Gemeinsam Fußballgucken trotz Pandemie?

Fußball-EM: Public Viewing ist in Hersfeld-Rotenburg unter Auflagen möglich

Das Bild zeigt drei Mitarbeiter des Sportfachgeschäfts Intersport Schild mit diversen EM-Fan-Artikeln.
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Gut gerüstet in die EM: Im Sportfachgeschäft Intersport Schild in der Rotenburger Breitenstraße gibt es alles, was das Fan-Herz begehrt. Unser Bild zeigt – von links – Heike Mausehund, Frithjof Schild und Natascha Große vom Beratungsteam mit einer Auswahl an Accessoires, die es nicht nur für Anhänger der deutschen Mannschaft dort gibt.

Auch wenn die Pandemie noch immer den Alltag bestimmt, ist es im Kreis Hersfeld-Rotenburg zur heute beginnenden Fußball-EM grundsätzlich erlaubt, Public Viewings anzubieten.

Hersfeld-Rotenburg - Außerhalb der eigenen vier Wände gelten allerdings strenge Auflagen. Darauf haben sich die 20 Bürgermeister und die Kreisverwaltung verständigt. Größere Rudelgucken-Veranstaltungen sind, im Gegensatz zu früheren Turnieren, bislang aber noch nicht geplant – bis auf eine Ausnahme.

Im Rotenburger Schlosspark will die Sportagentur Speed aus Neuenstein alle Spiele der DFB-Elf auf einer großen LED-Wand übertragen. Die Agentur plant für die Auftritte von Jogis Jungs gegen Frankreich (Dienstag, 15. Juni), Portugal (Samstag, 19. Juni) und Ungarn (Mittwoch, 23. Juni) mit jeweils 199 Zuschauern – plus Geimpfte und Menschen, die nachweislich eine Corona-Infektion überstanden haben. „Ansonsten sind in Rotenburg keine Public Viewings im öffentlichen Raum geplant“, sagt Bürgermeister Christian Grunwald.

So sieht es auch in Bad Hersfeld aus. „Bei uns liegen derzeit keine Anfragen vor. Die Stadt selbst wird kein Public Viewing anbieten“, sagt Meik Ebert, Sprecher der Kreisstadt.

Die Fan-Artikel für die heute beginnende Fußball-EM liegen bereit, die Nachfrage hält sich allerdings (noch) in Grenzen: Jana Hartig, Auszubildende bei Intersport Sauer in Bad Hersfeld, mit einer kleinen Auswahl.

In Bebra und Heringen das gleiche Bild: Laut Bürgermeister Stefan Knoche wäre ein Public Viewing auf dem Bebraer Rathausplatz „mit dem dort sonst üblichen Gruppengefühl bei diesen Vorgaben eh nicht möglich“. Heringens Bürgermeister Daniel Iliev: „Bislang ist mir nichts bekannt. Wenn ein Verein oder Jugendclub etwas auf die Beine stellen will, werden wir gern unterstützen.“

Allgemein sollen die Sportlerheime zwar noch geschlossen bleiben, wie die Bürgermeister und der Landkreis beschlossen haben. Für das EM-Gucken gilt: „Unter Auflagen wird das gemeinschaftliche Schauen der Fußballspiele unter Federführung des jeweiligen Vereins aber möglich sein“, heißt es in einer Mitteilung der Bürgermeister.

Das gilt auch für die geöffnete Gastronomie im Landkreis. Dort sollte im Vordergrund der Besuch der Gaststätte oder des Biergartens stehen und die Spielübertragung zweitrangig sein, wie Holger Reichenauer, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbandes, betont. „Mit Public Viewing zu werben ist meiner Ansicht nach auch unlauter, weil das Wort ein anderes Erlebnis suggeriert.“ Denn laut Vorschrift gelten Sitzplatzpflicht und Bedienungszwang.

