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Gesperrter Wirtschaftsweg nach Thüringen sorgt für Diskussion in Wildeck

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Von: Wilfried Apel

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Von Obersuhl aus ist das letzte Stück des Wirtschaftsweges „Lieges“ seit einigen Wochen gesperrt – von landwirtschaftlichem Verkehr abgesehen.
Von Obersuhl aus ist das letzte Stück des Wirtschaftsweges „Lieges“ seit einigen Wochen gesperrt – von landwirtschaftlichem Verkehr abgesehen. © Bernd Sauer

Ein gesperrter Wirtschaftsweg zwischen dem hessischen Obersuhl und dem thüringischen Dankmarkshausen sorgt in Wildeck für Diskussionen: Für Autofahrer ist an der Grenze Schluss.

Wildeck - Die Gemeinde hat die Verbindung zwischen Obersuhl und Dankmarshausen (Wartburgkreis) auf hessischer Seite im vergangenen Monat gesperrt. Ab der thüringischen Landesgrenze darf dagegen weiter auf dem Weg gefahren werden. Die FWG-Fraktion will die Straße wieder freigeben – für den Radverkehr sofort, für Autofahrer nach „ortsüblichen“ Ausbaumaßnahmen.

Bürgermeister Alexander Wirth kritisierte den Vorstoß bei der jüngsten Parlamentssitzung in Bosserode als aus der Luft gegriffen und warnt davor, Wildeck einen „Bärendienst“ zu erweisen.

Laut Wirth hatte die Gemeinde den Wirtschaftsweg als örtliche Straßenverkehrsbehörde gesperrt, weil sich wiederholt Bürger „Reifen, Stoßdämpfer und Felgen kaputt gefahren haben“ – um sich dann mit Regressansprüchen wegen des schlechten Straßenzustands an die Verwaltung zu wenden. Die habe sich bisher aus Entgegenkommen und dank einer kulanten Versicherung darauf eingelassen – allerdings habe der Tonfall der Forderungen jüngst deutlich gemacht, „dass einige das nicht mehr zu schätzen wussten“.

FWG: Weiterer Umweg bei hohen Spritpreisen

Die Entscheidung zur Sperrung sei grundsätzlich zwar nachvollziehbar, so FWG-Fraktionsvorsitzender Bernd Sauer. Unverständlich werde das Ganze dadurch, dass die auf thüringischer Seite aufwendig hergerichtete West-Ost-Verbindung über 30 Jahre lang befahren worden sei und im Nachbarbundesland auch weiterhin befahren werden darf. Auf hessischer Seite müsse dagegen neben der wegen einer Brückensanierung gesperrte Straße „Am Weinberg“ ein weiterer Umweg in Kauf genommen werden. Angesichts enorm gestiegener Spritpreise sei das alles andere als gut, so Sauer.

Ab der hessisch-thüringischen Grenze darf der Wirtschaftsweg „Lieges“ mit bis zu 50 Stundenkilometern in Richtung Dankmarshausen befahren werden.
Ab der hessisch-thüringischen Grenze darf der Wirtschaftsweg „Lieges“ mit bis zu 50 Stundenkilometern in Richtung Dankmarshausen befahren werden. © Bernd Sauer

Sinnvoller und bürgerfreundlicher erscheint es der FWG, den Verbindungsweg auf hessischer Seite „ortsüblich zu befestigen“, die Höchstgeschwindigkeit auf 50 Stundenkilometer festzulegen und die Nutzung des Weges auf Fahrzeuge mit bis zu dreieinhalb Tonnen Gesamtgewicht zu beschränken. Für Radfahrer soll sofort wieder freie Fahrt gelten.

Es sei Sache der Gemeindevertretung, Geld für den Ausbau von Straßen bereitzustellen und Straßen zu widmen, beantwortete Bürgermeister Wirth die Anfrage der Fraktion. Wenn die FWG asphaltierte Wirtschaftswege sanieren wolle, möge sie dabei berücksichtigen, „dass wir insgesamt 53,8 Kilometer davon haben“. Derartige Sanierungen stünden jedoch in krassem Widerspruch zur Haushaltsrede des FWG-Gemeindevertreters Dr. Kurt Schreiner, der Vorschläge für Kosteneinsparungen angemahnt habe.

Bürgermeister Wirth: Anfrage entpuppt sich möglicherweise als „Bärendienst“

Weiter betonte der Rathauschef: „Der hier diskutierte Wirtschaftsweg war vor und nach der Wende ein nicht gewidmeter Wirtschaftsweg, für dessen Ausbau es für unsere im Westen gelegene Gemeinde – anders als im FWG-Antrag angedeutet – mit ziemlicher Sicherheit keine Aufbau-Ost-Fördermittel gibt.“ Ob anderes Fördergeld beantragt werden kann, hänge davon ab, ob das Teilstück als Gemeindeverbindungsstraße oder als Feldweg genutzt werden soll.

Die von der FWG vorgeschlagenen Ausbaumaßnahmen und Verkehrsbeschränkungen bezeichnete Wirth als aus der Luft gegriffen und nicht mit Fakten belegt. Die FWG habe sich möglicherweise mit der Anfrage und dem Ankurbeln über die sozialen Netzwerke einen „Bärendienst“ erwiesen: „Wenn die Thematik an der richtigen Stelle ankommt, muss der zum Naturschutzgebiet Rhäden führende Weg am Ende zurückgebaut werden.“

Bernd Sauer wies die Kritik zurück: Die FWG habe auf einen Schnellschuss des Bürgermeisters reagieren und das entstandene Problem lösen wollen. „Man hätte im Vorfeld einer solchen Entscheidung auch interfraktionell über Alternativen diskutieren und die Gremien der Stadt Werra-Suhl-Tal miteinbeziehen können. Die Thüringer erfahren von dem Ganzen doch erst dann, wenn sie an der Landesgrenze vor dem Wildecker Sperrschild stehen und verärgert umkehren müssen.“ (Wilfried Apel)

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