Lichteraktion

Gemeinsam beten in Machtlos: Trost in schweren Zeiten

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Mit Glockengeläut und Lichterschein allabendlich um halb acht mit allen Machtlosern verbunden: Martina, Lias, Christian und Lina Roppel stehen mit Kerzen am Fenster. 

Kerzen und Lichter in den Fenstern, ein gemeinsames Vaterunser zum Glockengeläut - so stärken sich die Einwohner im Ronshäuser Ortsteil Machtlos gegenseitig.

Es ist Abend geworden. Tiefblauer Himmel überwölbt das dolle Dorf. Ellen Vogt sitzt im von wenigen Kerzen erhellten Machtloser Kirchlein in einer der vorderen Bankreihen. Ihr Mann Friedhelm wartet darauf, dass es halb acht wird und dass er die Glocken läuten darf. Zum Gottesdienst darf er nicht mehr einladen, aber zum häuslichen Gebet. Und das hat er mit dem Kirchenvorstand mit Pfarrer Thomas Nickel an der Spitze getan.

Per Rundschreiben haben die Gemeindeverantwortlichen die Gläubigen dazu ermuntert, sich allabendlich ihres Glaubens zu vergewissern, Kerzen und Lichter in die Häuserfenster stellen und das Vaterunser zu beten. „Jeder für sich zu Hause, aber trotzdem ist das dolle Dorf zusammen“, wie es Nickel formuliert hat. „Das soll uns allen helfen, solidarisch und zuversichtlich zu bleiben und auf Gottes gute Wegbegleitung zu vertrauen!“

Ortsvorsteher Udo Berle steht vor seinem Haus und berichtet, dass die Aktion gut ankommt. Natürlich beteiligt auch er sich daran, obwohl er als selbstständiger Maschinenbauer gerade jetzt eher mehr, als weniger zu tun hat. So manche Firma wartet auf Ersatzteillieferungen aus China, und weil die auf sich warten lassen, muss er improvisieren. Für eine mittelständische Firma hat er ein Kupplungsteil gebaut, für einen Landwirt eine Förderschnecke: „Sonst hätte der einen Großteil seiner Tiere nicht mehr richtig füttern können!“

Ganz in der Nähe schließt Ingo Lotz die Tür seines Schafstalls ab. Der Neu-Machtloser muss an die 60 Tiere versorgen, davon etwa ein Drittel Jungtiere. Er wirkt nachdenklich, obwohl er an diesem Abend keine Kerze angezündet hat.

Auf Nachfrage des Reporters erzählt er, dass es eine kurze Nacht für ihn werden wird, denn er muss früh aufstehen und mit seinen Kollegen von Hessenmobil im Ringgau dafür sorgen, dass die Straßen bei hereinbrechendem Frost befahren werden können.

Die Botschaft des guten Hirten vor Augen: Ellen Vogt sitzt in einer der vorderen Bankreihen des Machtloser Kirchleins. Ihr Mann Friedhelm hat das Glockengeläut angestellt, damit alle Machtloser miteinander beten können.

Bei Roppels schaut die ganze Familie aus dem Fenster. Martina und Christian, die beim Dollen-Dorf-Finale alles gegeben haben, damit die Machtloser auf dem obersten Treppchen landen, und Lias und Lina. Gleich vier Kerzen haben Eltern und Kinder angezündet, und man sieht ihnen an diesem unwirklich stillen Abend, an dem kein Machtloser weiß, wie es weitergehen wird, an, dass nicht alles in des Menschen Macht liegt.

Dessen ist sich auch Küster Friedhelm Vogt bewusst, der im Machtloser Kirchlein zusammen mit seiner Frau noch vor dem Vaterunser seine ganz persönlichen Gedanken vor Gott bringt und allen Menschen mit großem Ernst zuruft: „Keine einzige Minute eures Lebens liegt in eurer Hand. Darum: Seid realistisch und vertraut Gott – mitten in der Corona-Krise. Stellt das Morgen Gott anheim und schaut euch an, was Gott euch gibt – Tag für Tag. Das wird euch auch in schweren Zeiten tragen.“

Quelle: HNA

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