Draußen bis 200 Gäste, drinnen bis 100 Gäste

Laut den Vorgaben des Landes Hessen gilt für größere Veranstaltungen und die Gastronomie in Regionen mit Lockerungsstufe 2, also auch für Hersfeld-Rotenburg: Feiern mit bis zu 100 Personen sind in Innenräumen möglich, wenn alle Teilnehmer negativ getestet sind. Im Freien sind 200 Gäste erlaubt, Test sind empfohlen, aber keine Pflicht. Eine maximale Gästezahl für Zusammenkünfte in privaten Wohnungen gibt es nicht. Das Land empfiehlt aber negative Tests. 

So langsam kommt sie auf, die EM-Stimmung im Landkreis. Das hat auch Frithjof Schild, Geschäftsführer des gleichnamigen Intersport-Geschäftes in Rotenburg, bei seinen Kunden festgestellt. Der offizielle EM-Ball mit dem Namen „Uniforia“ gehe bei ihm in dieser Woche immer häufiger über den Verkaufstresen, berichtet der 54-Jährige. „Die Papas und Opas kaufen ihn für ihre Kinder und Enkel“, sagt Schild.

Auch die Trikots der Nationalmannschaft seien schon gut nachgefragt worden, insbesondere das Damenmodell – und das schon vor vielen Wochen, als der Verkauf wegen Corona überwiegend nur online lief. Aber die richtig große EM-Vorfreude sei bei den Kunden noch nicht spürbar. „Das ändert sich aber hoffentlich, wenn das erste Spiel gelaufen ist – dann stellt sich sicher auch wieder Fußball-Euphorie bei uns ein“, sagt Schild.

Mit gebremstem Schaum gehen auch die Gastwirte im Landkreis das Thema Fußball-Europameisterschaft an. „Wie gewohnt wird es nicht gehen können – und das überall“, sagt Holger Reichenauer, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbandes Waldhessen. Wenn Gäste im Biergarten zum Fußballschauen zusammenkommen, dann nur mit maximal zehn Personen an einem Tisch sitzend. „Im Stehen mitfiebern und sich beim Torjubel in den Armen liegen oder gemeinsame Fangesänge anstimmen – all das wird es nicht geben und darf nicht sein“, sagt Reichenauer.

Dennoch freue man sich in der Gastronomie sehr darüber, dass es wieder losgehe und auch gemeinsames Fußballschauen wieder möglich sei. „Gerade deshalb gilt es aber auch, die Abstands- und Hygieneregeln weiter genau einzuhalten und mit Konzepten wie Wegeleitsystemen Begegnungen und Ansteckungsgefahren maximal zu reduzieren“, sagt der Dehoga-Vorsitzende. „Die Vorschriften werden von uns in der Gastronomie sehr ernst genommen, weil es schon aus Eigeninteresse auch unser größtes Anliegen ist, dass die Zahlen so niedrig wie möglich bleiben“, erklärt Reichenauer.

Die Gastwirte hätten immer darauf hingewiesen, angesichts ihrer Hygienekonzepte gegen die Virusverbreitung gut gerüstet zu sein – man habe sie nur leider zuvor nicht gelassen, dies auch unter Beweis zu stellen. Und auch beim gemeinsamen EM-Schauen sei der durch Auflagen geregelte Biergartenbesuch vermutlich deutlich sicherer, als die unkontrollierte Fußballparty im privaten Umfeld.

Das gilt auch für den gemeinsamen Besuch im Vereinsheim, denn auch dort müssen beim Public-Viewing strenge Auflagen erfüllt werden. Wer beispielsweise den Außenbereich des Vereinsheims nutzt, muss darauf achten, dass die Gäste ihre Kontaktdaten erfassen lassen, Sitzplatzpflicht gilt und an einem Tisch auch dort höchstens zehn Menschen sitzen dürfen. Die Kreisverwaltung weist zudem darauf hin, dass der Verkauf von Getränken im jeweiligen Rathaus angemeldet werden muss. „Als Fußballfan schmerzt es mich sehr, dass die Stadt Bebra selbst keine eigene Veranstaltung anbietet – deshalb unterstützen und ermuntern wir alle, die etwas organisieren wollen“, sagt Bebras Bürgermeister Stefan Knoche. (Sebastian Schaffner und Peter Gottbehüt)

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