Wolff-Günther Gebauer

Das Gesicht der Wasserschützer im Kreis geht in den Ruhestand

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Das Gesicht der AGLW: Wolff-Günther Gebauer geht Ende März in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist Philipp Pfister.

Hersfeld-Rotenburg. Seit 28 Jahren sorgt Wolff-Günther Gebauer für sauberes Grundwasser. Ende März verabschiedet sich der Motor der Wasserschützer im Kreis in den Ruhestand. 

Um den Schutz des Grundwassers in 16 Gemeinden der Kreise Hersfeld-Rotenburg, Werra-Meißner sowie Eiterfeld kümmert sich seit 28 Jahren die Arbeitsgemeinschaft Land- und Wasserwirtschaft (AGLW), nachweislich mit Erfolg. 

Nun geht das Gesicht der AGLW, Wolff-Günther Gebauer, in den Ruhestand.

Er forschte im Südsudan und wirkte in Hersfeld-Rotenburg 

Ohne Wasser, sauberes Wasser, gibt es kein Leben. Das ist im Südsudan genauso wie in Waldhessen. Dort, in der afrikanischen Sahelzone hat Wolff-Günther Gebauer nach seinem Landwirtschaftsstudium drei Jahre gelebt und für seine Doktorarbeit geforscht.

Es ging um die Frage, wie man die spärlichen Niederschläge möglichst effektiv für die Ackerpflanzen verfügbar machen kann.

Ums Wasser ging es auch, als Gebauer zurück in Deutschland war. Hier herrscht zwar kein Mangel, aber das Grundwasser enthält gesundheitsschädliches Nitrat aus der Landwirtschaft. 

Beim damaligen Landwirtschaftsamt in Bebra war Dr. Wolff-Günther Gebauer ab dem 1. April 1988 für ein Pilotprojekt zuständig, das bis heute fortwirkt. 1986 waren die Grenzwerte für Nitrat von 90 auf 50 Milligramm gesenkt worden. Es musste gehandelt werden. 

Über Beratung der Landwirte sollte der Nitratgehalt im Grundwasser gesenkt werden. Es zeigte sich, so berichtet Gebauer, dass die Landwirte der Beratung aufgeschlossen gegenüberstanden und bereit waren, neue Ideen wie etwa eine veränderte Fruchtfolge umzusetzen.

Dr. Jörg Blaschke und Gebauer entschieden sich nach den Erfahrungen im Pilotprojekt gegen den Weg, Landwirte über Verordnungen in ihrem Wirtschaften einzuschränken. 

Stattdessen wollte man mit ihnen zusammenarbeiten, vor Ort ansprechbar sein und Düngeberatung bieten, die flexibel je nach Witterung, Jahreszeit und an die Böden angepasst sein sollte.

Klinkenputzen bei den Bürgermeistern für den Grundwasserschutz

Gebauer ging Klinkenputzen bei den Bürgermeistern, damit der Grundwasserschutz kostengünstig gemeinsam angepackt werden konnte. 

13 Kommunen waren sich schließlich einig: Am 1. Mai 1990 wurde die Arbeitsgemeinschaft Land- und Wasserwirtschaft (AGLW) gegründet. Berater war und ist bis heute Dr. Wolff-Günther Gebauer, der die Arbeit gemeinsam mit Birgit Lindenborn leistet.

Je mehr Ackerbau betrieben wird, umso höher steigen die Nitratwerte im Wasser: Das war das Ergebnis einer Diplomarbeit im AGLW-Bereich. Vor allem Mais und Raps wurden in den 90er Jahren zu stark gedüngt. Sie konnten den vielen Dünger – damals bis über 300 Kilo Stickstoff pro Hektar – gar nicht aufnehmen, sodass ein großer Teil als Nitrat im Wasser landete.

Nach über 25 Jahren AGLW hat sich viel geändert. Zahlreiche Versuche haben bewiesen, dass 40 Kilo Stickstoff ausreichen, ohne dass der Ertrag beim Mais geringer wäre als zuvor – ganz im Gegenteil.

AGLW setzt auf Versuche direkt bei den Landwirten

„Das glaubt man nicht, wenn man es nicht selbst macht“, sagt Philipp Pfister, der ab April der Nachfolger von Gebauer sein wird. Deshalb, so Pfister, seien die Versuche der AGLW direkt bei den Landwirten wichtig.

Um die hervorragenden Werte zu erreichen, setzt die AGLW auch im Winter auf bewachsene Flächen – entweder mit Wintergetreide oder sogenannten Zwischenfrüchten. Diese sorgen für Blütenpracht bis zum ersten Frost – das kann man in Hersfeld-Rotenburg und im südlichen Werra-Meißner-Kreis besonders gut sehen.

Die Zwischenfrüchte verhindern die Bodenerosion und sind in der Lage, die Nährstoffe aus der Gülle im Herbst zu speichern und sie im Frühjahr wieder an Mais oder Raps abzugeben. Deshalb kann heute viel weniger Nitrat in die Brunnen und Quellen gelangen und das Trinkwasser wird immer weniger belastet.

Zur Person: Wolff-Günther Gebauer

Wolff-Günther Gebauer ist 1952 in Reizenstein bei Hof an der Saale geboren und aufgewachsen auf einem Milchviehbetrieb in Ostfriesland.

Er hat eine landwirtschaftliche Lehre auf einem Ökobetrieb im Rheinland absolviert, danach das Abitur nachgeholt und Landwirtschaft in Gießen studiert. Auslandsaufenthalte führten ihn drei Jahre in den Sudan, nach Somalia, Syrien, Jordanien, Marokko und Indien, wo er den Wert sauberen Wassers schätzen lernte. 

Er kam 1988 als landwirtschaftlicher Berater nach Bebra und war 1990 Mitgründer der Arbeitsgemeinschaft Land- und Wasserwirtschaft mit Sitz in Rotenburg, wo er mit seiner Frau lebt. 

Die beiden haben einen erwachsenen Sohn, der ebenfalls Landwirtschaft studiert.

Hintergrund: Das ist die AGLW

Die Arbeitsgemeinschaft Land- und Wasserwirtschaft mit Sitz in Rotenburg besteht aus 16 Kommunen in den Kreisen Hersfeld-Rotenburg, Werra-Meißner sowie aus Eiterfeld, der EnergieNetz Mitte GmbH, dem WBV Ost und dem Kreisbauernverband. 

Ziel ist der gemeinsame Schutz des Trinkwassers. Dazu arbeiten ein Berater sowie eine Fachkraft eng mit 350 Landwirten zusammen, die in 35 Wasserschutzgebieten mehr als 2800 Hektar Ackerland bewirtschaften und die die Empfehlungen auch auf ihren anderen Flächen umsetzen. 

Beratung statt Verbote und Auflagen – so ist die Devise. Zum Erfolg trägt das über Jahre aufgebaute Vertrauensverhältnis und die Kontinuität der Ansprechpartner wesentlich bei.

Quelle: HNA

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