Großprojekt wird teurer

Parlament beschließt: Weitere Million Euro fließt ins Bebraer Inselgebäude

Das Inselgebäude am Bahnhof in Bebra wird ausgebaut.
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Das Inselgebäude am Bahnhof in Bebra wird ausgebaut.

Mit der Entscheidung ist der drohende Baustopp für das Großprojekt zunächst abgewendet.

Bebra – Letztendlich mit großer Mehrheit hat sich das Bebraer Stadtparlament dafür ausgesprochen, die fehlende Million Euro für den Ausbau des Inselgebäudes am Bahnhof bereitzustellen – allerdings nicht ohne vorher gehörig zu streiten.

Besonders viel Kritik an der erneuten Kostensteigerung äußerte die CDU. „Das bereitet meiner Fraktion und mir erhebliche Bauchschmerzen und Kopfzerbrechen“, sagte Michael Gauler – für den das Inselgebäude „eine Herzensangelegenheit“ ist, der aber bereits zu Beginn der Aussprache ankündigte, dass die Christdemokraten nicht geschlossen abstimmen werden. Fraktionschef Thorsten Strippel ließ es sich nicht nehmen, die Kostenentwicklung seit Start des Projekts im Jahr 2016 erneut nachzuzeichnen: Seitdem hat sich der Eigenanteil der Stadt nahezu verdreifacht (siehe Hintergrund). Gauler und Strippel forderten zudem strengere Kostenvorgaben und -kontrollen für künftige Projekte.

Die Mehrheit der Redner sprach sich dafür aus, weiterhin in die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes zu investieren. Die Problembaustelle werde durch einen Baustopp nur teurer, zudem sei Fördergeld in Gefahr, wenn das Projekt nicht bald fertig werde, so der Tenor. „Alles andere als eine vernünftige und hochwertige Fertigstellung des Inselgebäudes wäre vollkommener Nonsens“, sagte Stefanie Koch für die SPD. Die Stadtverordnete betonte zudem, wie weitere Redner, dass kein Einfamilienhaus, sondern ein altes Gebäude saniert werde. Eine in Stein gemeißelte Kostenkalkulation – die CDU hatte den Eigentanteil der Stadt bereits 2018 auf 900.000 Euro deckeln wollen – sei damit unmöglich. Lothar Knoth (SPD) nannte das den „Fluch der ersten Zahl“: Es würden Kosten angesetzt, auf die sich später berufen werde, die aber nicht eingehalten werden könnten.

Scharfe Kritik an den Projektplanern äußerte Martin Windolf (CDU). Sämtliche Informationen rund um die Sanierung des denkmalgeschützten Baus seien so spät gekommen, dass sich das Inselgebäude in einen rollenden Zug verwandelt habe, der nicht mehr zu stoppen gewesen sei. „Also hieß es immer weiter Geld reinpumpen, ohne zu wissen, wohin es geht.“ Die Stadtverwaltung nahm er bei seiner Note „mangelhaft“ für die Umsetzung des Großprojektes am Bahnhof ausdrücklich nicht aus.

Es war die umstrittenste Aussage des Abends. Sowohl SPD (Fraktionschef Gerhard Schneider-Rose: „Ich halte die Unterstellung, die Verwaltung habe uns absichtlich im Dunkeln gelassen, für eine Unverschämtheit“) als auch Gemeinsam für Bebra (Stefan Krug: „Das war einfach unverschämt und gehört nicht in dieses Haus“) kritisierten die Äußerung scharf. „Es ist eine Peinlichkeit, dass wir einen Baustopp überhaupt in Betracht ziehen“, so Krug.

25 Stadtverordnete stimmten dafür, im Haushalt 2021 eine Million Euro bereitzustellen.

Die Stadt kann damit weiter Aufträge für das Inselgebäude vergeben, in dem Wissen, dass die Kosten gedeckt sind. Drei Parlamentarier lehnten das ab, sechs enthielten sich.

Die Entwicklung der Kosten

Bebra hatte das Inselgebäude 2016 für einen symbolischen Euro von der Bahn gekauft. Der erwartete Eigenanteil der Stadt im Mai 2018: rund 900.000 Euro. Im November 2019 erhöhten sich die Projektkosten von 5,7 auf 8,9 Millionen Euro – und damit der Anteil der Stadt auf 2,5 Millionen Euro. Derzeit wird mit Gesamtkosten von 10,3 Millionen Euro gerechnet. 

Von Clemens Herwig

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