Wildeck bleibt beim Nein

Geplanter Windpark: Parlament bemängelt erneut die Unterlagen von Abowind

Gegenwind aus der Gemeindevertretung: Die Pläne der Firma Abowind, in Nentershausen und Wildeck einen Windpark zu bauen, haben im Wildecker Parlament erneut einen Dämpfer erhalten. Die Unterlagen für den Genehmigungsantrag sind nach Ansicht des Parlaments weiterhin unvollständig. Unsere Fotomontage zeigt die geplanten Windräder mit Blick aus Richelsdorf. Fotomontage: Abowind/nh

Wildeck. Nächster Anlauf, nächste Abfuhr: Nachdem die Gemeindevertreter in Wildeck bereits Ende 2017 die Antragsunterlagen für den geplanten Windpark Nentershausen/Wildeck als unzureichend zurückgewiesen haben, hat der Investor, die Firma Abowind AG aus Wiesbaden, den Antrag überarbeitet .

Dieser ist aus Sicht des Wildecker Parlaments allerdings erneut unbefriedigend.

Die Gemeindevertreter haben in ihrer Sitzung am Montagabend in Bosserode dem Genehmigungsantrag deshalb zum wiederholten Male und einstimmig das „gemeindliche Einvernehmen versagt“, wie es bürokratisch korrekt heißt.

„Ein Brandschutzkonzept fehlt gänzlich, das Lärmschutzgutachten ist nicht ausreichend, Veränderungen durch den Sturm Friederike wurden nicht untersucht, zwei Anlagen liegen außerhalb des Windvorranggebietes, die Zuwegung ist nicht klar und am gravierendsten fällt auf, dass der Zusammenhang mit dem Rhäden nicht ausreichend untersucht wurde“, begründete Bürgermeister Alexander Wirth (parteilos) die Kritik am Genehmigungsantrag. Wirth betonte, dass es bei der Abstimmung nicht darum gehe, sich grundsätzlich für oder gegen Windkraft auszusprechen.

Martina Selzer (Grüne) war ebenfalls der Meinung, dass diese Antragsstellung „schlampig und unvollständig ist.“ Gemeinsam mit der Gemeinde Nentershausen lassen sich die Wildecker im Fall des Windparks juristisch von einem Fachanwalt aus Marburg beraten. Dieser hatte beiden Gemeindeparlamenten empfohlen, das Einvernehmen zu versagen.

Nachbarn waren sich nicht einig

Die Gemeindevertreter in Nentershausen sind sich allerdings Ende vergangener Woche überraschenderweise nicht einig gewesen. Die Abstimmung endete mit einer Patt-Situation. Für den gestrigen Dienstagabend war deshalb eine Sondersitzung einberufen worden. Das Ergebnis lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Dass die Nentershäuser CDU geschlossen dafür stimmte, den Abowind-Antrag durchzuwinken, unter anderem weil man nicht zuständig sei, Naturschutz und Schallschutz zu beurteilen, sorgte vor allem bei der SPD in Wildeck für Kopfschütteln. „Dann könnten wir zukünftig alle Entscheidungen von einer übergeordneten Stelle treffen lassen“, sagte SPD-Mann Ricardo Gräf. „Solche Aussagen als Mitglied eines politischen Gremiums zu treffen, halte ich für absolut nicht korrekt, frevelhaft und demotivierend für die jüngere politische Generation“.

Zukunftsmusik: Abowind will in Nentershausen und Wildeck Windräder bauen. Auf unserer Fotomontage sieht man vier Räder mit Blick von der Hohen Süß. Fotomontage: Abowind/nh

Bernd Sauer, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, kritisierte zudem das Regierungspräsidium (RP) als Genehmigungsbehörde, weil sie auf Schreiben des Anwalts nicht geantwortet habe: „Die Ignoranz der Behörde ist schwer nachvollziehbar“.

Ob eine Gemeinde dem Genehmigungsantrag ihr Einverständnis versagt oder nicht, spielt für das RP streng genommen keine Rolle. Es kann sich – wenn alle Unterlagen vollständig sind – über das Urteil der Gemeinde hinwegsetzen. „Wir nehmen die Hinweise aus Wildeck selbstverständlich ernst und werden sie gewichten, sobald sie bei uns eingegangen sind“, sagte RP-Sprecher Harald Merz gestern auf HNA-Anfrage. Ohnehin habe das RP selbst schon erkannt, dass noch Unterlagen für eine Genehmigung fehlen und diese angefordert.

Auch interessant

Mehr zum Thema

WildeckNentershausen
Kommentare zu diesem Artikel