Loriot wäre dieses Jahr 95 geworden

Doppelt köstlicher Humor: Ellis Saal präsentiert Stücke von Loriot 

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In Aktion: die Lachmöwen, von links Hildegard Thon, Hanne Gerlach, Gabi Reinhardt und Margarethe König. 

Weiterode. Diese Geburtstagsfeier hätte auch den Meister entzückt: Die „Lachmöwen“, eine Sparte vom Kulturverein Ellis Saal, präsentierten Stücke aus Loriots „Dramatischen Werken“.

Bei den knapp fünfstündigen Dinner-Veranstaltungen erinnerte so gut wie alles an den populärsten deutschen Humoristen, der in diesem Jahr 95 Jahre alt geworden wäre: Plakate mit den beliebten Knollennasen-Figuren, die Tisch-Dekoration mit Papierserviette Erwin, Memory-Karten mit Loriot-Motiven oder die Fotos eines nachdenklich-verschmitzten Vicco von Bülow alias Loriot.

Zwischen den drei Gängen „Nudel“ (delikater Auftakt: Spaghettisalat), „Dackel im Schlafrock“ (Hähnchenbrust in Blätterteig mit Blattspinat und Tomatenragout) und „Kosakenzipfel“ brillierte ein engagiertes Ensemble auf der Bühne. Es war eine hingebungsvolle Huldigung an einen Mann, der den angeblich humorlosen Deutschen beibrachte, über sich selbst zu lachen.

Schwieriger Feierabend: Während der Ehemann (Hildegard Thon) einfach nur sitzen will, denkt sich seine Frau (Gabi Reinhardt) allerlei Sachen für ihn aus. Und interpretiert sein Nichtstun falsch.

Absurde Alltagssituationen

Niemandem sonst gelang es, seinen Namen selbst zum Genre zu machen, wenn es bis heute in absurden Alltagssituationen heißt: „Wie bei Loriot“. Wer da nicht detailverliebt genug ist, kann es sich mit wahren Loriot-Experten schnell verscherzen. Mit glänzenden Dialogen, verdichteten Szenen und trockenem Humor haben die Lachmöwen diese Gratwanderung exzellent gemeistert.

Unter der Regie von Hanne Gerlach stellten sich die Akteure einer enormen sprachlichen Herausforderung und begeisterten das Publikum mit taktgenauer Mimik und Körpereinsatz. Etwa dann, wenn die gefallsüchtige Ehefrau wissen möchte, ob ihrem Mann ihr neues Kleid gefällt. „Schatz, ich finde das, was Du anhast, toll, und das andere steht dir gut“, lautete die von lautem Gelächter begleitete vieldeutige Antwort eines genervten Ehemanns.

Das loriotsche Miteinander – eine einzige Kommunikationsstörung inklusive der multiplen Verwendung der zahlreichen „Ach“, „Aha“ oder „Ach was“ – gestalteten die Lachmöwen sehr überzeugend.

Ob es nun das weichgekochte Frühstücksei ist, für das in der Küche 4 ½ Minuten geschuftet werden muss, der Lottogewinner, dessen Tochter mit dem Papst eine Herrenboutique eröffnen wird, oder der Mann, der zum Feierabend einfach nur dasitzen will.

Die Pointen sitzen

Auch das „Feuergeben“ (welch nervöse Verzweiflung einer Raucherin), der Aufbruch kurz vor dem Ausgehen („Solange du dir die Fingernägel lackierst, werde ich doch wohl noch lesen dürfen“) – immer sitzen die Pointen, und auch bekannte Szenen sind frisch wie am ersten Tag. Anhaltenden Applaus gab es für einen köstlichen Theaterspaß.

Susanne Kanngieser

Quelle: HNA

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