Kinder trauern anders

Gruppe "Fußspuren" hilft Kindern nach dem Verlust eines nahestehenden Menschen

Alle Gefühle sind erlaubt: Die Trauergruppe Fußspuren des ökumenischen Hospizvereins Bad Hersfeld mit (von links) Bettina Preuß, Felicitas Susanne Lamm und Sigrun Ladner-Hohmann kümmert sich um Kinder, die einen nahestehenden Menschen verloren haben.

Bad Hersfeld. Wenn ein geliebter Mensch stirbt, ist das für die Hinterbliebenen immer eine schwierige Situation. Das gilt umso mehr für Kinder, deren Trauer oft ganz anders ist, als die der Erwachsenen.

Der Ökumenische Hospizverein Bad Hersfeld bietet seit einem Jahr die Trauergruppe Fußspuren für Kinder an.

„Kinder brauchen Ansprechpartner, wenn sie einen Verlust hatten“, erklärt Felicitas Susanne Lamm, die gemeinsam mit Bettina Preuß und Sigrun Ladner-Hohmann die Trauergruppe betreut. Hilfreich sei es, zusätzlich zur Familie auch Menschen außerhalb zu haben, die selbst nicht von dem Trauerfall betroffen seien. Denn Kinder wollten oft nicht Mutter oder Vater mit ihrer eigenen Trauer belasten.

In der Gruppe können Themen wie Sterben, Tod, Abschied nehmen und Trauer offen angesprochen werden. Es wird aber auch gespielt, gebastelt und gelacht. So haben die Kinder zum Beispiel ein Plakat angefertigt, auf dem sie ihre farbigen Fußspuren hinterlassen haben und beschlossen, auch ihre Gruppe so zu nennen.

Sie haben auch Seelenvögel gemalt und gebastelt. Die sind mit bunten kleinen Kästchen beklebt, in die die Kinder Zettel gelegt haben, die ihre Gefühle beschreiben und die bei Bedarf ergänzt werden. „In der Gruppe sind alle Gefühle erlaubt“, betont Sigrun Ladner-Hohmann, nicht nur Trauer, sondern auch Wut oder Verzweiflung. Freude und Spaß haben ebenfalls ihren Platz.

„Kinder trauern anders“, wissen die drei ausgebildeten Hospizhelferinnen und Trauerbegleiterinnen. Sie seien sprunghafter und könnten von Phasen der Traurigkeit auch direkt zu fröhlichem Spiel übergehen. Aber auch Reaktionen wie Launenhaftigkeit, Rückzug, Appetitlosigkeit, Aggression oder Schlafstörungen kämen bei Kindern vor, die einen nahestehenden Menschen verloren hätten. „Teilweise merkt man den Kindern ihre Trauer nicht an“, erklärt Bettina Preuß. Erwachsene seien dann irritiert.

In der Trauergruppe dürfen Kinder so sein, wie sie wollen, sie dürfen über ihre Gefühle reden, müssen das aber nicht. Allein die gemeinsamen Rituale in der Gruppe, das Singen und Geschichten hören, Malen oder Schreiben und die Gemeinschaft helfe den Kindern.

Derzeit besuchen drei Kinder in der Altersgruppe acht bis 10 Jahre die Trauergruppe Fußspuren, die sich an jedem letzten Mittwoch im Monat im Vereinshaus am Kirchplatz in Bad Hersfeld trifft. Weitere Teilnehmer sind willkommen oder, wie es eines der Kinder geschrieben hat: „Die Trauergruppe Fußspuren braucht Mitarbeiter. Wir finden es schade, dass wir so wenige sind. Wir würden uns freuen, wenn der ein oder ander zu uns kommen würde.“

Ansprechpartnerinnen sind Bettina Preuß, Telefon 0160/7606489 oder Felicitas Susanne Lamm, Telefon 0151/68178436.

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