Folgen des Bergbaus intensiv durchsucht

Grundwasser in Richelsdorf stark mit Zink belastet

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Die Vorarbeiten sind erledigt: Wenn der Sanierungsplan der Gemeinde steht, kann auch der belastete Boden vom Minigolfplatz und dem angrenzenden Spielplatz in Richelsdorf oben auf der Zinkhalde hinter dem ehemaligen Gelände der Richelsdorfer Hütte abgelagert werden. Dafür wurden Bäume gefällt und ein Eidechsen-Schutzzaun um die Freifläche errichtet. Die Tiere, die dort leben, können das Gelände über kleine Brücken verlassen, aber nicht wieder zurück.

Richelsdorf. Richelsdorf kämpft mit den Altlasten aus dem Bergbau der Richelsdorfer Hütte, der vor über 50 Jahren eingestellt wurde.

Eine großflächige Untersuchung des Grundwassers im Tal zwischen dem ehemaligen Betriebsgelände und dem etwa 600 Meter entfernt liegenden westlichen Ortsrand des Dorfes hat problematische, aber auch gute Nachrichten gebracht.

Das berichtet Zrinko Rezic von der Hessischen Industriemüll GmbH, die im Auftrag des Landes für die Sanierung zuständig ist. Ein Ergebnis der Untersuchungen: Das Schwermetall Zink findet sich flächendeckend in diesem Bereich im Grundwasser – in mittelschweren und hohen Konzentrationen. Die gute Nachricht ist, dass die Belastung mit Zink im Grundwasser der Brachfläche nur bis zum neuen Sportplatz reicht – also bis zum westlichen Dorfrand, und nicht bis ins Dorf hinein.

Das Schwermetall wurde bei starkem Regen von der Oberfläche der riesigen „Zinkhalde“ hinter dem Betriebsgelände als feine Partikel weggespült und wird durch Einsickern von Niederschlägen aus der Halde ausgewaschen.

Bei Arsen sieht es anders aus. Mit diesem Schwermetall ist vor allem das Betriebsgelände selbst belastet. Ansonsten zieht sich die Arsen-Belastung als schmales Band am nördlichen Talrand entlang der Weihe – bis in den Ort hinein. Die Experten gehen deshalb davon aus, dass das Arsen über den Bach Weihe und Bodenauffüllungen von Bürgern transportiert wurde und nicht über das Grundwasser.

Das Arsen stammt aus der Erzverhüttung, das Zink aus der Weißpigment-Produktion, erläuterte Dr. Roland Reh, der Geschäftsführer des Ingenieurbüros Geonik. Die Experten hatten an 50 Stellen Sondierungsbohrungen vorgenommen und so Grundwasser- und Bodenproben gewonnen. Die Bohrungen gingen bis zu acht Meter tief, einige auch tiefer. 

Herkules kommt aus Richelsdorf

Die Richelsdorfer Hütte blickt auf eine lange Geschichte zurück. 1460 ist sie zum ersten Mal erwähnt. Dort wurde der Reihe nach Kupfer, Nickel, Kobalt und Schwerspat im Untertagebau gewonnen und verarbeitet. Aus Kupfer wurden zum Beispiel Kessel gefertigt. Viel Kupfer ging nach Kassel. Auch der Herkules im Bergpark Wilhelmshöhe ist aus Richelsdorfer Kupfer gegossen. Aus Schwerspat wurden seit 1895 Weißpigmente für die Farbenproduktion hergestellt. Die Produktion wurde 1969 eingestellt. Heute ist dort die Firma Alsecco ansässig, die Bauwerkstoffe herstellt. Sie hat mit den Altlasten-Problemen nichts zu tun.

Fragen und Antworten zum Thema:

Was fangen die Experten mit den Ergebnissen der Grundwasseruntersuchung an? 

