"Arbeitsbedingungen teilweise katastrophal"

Gewerkschaft NGG will höheren Mindestlohn für Gastronomie

Hersfeld-Rotenburg. Die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) drängt auf klare politische Weichenstellungen in Berlin. Andreas Kampmann, Geschäftsführer der NGG Nord-Mittelhessen, prangert teils „katastrophale“ Arbeitsbedingungen in der Gastronomie an – auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg.

Deshalb fordert er einen höheren Mindestlohn und Reformen bei Arbeitszeitmodellen. „13-Stunden-Tage und Dauer-Verfügbarkeit per Smartphone können nicht die Arbeitswelt von morgen sein“, so Kampmann. „Wir erwarten eine Arbeits- und Sozialagenda von der Politik.“ Der gesetzliche Mindestlohn beträgt 8,84 Euro. Zu wenig, findet der Gewerkschafter. „Wir brauchen einen zweistelligen Euro-Betrag als unterste Lohngrenze“. Auch will er ein „verbrieftes Rückkehrrecht auf Vollzeit“, etwa für Eltern, die ihre Arbeitszeit runtergefahren haben.

Viele Teilzeitstellen

Nach Angaben der NGG haben von den rund 47 000 Beschäftigten im Landkreis derzeit 13 200 eine Teilzeitstelle – „trotz Hochkonjunktur“, sagt Kampmann. „All das droht bei den Verhandlungen in Berlin unter den Tisch zu fallen.“

Hanns-Karl Madelung, Kreisvorsitzender der Dehoga in Waldhessen, bezweifelt, dass ein verbrieftes Rückkehrrecht zur Vollzeit in der Praxis umsetzbar sei. „Vor allem kleinere Betriebe dürften da große Probleme kriegen.“ Er sieht zudem keinen dringenden Handlungsbedarf beim Mindestlohn. Zumindest der tarifliche Einstiegslohn liege seit dem ersten September bei 10,43 Euro, betont er. Allerdings zahlen in der Branche nur noch wenige Betriebe tatsächlich nach Tarif.

Aufgaben gigantisch

In einem Punkt sind sich der Gewerkschafter Kampmann und Dehoga-Sprecher Madelung aber einig: Eine neue Regierung muss her. „Die Aufgaben sind einfach zu gigantisch, als dass sich Deutschland eine Hängepartie leisten kann“, sagt Madelung. 

Von Sebastian Schaffner

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