Schon jetzt mehr Influenza-Infektionen als 2017

Grippewelle: Wartezimmer im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sind brechend voll

Hersfeld-Rotenburg. Die Grippewelle hat nun auch den Landkreis Hersfeld-Rotenburg erfasst. „Die Wartezimmer sind brechend voll“, bestätigt Peter Artelt, Leiter des Gesundheitsamtes. 

Schon 74 Fälle von „echter Grippe“, sogenannte Influenza-Infektionen, sind beim Gesundheitsamt allein in diesem Jahr gemeldet worden. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2017 waren es nach Angaben von Artelt 66 Grippe-Meldungen. Die Ärzte im Landkreis gehen davon aus, dass der Höhepunkt der Grippewelle erreicht ist. „Die Zahlen dürften in Kürze zurückgehen“, so der Leiter des Gesundheitsamtes.

Besonders betroffen sind offenbar die Kindertagesstätten. Im Rotenburger Stadtteil Lispenhausen waren am Donnerstag 75 von 124 Kindern sowie zwölf von 22 Erzieherinnen krank. „Viele Eltern lassen ihre Kinder vorsorglich zu Hause, damit sie sich nicht anstecken“, sagt Thorsten de Weerd, Fachdienstleiter für den Bereich Kindertagesstätten in Rotenburg. In der Kita Dreikäsehoch in der Kernstadt sind 40 von 90 Kindern sowie eine Erzieherin krank. „Wir können die Betreuung aber weiterhin überall gewährleisten“, betont De Weerd. 

Notdienst am Nachmittag 

Auch die Kinderbetreuung in Bad Hersfeld ist von überdurchschnittlich vielen Krankheitsfällen gezeichnet. „Teilweise müssen wir nachmittags Gruppen zusammenlegen, um zumindest noch eine Notdienstbetreuung sicherstellen zu können“, sagt Horst Gerlich vom Fachbereich Generationen. Eine namentlich nicht genannte Kita im Innenstadtbereich sei besonders schwer betroffen. Fast die Hälfte der Erzieherinnen und des Küchenpersonals sei krank. Komplett geschlossen werden müsste aber keine der insgesamt 13 städtischen Betreuungseinrichtungen. 

Ähnlich sieht es in Wildeck aus. Ursula Apel, Leiterin der evangelischen Kindertagesstätte im Ortsteil Obersuhl, berichtet, dass in der Krippe (bis drei Jahre) derzeit 20 von 24 Kinder krankheitsbedingt fehlen. Von den älteren Kita-Kindern bleibe fast jedes zweite Kind zu Hause, sechs der 21 Erzieherinnen fehlen. „Der Betrieb geht aber ganz normal weiter“, sagt Apel.

Erzieherinnen fehlen

In Heringen macht die Grippewelle vor allem der Verwaltung zu schaffen. Michael Ernst, Büroleiter im Rathaus, spricht von einer prekären Situation. „So einen hohen Krankenstand wie jetzt habe ich 21 Dienstjahren noch nicht erlebt“. Vor allem die insgesamt rund 50 Mitarbeiter im Sozial- und Erziehungsdienst seien betroffen. „Allein 15 Prozent der Erzieherinnen sind krank“, sagt er. Massive Probleme bereiten der Stadt auch die wegen Krankheit fehlenden Raumpfleger. 

Ganz anders in Bebra: In den drei städtischen Kindereinrichtungen der Bieberstadt seien noch keinerlei grippebedingten Krankheitsfälle bekannt, teilt Ulrich Rathmann, Leiter des Fachbereichs Generationen, auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Typischerweise dauert die Grippe-Zeit von Ende Dezember bis Mitte März. Sich jetzt noch gegen Grippe impfen zu lassen, hält Peter Artelt vom Gesundheitsamt nicht für empfehlenswert. „Es dauert schließlich zehn Tage, bis die Impfung wirkt“. Immungeschwächte Menschen, die noch nicht geimpft sind, sollten ihren Hausarzt fragen. Im Gegensatz zur Erkältung, die schleichend kommt, leiden Influenza-Erkrankte an plötzlich auftretenden Kranheitssymptomen wie Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber und Abgeschlagenheit. Übertragen wird das Grippevirus über winzige Speichel-Tröpfchen, also etwa beim Niesen, Husten und Sprechen.

Hier gehts zur Übersicht auf die Grippewelle in der gesamten Region, außerdem geben wir Tipps, wie Sie sich vor der Grippe schützen können.

Quelle: HNA

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