Auf sie wartet jetzt jede Menge Arbeit. Sie wissen nun, wie die Schwermetalle Zink und Arsen auf welchen Flächen verteilt sind. Jetzt müssen weitere Untersuchungen Aufschluss darüber geben, ob ihre Arbeitshypothesen, wie es zu dieser Verteilung kam, richtig sind. „Wir müssen Modelle entwickeln und prognostizieren, wie es mit der Grundwasserbelastung weiter geht“, erläutern Zrinko Rezic von der Hessischen Industriemüll GmbH und der Diplom-Geologe Dr. Roland Reh. Geklärt werden muss, ob sich die Belastung des Grundwassers in den kommenden Jahren weiter ausdehnen oder kleiner werden wird, ob zum Beispiel eine weitere Wasseraufbereitungsanlage am Ortsrand des Wildecker Ortsteils gebaut werden muss, oder ob beim Grundwasser alles so bleiben kann, wie es ist – ohne weitere Sanierung.

Wann ist mit den Ergebnissen dieser Analysen zu rechnen? 

Der Aufbau der Bodenschichten in dem betroffenen Bereich ist nicht einheitlich, auch die Fließgeschwindigkeit des Grundwassers und das „Verhalten“ der Schadstoffe ist sehr unterschiedlich – eine komplexe Materie also. Es soll weitere Sondierungsbohrungen und Messstellen geben. Die Auswertung der umfangreichen Daten bedeutet viel Arbeit. Das Gutachten, dass die künftige Gefährdung des Grundwassers abschätzen soll, wird erst 2019 fertig sein, berichtet Reh. Erst danach wird das Regierungspräsidium entscheiden, ob und gegebenenfalls wie saniert werden muss. „Da dürfen keine Fehler passieren. Da geht es auch um viel Geld“, betont der Fachmann Rezic. 

Wie ist der Stand der Dinge bei den Bodenuntersuchungen im Dorf? 

In Kürze geht die Untersuchung der Grundstücke entlang der Weihe im Dorf weiter – bis ans Ende des Ortes. Klar ist bereits, dass alle Grundstücke entlang der Weihe belastet sind, und zwar von einem Meter Tiefe bis fünf Meter Tiefe – vor allem mit Arsen. Die Ergebnisse bei der Untersuchung der Oberfläche der Böden bis zu einem Meter Tiefe sind unterschiedlich. Manche dieser Bereiche sind belastet – durch Überschwemmungen der Weihe oder durch das Auffüllen von belastetem Bodenmaterial. „Andere Grundstücksbesitzer hatten Glück, wenn sie sauberes Bodenmaterial aufgebracht haben“, betont Rezic. Bis Ende dieses Jahres sollen die betroffenen Bürger wissen, ob ihr Grundstück saniert werden muss oder nicht.

Wird es eine weitere Informationsveranstaltung geben? 

Wenn Interesse bei den Richelsdorfern besteht, sind die Experten auch jederzeit bereit, wieder eine Informationsveranstaltung anzubieten.

Was ist mit dem Spielplatz und dem neuen Minigolfplatz? 

Die Gemeinde Wildeck hofft, die Spielplätze 2019 wieder öffnen zu können. Der Minigolfplatz ist neu gebaut und noch gar nicht in Betrieb genommen worden. Die Gemeinde muss jetzt von einem Fachbüro einen Teil-Sanierungsplan erarbeiten lassen. Der Plan muss dann genehmigt werden. Die Industriemüll GmbH hat oben auf der Zinkhalde Bäume fällen lassen. Aus naturschutzrechtlichen Gründen musste das bis Ende Februar passieren. Die Firma Hollstein aus Wildeck führte die Arbeiten kurzfristig aus. Die Firma Renner aus Wildeck baute einen Eidechsen-Schutzzaun – eine Auflage des Regierungspräsidiums. Dort oben auf der Halde soll dann auch noch das belastete Material von den Spielplätzen gelagert werden. Die Halde soll dann später so abgedeckt werden, dass keine Schadstoffe mehr ausgewaschen werden können. 

Quelle: HNA

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