Landtagsawahl am 28. Oktober

Gerhard Schenk: Mann mit vielen Gesichtern

Blick in sein Zuhause: Überall im Haus von Gerhard Schenk hängen die Wände voller Bilder von der Familie und Freunden. Foto: René Dupont

Am 28. Oktober wählt Hessen einen neuen Landtag. Wir stellen die Direktkandidaten des Wahlkreises 10 (Rotenburg) vor. Heute Gerhard Schenk aus Bebra (Alternative für Deutschland).

Gerhard Schenk lässt sich nicht in eine Schublade pressen. Der 64-jährige AfD-Kandidat hat viele Gesichter – privat und politisch.

Bemerkenswert ist sein beruflicher Weg. Bei Konrad Zuse hat er Elektroniker gelernt, wurde dann von Siemens übernommen und holte das Abitur am Obersberg nach. In Berlin studierte er Volkswirtschaft und Jura. Schon in Berlin machte er sich mit einem eigenen Unternehmen selbstständig. „Einen reinen Bürojob hätte ich nicht ertragen“, sagt Schenk. In Bebra vermietet er seit vielen Jahren Transporter. Und mit ihnen zu fahren, ist ein Erlebnis. Technisch sind sie in Ordnung, aber sie haben zum Teil schon viele 100 000 Kilometer auf dem Buckel. „Mancher meint, ein Auto sollte nicht älter sein als vier Jahre. Das ist Blödsinn. Da stecken wichtige Ressourcen drin“, findet der 64-Jährige. Und wenn mal ein Motor Mucken macht, baut er ihn selbst aus und repariert ihn.

Etwas mit den Händen zu erschaffen, ist ihm wichtig. „Noch während meiner Studentenzeit habe ich mir in Bebra mein Haus gebaut“, erzählt Schenk. „Jeden Stein kenne ich persönlich“, sagt er und lacht. Sein bester Bauhelfer war seine Frau Gisela.

Gerhard Schenk war es auch wichtig, dass er und seine Kinder andere Länder kennenlernen, auch die Gegensätze zwischen Arm und Reich. Allein von seinen Bus- und Radtouren mit seinen Söhnen quer durch die USA könnte Schenk stundenlang erzählen.

Berührungsängste gegenüber Menschen aus anderen Ländern kennt die Familie nicht. „Seit über 25 Jahren nehmen wir ganzjährig Au- pairs und Austauschschüler zum Beispiel aus Südafrika und den Philippinen in unserer Familie auf“, berichtet Schenk. Das sei eine wunderbare Bereicherung.

Und da sind wir mittendrin in einem seiner politischen Anliegen, für die er mit missionarischem Eifer kämpft. „Wir sind nicht fremdenfeindlich. Aber wir haben etwas gegen feindliche Fremde“, so bringt Schenk die Position der AfD auf den Punkt. „Wir sprechen Themen an, die die Menschen bewegen: Die Verunsicherung durch die unkontrollierte Massenmigration, den Verlust der inneren Sicherheit, des vertrauten Stadtbildes und der eigenen Identität.“ Schenk spricht von „schleichender Landnahme“.

„Es ist nicht nachvollziehbar, dass man aus den gewalttätigsten, frauenfeindlichsten und intolerantesten Regionen der Welt entgegen jeglicher gesetzlicher Grundlage junge Männer in großer Zahl einwandern lässt und glaubt, dass es keine Probleme geben könnte.“ Deshalb fordere die AfD, die Grenzen für alle unberechtigten Antragsteller zu schließen und kriminelle und illegale Ausländer abzuschieben. Nach Ansicht der AfD plündern sie die deutschen Sozialsysteme, zehren die Ressourcen auf und zerstören das Land. „Damit tritt die AfD an, die Werte des Grundgesetzes zu verteidigen“, betont Schenk. Der politische Extremismus dagegen stelle diese Werte infrage. Wichtige Themen seien auch der Verfall der Rentenansprüche und des Geldwertes.

„Der Feind des Guten ist das Bessere“, sagt Schenk. „Ich suche auch immer nach besseren Alternativen und lasse mich auch gern von anderen eines Besseren belehren.“

Kandidaten kurz und knapp 

1. Die Breitband-Versorgung ist ... Voraussetzung für die wirtschaftliche Entwicklung und Lebensqualität in unserer ländlichen Region. 

2. Die ärztliche Versorgung verbessere ich, indem ... ich die Regeln der Bedarfsplanung weiterentwickele und an die wirklichen Erfordernisse anpasse. 

3. Die Abschaffung der Straßenbaubeiträge ... finanziere ich aus den allgemeinen Steuern, dem Aufkommen des Kraftfahrzeugverkehrs, der KFZ-, Mineralöl-, Öko- und Umsatzsteuer sowie Maut. 

4. Die Polizei im Kreis muss ... in die Lage versetzt werden, mit ausreichendem Personal und moderner Technik ihre gute Arbeit weiter fortzuführen.

5. Unsere Kinder bekommen in der Schule ... hoffentlich genug Wissen und Motivation zum selbstständigen Denken und eigenverantwortlichen Handeln mit auf den Lebensweg. 

6. Die Feuerwehren müssen in der Zukunft ... trotz demografischen Niedergangs in der Lage sein, zu löschen, retten, bergen, helfen.

7. Die Landtagswahl wäre für mich ein Erfolg, wenn … die AfD bei den Bürgern Interesse an den wichtigsten Zukunftsfragen geweckt hat und dafür ihre Stimme bekommt und mit einer möglichst großen Fraktion in den hessischen Landtag einzieht. 

8. Wenn ich mal keine Politik mache, dann … spreche ich mit Freunden, telefoniere mit meinen Töchtern und Söhnen, lese, jogge, fahre Fahrrad und arbeite in meinem Unternehmen. 

9. In meinem Lieblingsrestaurant bestelle ich am liebsten … Pizza. 

10. Als Lesestoff besonders beeindruckt hat mich in letzter Zeit … „Kampf der Kulturen“, von Samuel P. Huntington.

11. Wenn ich für einen Tag Bundeskanzler sein dürfte, würde ich … mich für das Wohl des deutschen Volkes einsetzen und dabei strikt an die Gesetze halten.

12. Diese Marotte würde ich mir am liebsten abgewöhnen: weniger Kaffee trinken. 

13. Mit diesen drei Eigenschaften würden mich meine besten Freunde beschreiben: bürgernah, verlässlich, hilfsbereit.

Zur Person

Gerhard Schenk ist 1954 in Friedlos geboren. Er hat Elektroniker gelernt, Abitur am Obersberg gemacht und Volkswirtschaft und Jura in Berlin studiert und beides mit Examen abgeschlossen. Er betreibt eine Transporter-Vermietung in Bebra. Schenk hat den AfD-Kreisverband Hersfeld-Rotenburg 2013 mit gegründet und ist seitdem Vorsitzender. Er ist auch Mitglied der Kreistagsfraktion und dort Schatzmeister. Der 64-Jährige ist verheiratet, hat fünf Kinder und zwei Enkelkinder. Sport ist ein starkes Bindeglied in seiner Familie. Seine sportlichen Hobbys sind Laufen, Radfahren und Klettern in den Alpen. (dup)

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