienst als Polizist – seinem Traumberuf – unterwegs gewesen, zuletzt bei der Bundespolizei mit dem Sprengstoffspürhund King. Der war bei Hoberts Pensionierung erst fünf Jahre alt, hatte ihn stets begleitet und zu Hause bei der Familie gelebt. Dennoch musste er ihn abgeben. Noch einmal nahm er danach einen Pflegehund der Polizei auf, denn die Tiere dürfen nicht in private Hände gegeben werden. Doch dann stellte sich heraus, dass der jüngste Enkel allergisch reagierte. Für Hobert war es keine Frage: Er trennte sich von dem Tier.

Gerne erinnert er sich zurück, etwa an den Einsatz beim G-8-Gipfel in Heiligendamm im Jahr 2007, wo er die Gelegenheit hatte, Merkel, Bush und Co. ganz aus der Nähe zu erleben. Bis in die Nächte und weiter an frühen Morgen war er damals mit King im Einsatz, um immer wieder die Räumlichkeiten des Hotels nach Sprengstoff zu durchsuchen.

Nun freut er sich zusammen mit seiner Frau auf ein Stück mehr Freiheit, auf Wanderungen und Radtouren in der näheren und weiteren Umgebung. Sport, vor allem Fußball, ist bis heute seine Leidenschaft, die er auf die beiden Töchter übertragen hat. Auch wenn er selbst es heute etwas ruhiger angehen lassen muss.

Zur Person

Günther Hobert (65) ist in Iba geboren. Er besuchte dort auch die Volksschule, ging danach zur Realschule nach Bebra und lernte auf Wunsch der Eltern zunächst bei der damaligen VR Bank in Iba. Mit 18 Jahren gründeten er und sein Cousin die SG Iba, weil die Ibschen Fußballer damals in Solz nicht zum Zuge kamen. Nach der Bundeswehr in Rotenburg ging Hobert zur Bahnpolizei, nach der Grenzöffnung wurde er Bundespolizist in Kassel und war bei Spezialeinsätzen mit seinem Sprengstoffhund in Fulda eingesetzt. Er war Schießausbilder und unterrichtete Sport – 36 Jahre war er insgesamt im Außendienst. Mit 59 Jahren ging Hobert aus gesundheitlichen Gründen in Pension. Ganz aktuell ist nun auch Waltraud Hobert in Rente gegangen. Die beiden haben zwei Töchter und vier Enkel, mit denen sie viel Zeit verbringen.

Quelle: HNA

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