Schlechte Google-Bewertung

Rufmord: Friseur kämpft gegen gefälschte Bewertungen von „Sturm der Liebe“-Charakteren

Auch bei Google: Verbraucherschützer warnen - Online-Bewertungen sind meist Zerrbilder
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Auch bei Google: Verbraucherschützer warnen - Online-Bewertungen sind meist Zerrbilder

Ein Fall von Rufmord? Bei Google hat ein Friseur aus Rotenburg schlechte Bewertungen erhalten. Diese wurde unter den Namen von „Sturm der Liebe“ Charakteren erstellt. 

  • Bewertungen auf Google sind schwer zu löschen  
  • Der Friseur muss zu jeder Google-Bewertung Stellung nehmen. 
  • Friseur-Kunden halten mit guten Bewertungen dagegen  

Rotenburg - Gerade einmal ein paar Stunden war der erste eigene Laden des Friseur-Meisters Basri Sengül geöffnet, da hatten acht Kunden schon geradezu skandalös schlechte Erfahrungen gemacht – so jedenfalls war es bei Google zu lesen. Die Suchmaschine ist die am häufigsten aufgerufene Internetseite der Welt. 

Die Beurteilungen in Reinform, Rechtschreibfehler und Zeichensetzungs-Aussetzer inklusive: „Überteuert“, schrieb Helen Barke, „Der Laden war zu obwohl er eigentlich offen sein sollte“, kritisierte Paul Lindberg, „Nicht professionel“, meinte Joshua Winter und Jenny Löffler setzte dem ganze die Krone auf: „Das ist der Reinste Drecks laden mehr gibt es nicht zu sagen.“ Treuen Zuschauern von Sturm der Liebe fällt da auf: Das sind entweder Schauspieler oder Charaktere der langjährigen ARD-Fernsehserie.

Google: Bewertungen sollen dem Friseur Schaden 

Kurz gesagt: Bei genauem Hinsehen war klar, dass irgendjemand dem 27-Jährigen schaden wollte. Allerdings kann man bei Google nicht nur zu allen gelisteten Geschäften und Unternehmen seine Meinung schreiben, sondern vergibt dabei auch Sterne: Eins ist die niedrigste Bewertung, Fünf die höchste. 

„Was macht zum Beispiel ein Schüler der Landesfinanzschule, der an meinem Laden vorbeiläuft und ihn noch nicht kennt? Er googelt. Da sieht er dann: ein Stern. Das war’s, da bekommt man keine Neukunden“, sagt der Friseur Basri Sengül.

Google-Bewertung: Stammkunden geben dem Friseur Fünf-Sternen um dagegen zu halten 

Er ging in die Offensive und stellte die negativen Bewertungen in die Facebook-Gruppe „Rotenburger Bornschisser“, mit dem Appell: „Am besten, ihr überzeugt euch selbst.“ 

Daraufhin bekam er jede Menge Fünf-Sterne-Bewertungen – die meisten von den Stammkunden, die er aus den 13 Jahren im Friseur-Studio Haarscharf seiner Mutter hat. 

„Dafür will ich Danke sagen, mit so viel Unterstützung hatte ich nicht gerechnet“, sagt der gebürtige Rotenburger, der so bekannt ist, dass er seinen Laden schlicht „Basri“ genannt hat. Mittlerweile hat er, auf Google, 65 Mal fünf Sterne bekommen und einen Durchschnitt von 4,9 – eine der negativen Bewertungen vom ersten Tag ist noch da.

Friseur: Bewertungen auf Google sind schwer zu löschen 

Es ist kompliziert für Geschäftsleute, selbst eindeutig gefälschte Internet-Bewertungen über sich löschen zu lassen. Den Kontakt zu Google nahm Manuel Kling (geborener Heußner, auch bekannt als DJ und Musikproduzent Mano Meter) für den jungen Friseur-Meister auf. Er und Basri kennen sich schon lange, unter anderem von gemeinsamen Musikprojekten. 

„Ich habe das aus alter Verbundenheit zu Basri gemacht, aber auch, um Bescheid zu wissen, falls das mal einem anderen unserer Kunden passiert“, sagt er. Seine Agentur Fachwerk Media hat unter anderem die Internetseite, aber auch Logo, Visitenkarten und Gutscheine des Friseur-Meisters entworfen.

Google fordert zu jeder Bewertung eine Stellungnahme von dem Friseur

Kling musste zu jeder der acht negativen Bewertungen Stellung nehmen und dabei „nach Möglichkeit die entsprechenden Gesetze zitieren“, so will es Google. Kling ist kein Anwalt. 

„Ich musste mich da reinfuchsen, das hat schon einige Stunden in Anspruch genommen.“ Der Marketing-Fachmann nannte Präzedenzfälle und bestritt das Bestehen einer Kundenbeziehung, ging aber auch direkt auf die jeweiligen Kritikpunkte ein. 

Etwa die monierten langen Wartezeiten – unwahrscheinlich, denn der  Friseur vergibt ausschließlich Termine nach Vereinbarung, regelmäßige Öffnungszeiten hat er nicht. Auch die Abrechnung mit dem vermeintlich „unfreundlichen Personal“ zielt daneben: Der 27-Jährige schmeißt seinen Laden alleine. „Da komme also nur ich in Frage“, sagt er fast mit Galgenhumor.

Google: Friseur-Meister Basri Sengül: "Das war Rufmord"

Der Einsatz bei Google hatte Erfolg: Schon am nächsten Tag waren sechs der acht Bewertungen gelöscht. Das ist ungewöhnlich: Insbesondere kleinere Unternehmen haben damit oft Probleme.

Bleibt die Frage: Wer wollte dem Friseur schaden? „Das brennt mir auch unter den Nägeln“, sagt Basri Sengül. „Ich hätte das anzeigen können. Das war Rufmord. Aber meistens werden solche Verfahren eingestellt. Und es bringt mir auch nichts, ständig weiter darüber nachzudenken.“ 

Eines aber muss er noch loswerden: Gegen Anonymität im Internet hat er grundsätzlich nichts einzuwenden – aber seiner Meinung nach sollte jede E-Mail-Adresse einem Personalausweis zugeordnet sein. „Das muss verifiziert sein. Im Moment ist es viel zu einfach, Leuten anonym Schaden zuzufügen.“

Von Christopher Ziermann

Nicht nur Fälschungen, wie im Fall von dem Friseur, sind das Problem. Oft bildet eine Bewertung auf Google oder anderen Online-Plattformen nur die Extreme ab. Im Dschungel der Google Bewertungen hilft nur gesundes Misstrauen. Der Fall von dem Friseur verdeutlicht das nochmals. 

Video: Das ist bei Bewertungen auf Google nicht erlaubt 

Video: Das ist bei Bewertungen auf Google nicht erlaubt 

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