Vermehrung vermeiden

Gift in der Kanalisation: In Rotenburg startet der Kampf gegen Ratten

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Hochgiftig: Für sechs Wochen wird in der Rotenburger Kanalisation Rattengift ausgelegt. Unser Foto zeigt einen dieser Giftblöcke, der aus Brodifacoum besteht, einem Mittel, das dafür sorgt, dass die ungeliebten Nager innerlich verbluten.

Rotenburg. Die Stadtwerke Rotenburg legen ab Montag, 6. November, für sechs Wochen Rattengift in der Kanalisation aus.

Ziel sei es, eine „explosionsartige Vermehrung“ der Nagetierpopulation über die Wintermonate zu vermeiden, sagt Thorsten Anacker vom Fachbereich Abwasserentsorgung. „Die Aktion ist eine reine Vorsichtsmaßnahme, es gibt keinen Grund zur Sorge“, betont Anacker. Die Stadtwerke seien dazu verpflichtet, ihr Kanalnetz rattenfrei zu halten. Entsprechende Nachweise müssten sie dem Gesundheitsamt vorlegen. „Wir wollen verhindern, dass sich die Ratten, die an der Fulda leben, in der kalten Jahreszeit in die wärmere Kanalisation zurückziehen“.

Thorsten Anacker

Deshalb haben die Stadtwerke eine Schädlingsbekämpfungsfirma aus Frankfurt damit beauftragt, vom 6. November bis zum 15. Dezember Köder an bis zu 1500 Schächten im Kanalnetz auszulegen. „Aus der Erfahrung der vergangenen Jahre und dank zahlreicher Hinweise über Kot- und Fraßspuren wissen wir, wo wir ködern müssen“.

Die Köder bestehen aus Brodifacoum, einem für Säugetiere, Fische und Menschen hochgiftigen Mittel, das blutgerinnungshemmend wirkt. Die Folge: Tiere verbluten innerlich, nachdem sie die Köder gefressen haben. Anschließend entfernt die Spezialfirma die toten Tiere und entsorgt die Köder. „Wir wollen schließlich nicht, dass bei Einstauungen Giftstoffe ins Wasser gelangen“, sagt Anacker.

Die Stadtwerke weisen darauf hin, dass während der sechs Wochen Hunde an der Leine geführt und Katzen beaufsichtigt werden sollten. Auch Kinder sollten unterrichtet werden.

Da starkes Rattengift seit 2013 nur noch mit einem sogenannten Sachkundenachweis gekauft werden darf, bieten die Stadtwerke Grundstückseigentümern an, sie in die Köder-Aktion der Spezialfirma einzubeziehen. Wer auf seinem Privatgrundstück Probleme mit Ratten hat, kann sich bis Freitag, 3. November, bei den Stadtwerken melden.

Kontakt: Tel. 06623/912320

Kanalisation in Zahlen

  • 2,5 Millionen Kubikmeter Abwasser fließen jährlich zur Kläranlage in Braach, unter anderem auch aus der Gemeinde Alheim. Das entspricht umgerechnet rund 18 Millionen Badewannenfüllungen.
  • 12,4 Millionen Euro beträgt das Gesamtbudget der Rotenburger Stadtwerke laut dem Wirtschaftsplan der Stadt Rotenburg in diesem Jahr für Investitionen und Unterhaltungskosten.
  • 20 Mitarbeiter und zwei Auszubildende sind bei den Stadtwerken beschäftigt. Ein Mitarbeiter kümmert sich speziell um das Kanalnetz.
  • 140 Zentimeter sind die Rohre in der Rotenburger Kanalisation maximal dick.
  • 160 Kilometer lang ist das Kanalnetz der Stadtwerke. Das entspricht der Entfernung von Rotenburg bis Frankfurt.
  • 4000 Schächte gibt es im Rotenburger Kanalnetz.

Quelle: HNA

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