Naturschützer üben heftige Kritik - Landwirte begrüßen Zulassung

Glyphosat-Einsatz ist auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg stark umstritten

Hersfeld-Rotenburg. Für die einen ist Glyphosat Gift auf den Feldern, für die anderen das Allheilmittel gegen Unkraut.

Nachdem Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) trotz des Vetos des Bundesumweltministeriums in Brüssel dafür gestimmt hat, den Einsatz des umstrittene Herbizids in der EU für weitere fünf Jahre zu erlauben, ist die weitere Zulassung auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg heftig umstritten. 

„Der BUND Hersfeld-Rotenburg verurteilt auf das Schärfste den Alleingang von Landwirtschaftsminister Schmidt“, sagt Martina Selzer. Deutschland hätte sich in Brüssel enthalten müssen. Glyphosat, das schon in Muttermilch und Bier nachgewiesen wurde, steht im Verdacht, krebserregend zu sein. „Nicht zu widerlegen ist jedoch der Zusammenhang zwischen dem Pflanzenvernichtungsmittel und dem Artenschwund“, betont Selzer. Glyphosat vernichte großflächig sämtliche Grünpflanzen. „Das reduzierte Nahrungsangebot hat in den vergangenen vier Jahrzehnten, seit Glyphosat auf dem Markt ist, um eine Reduktion der Insektenmasse von etwa 80 Prozent geführt, in der Folge auch zu einem deutlichen Schwund der heimischen Singvogelarten.“

Eine ganz andere Sichtweise haben die Landwirte im Landkreis. „Das ist natürlich ein emotional besetztes Thema“, sagt Anke Ross, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Hersfeld-Rotenburg. „Aber ein Großteil unserer Landwirte ist froh, dass wir diesen Wirkstoff haben“, so Ross. Bestimmten Unkräuter könne man einfach nicht mit mechanischen Arbeitsgängen Herr werden. „Mediziner sind auch froh, dass es Antibiotika gibt.“

Der Kreisbauernverband spricht sich für einen „sachgerechten und verantwortungsvollen“ Umgang mit Glyphosat aus. Grundsätzlich entscheide aber jeder Landwirt selbst, ob er das Unkrautbekämpfungsmittel einsetze.

Unkrautgift Glyphosat nur auf Antrag

Mit Unkraut haben nicht nur Landwirte, sondern auch die Kommunen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg zu kämpfen. Sie dürfen aber das umstrittene Unkrautbekämpfungsmittel Glyphosat nur mit einer Ausnahmegenehmigung des Pflanzenschutzdienstes Gießen verwenden, wie das hessische Umweltministerium auf Anfrage mitteilt. „Derartige Anträge werden bei uns sehr restriktiv behandelt“, heißt es aus Wiesbaden. Dementsprechend gebe es nur „sehr, sehr wenige“ Ausnahmegenehmigungen. 

In der Praxis bleibt den Städten und Gemeinden also meist nichts anderes übrig, als das Unkraut zu jäten oder mit Flammen oder Heißwasser zu vernichten.

Quelle: HNA

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