Zwischen zwei Welten

Gedenkfeier zum Tag der deutschen Einheit am ehemaligen US-Stützpunkt Romeo

Soll neben einer Informationstafel an das Camp erinnern: der Gedenkstein bei Bosserode. Foto: Beer

Bosserode. Wo einst Panzerhalle, Funkanlage und Wachtturm standen, erinnern heute nur noch ein Gedenkstein und eine Informationstafel an den US-Beobachtungspunkt Romeo bei Bosserode.

Wenige Meter entfernt führt unüberhörbar die A4 durch das Land, durch das nahegelegene Werratal ziehen die Nebelschwaden. Es ist ein kühler Morgen. Von Osten her, von dort, wo der Thüringer Wald in der Ferne zu erkennen ist, weht ein leichter aber frostiger Wind.

Wo der Kalte Krieg war

Gunther Koch (70) ist SPD-Ortsvereinsvorsitzender in Bosserode. Am 3. Oktober findet hier unter seiner Federführung eine Gedenkfeier zum Tag der Deutschen Einheit statt. Er weiß viel über das Camp Romeo, in einem Ordner hat er Fotos, Zeitungsartikel und sogar einen Lageplan der Anlage gesammelt. „Das ist der Ort, wo der Kalte Krieg stattfand“, sagt er. Man kennt die Geschichte und auch die Geografie der Umgebung. Doch die wahre Bedeutung dieses Satzes, das Gefühl, das sich hinter ihm verbirgt, ist für junge oder zugezogene Menschen nur schwer zu begreifen.

Koch wohnt seit vielen Jahren hier, er und andere aus der Region erinnern sich gut an die Zeit, als die große Weltpolitik die Gegend in Form der innerdeutschen Grenze fest im Griff hatte. „In Bosserode waren alle Bordsteine kaputtgefahren“, sagt Koch, drei bis vier Panzer standen hier oben. Im Wald befand sich ein Munitionsdepot, im Camp waren zwischen 20 und 30 Soldaten stationiert. Die wurden wöchentlich abgelöst – zu eintönig war er, der Dienst am Eisernen Vorhang.

Eine Grenze in den Köpfen

Der Auftrag der Soldaten, so Koch, er sei klar definiert gewesen: Den von Osten kommenden Feind so lange wie möglich aufhalten, damit sich die Soldaten in der Bad Hersfelder Kaserne auf den nahenden Angriff vorbereiten können.

Es war einmal: Der Wachturm des Camps Romeo.

Doch der Feind kam nicht. Stattdessen brannte sich die laut Koch „bestbewachte Grenze der Welt“ in die Erinnerung derer, die tagtäglich mit ihr konfrontiert waren. Durch Signalanlagen, vermintes Gelände, Hundegraben und Patrouillen wurde sie zu einem nahezu unüberwindbaren Hindernis. Das fünf Kilometer breite Grenzgebiet war im Osten auch für dort Wohnhafte nur mit Passierschein zugänglich.

Feier gegen das Vergessen

Als die Amerikaner nach der Grenzöffnung abgezogen waren und es darum ging, ob das von Vandalismus gezeichnete und nach und nach geplünderte Camp Romeo abgerissen werden soll, war Gunther Koch einer der Entscheider in der Gemeindevertretung. Man entschloss sich für den Abriss. Zu negativ behaftet war die Grenze in den Köpfen der Leute, zu teuer wäre es gewesen, die Anlage instand zu halten.

Heute will Koch an das Camp, an die Zeit des bedrohlichen Stillstandes zwischen Ost und West erinnern. Die Gedenkfeier am 3. Oktober bezeichnet er als Feier gegen das Vergessen. „Die Grenze war da, sie hat uns bewegt“, sagt er. Sie bewegt ihn und die Region auch heute noch.

Quelle: HNA

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