Auch Arbeitseinsätze im Heiligen Land

Liebe zu Israel: André Balduf aus Bebra unterstützt Holocaust-Opfer

Spurensuche: Im Tal der Gemeinden in Yad Vashem sind die Namen von über 5000 jüdischen Gemeinden, die im Holocaust zerstört wurden oder nur knapp überlebten, eingraviert. Darunter auch Bebra, Rotenburg und Bad Hersfeld.
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Spurensuche: Im Tal der Gemeinden in Yad Vashem sind die Namen von über 5000 jüdischen Gemeinden, die im Holocaust zerstört wurden oder nur knapp überlebten, eingraviert. Darunter auch Bebra, Rotenburg und Bad Hersfeld.

Die „Sächsischen Israelfreunde“ organisieren Hilfseinsätze von Handwerkern für Holocaust-Überlebende in Israel.

Bebra – Es ist sein tiefer Glaube und seine religiöse Überzeugung, die André Balduf schon mehrere Male zum Arbeitseinsatz nach Israel geführt haben. „Ich bin Christ und glaube an den Gott der Bibel“, bringt der Steinmetz- und Bildhauermeister aus Bebra seine Motivation kurz und prägnant auf den Punkt.

Und es sind auch die Begegnungen und Gespräche mit den Holocaust-Überlebenden, die ihm von ihren Erinnerungen an die Schoah erzählen. Sie berühren den 36-Jährigen emotional, gehen ihm nahe. Die Liebe zu Israel und den Menschen, sie lässt ihn nicht mehr los.

Handwerksmeister Karl Diegel aus Asmushausen, der selbst mehrfach in Israel tätig war, hat für seinen Glaubensbruder und andere in der Evangelischen Gemeinschaft in Bebra den Kontakt zu den „Sächsischen Israelfreunden“ vermittelt.

Der christliche Verein organisiert seit 2004 Hilfseinsätze von Handwerkern in Israel, um Holocaust-Überlebende, die oftmals arm sind und finanziell unter der Armutsgrenze leben, bei Renovierungsarbeiten zu unterstützen.

Zeichen der Versöhnung

Als Zeichen der Versöhnung sehen die „Sächsischen Israelfreunde“ dieses ehrenamtliche Engagement. Daraus sind Freundschaften entstanden, auch bei André Balduf. Er war 2014 zum ersten Mal in Israel, Angst hatte er nie. Auch nicht, als er im Gazastreifen, wo Gefahr zum Alltag der Menschen gehört, beim Aufbau einer Suppenküche beteiligt war.

Zu Beginn der 14-tägigen Einsätze steht immer der Besuch einer Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem. 20 Frauen und Männer sind im Team. Man kennt sich, viele fahren jedes Jahr mit.

Erschüttert von „Schindlers Liste“

Der Mann aus Bebra, der den Film „Schindlers Liste“ schon oft gesehen hat und jedes Mal aufs Neue erschüttert ist, erinnert sich besonders an eine Frau, die unter dem „Todesengel“ Josef Mengele in Auschwitz unfruchtbar gemacht werden sollte. Sie überlebte das Konzentrationslager und bekam später in Israel doch noch den erwünschten Nachwuchs. „Sie sah das als Rache an Adolf Hitler an“, erzählt Balduf. Auschwitz – der Handwerksmeister aus Bebra war auch schon mit den Sächsischen Israelfreunden an dem Ort mit seiner erschütternden Geschichte. Ob in Auschwitz oder in Jerusalem. Überall sucht und findet er Spuren von Bebra.

„In Auschwitz wurden Juden aus Bebra vernichtet“, weiß er. Und im Tal der Gemeinden, in Yad Vashem, steht ein massives Denkmal, das buchstäblich aus dem natürlichen Felsboden ausgehoben wurde. Auf 107 Wänden sind die Namen von über 5000 jüdischen Gemeinden, die im Holocaust zerstört wurden oder nur knapp überlebten, eingraviert. Darunter auch Bebra.

Hoffen auf Hilfseinsatz nach Corona

Im Jahr 2016 kommt es zu einer weiteren zwischenmenschlichen deutsch-israelischen Begegnung in Bebra. Gidon und Nava Süsskind kamen in die Biberstadt, um dem Familienzweig der Großeltern nachzuspüren. Sie besuchten das Haus in der Apothekenstraße, wo die Großeltern, Betty und Samuel Levi, gelebt haben.

Gidons Großeltern wollten ihre Heimat nicht verlassen, glaubten daran, dass alles wieder besser wird. Als sie ihren Fehler erkannten, war es zu spät.

Die Großeltern starben in Deutschland: Samuel Levi an einer Lungenkrankheit, seine Frau Betty 1942 nach der Deportation im Konzentrationslager Lublin-Majdanek in Polen. Viele Jahre später, bei der Stolpersteinverlegung in Bebra, tauschten André Balduf und Gidon Süsskind, der mit seiner Familie jetzt in der Nähe von Tel Aviv lebt, E-Mail-Adressen aus. Es war der Beginn einer besonderen Freundschaft.

Freundschaftsgeste: Für seine bei Tel Aviv lebende Freunde Gidon und Nava Süsskind bearbeitete André Balduf im vergangenen Jahr den Grabstein des Großvaters Samuel Levi auf dem Jüdischen Friedhof in Bad Hersfeld.

Im vergangenen Jahr hat André Balduf für seine Freunde zwei Stunden lang den Grabstein des Großvaters Samuel Levi auf dem Jüdischen Friedhof in Bad Hersfeld gereinigt, vom Moos befreit und die Schrift nachgezogen. „Begegnungen öffnen die Herzen der Menschen“, sagt André Balduf. Sein größter Wunsch wäre, wenn es in Bebra wieder eine Synagoge, eine jüdische Gemeinde geben würde. Denn „das Judentum ist untrennbar mit unserem kulturellen Leben und unseren religiösen Wurzeln verbunden.“ Jetzt hofft er, dass Reisen nach Israel und die Hilfseinsätze der „Sächsischen Israelfreunde“ bald wieder möglich sind. (Susanne Kanngieser)

Informationen Sächsische Israelfreunde: zum-leben.de

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